Straßenrad vs. Bahnrad – wo liegen die größten Unterschiede? getty images

Straßenrad vs. Bahnrad – wo liegen die größten Unterschiede?

  • geschrieben von  Nils Borgstedt
Straßenrad und Bahnrad sehen auf den ersten Blick ähnlich aus, zeigen bei genauerer Betrachtung aber deutliche Unterschiede. Rahmengröße, Kettenspannung, Bremsen – das sind die größten Differenzen der beiden Radgattungen.

Nur ein Gang

Wer auf der Straße unterwegs ist, weiß, dass es mal bergauf, mal bergab oder mal einfach eben dahin geht. Gut, wenn man seinen Gang und damit den Tretwiderstand entsprechend seiner Bedürfnisse anpassen kann. Daher verfügen Straßenräder über eine Schaltung, die das Fahren in verschiedenen Gängen ermöglicht. Anders ist es auf der Bahn. Es herrscht immer die gleiche Beschaffenheit. Die Folge: Es gibt nur einen Gang. „Die Auswahl des Ganges ist nicht ganz einfach“, erklärt Denise Schindler, die als Paracyclerin selbst bei Weltmeisterschaften und Paralympics auf Bahn und Straße unterwegs ist. „Man muss aus dem Stand starten, bis zum Ende des Rennens eine hohe Frequenz halten und natürlich beschleunigen können“, sagt die Bahnrad-Vizeweltmeisterin von 2014.

Kein Leerlauf

Eine weitere Besonderheit des Bahnrades: Es hat keinen Leerlauf, sondern eine starre Nabe. Beim Bahnrad muss man also die ganze Zeit treten, auch wenn das Rennen vorbei ist. Einzig die Frequenz wird dann natürlich geringer, die Athleten rollen aus.

Keine Bremsen

„Auch Bremsen besitzt ein Bahnrad übrigens nicht“, erklärt die Athletin weiter. Die Begründung ist physikalisch logisch: Wird die Geschwindigkeit zu gering, fällt man von der geneigten Bahn. Nur bei entsprechend hohem Tempo sind die Fliehkräfte so groß, dass man auf der Bahn radeln kann. Und auch für einen sicheren Wettkampf sind fehlende Bremsen wichtig. „Auf der Bahn geht es so eng zu, dass die Bremsaktion eines Einzelnen eine Kettenreaktion auslösen und Stürze verursachen könnte“, sagt Schindler.

Rad-Geometrie – Kette, Kurbel und Ritzel

Um die notwendigen Geschwindigkeiten zu erreichen, muss der Athlet einiges an Kraft aufbringen. Über 2.000 Watt können bei Kraftpaketen wie Robert Förstemann oder Chris Hoy durchaus auf die Pedale und Tretlager wirken. Damit das Rad diese Belastung aushält, wird der Lenker verstärkt, es kommen dickere Ketten und Ritzel zum Einsatz.

In der Rad-Geometrie unterscheiden sich Bahnrad und Straßenrad bei

  • Tretlager: liegt beim Bahnrad höher – so können sich die Fahrer besser in die Kurve legen und
  • Kurbellänge: in der Regel etwas kürzer als beim Straßenrad und der Länge des Vorbaus


Insgesamt ist das Bahnrad sehr kompakt und reduziert gehalten. So wird das Kurvenfahren optimiert und eine direkte und möglichst verlustfreie Kraftübertragung erreicht.