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Der Meniskusriss – Was ist das?

Verletzungen am Knie sind bei Sportlern keine Seltenheit. Häufig in Mitleidenschaft gezogen: Der Meniskus. Reißt er, spricht man vom Meniskusriss.  Je früher diese Verletzung erkannt wird, desto größer sind die Therapiemöglichkeiten. Was genau ist ein Meniskusriss und welche Behandlungsverfahren gibt es?
Ist von dem Meniskus die Rede, sind der Außen- und der Innenmeniskus gemeint. Bei einer Meniskusverletzung ist in 90 Prozent der Fälle der Innenmeniskus betroffen. Dies äußert sich in Schmerzen auf der Innenseite des Knies beim Laufen, bei  Beugung und bei Belastung gegen Widerstand.

Ist der Außenmeniskus gerissen, kann der Schmerz überall hin strahlen. „Jeder Schmerz rund ums Kniegelenk  kann auch vom Meniskus her rühren“, erklärt der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie Dr. Markus Kessler aus München.

Was ist der Meniskus?

Der Meniskus ist ein halbmondförmiges Knorpelgewebe aus einer sehr strapazierfähigen Knorpelfaser innerhalb des Kniegelenks. Er befindet sich zwischen dem Schienbeinkopf und dem Oberschenkelknochen. Salopp wird oft gesagt, der Meniskus sei der Stoßdämpfer des Körpers. „Das stimmt so nicht ganz“, erklärt Dr. Kessler. „Wir haben im Körper im Prinzip gar keine Mechanismen, die wie ein Stoßdämpfer funktionieren. Der beste Stoßdämpfer des Körpers ist der ganze Körper an sich. Stöße werden von Kopf bis Fuß über die Muskelarbeit absorbiert. Das geschieht vor allem durch ein Einknicken des Knie- oder Beckengelenks. Der Meniskus hingegen dient in erster Linie als sekundärer Stabilisator für das Kniegelenk. Das Kniegelenk ist ein Roll-Gleit-Gelenk. Die innere und äußere Kugel des Oberschenkelknochens, die sogenannten Gelenkkondylen, gleiten auf dem Schienbeinplateau. Da zwei Kugeln auf einer Platte per se aber nicht stabil sind, gibt es Stabilisatoren, die das Knie in Position halten. Die Bänder als primäre Stabilisatoren, sind dafür zuständig das Knie in der entsprechenden Bewegungsrichtung zu halten. Die Aufgabe der Menisken, des  Innen- und Außenmeniskus, ist es, die Formschlüssigkeit des Kniegelenks zu gewährlisten. Sie werden deshalb als nachrangige, sekundäre Stabilisatoren bezeichnet.“

Der Meniskusriss – Wie entsteht er?

Es gibt zwei Typen von Meniskusrissen, die man unterscheiden muss. Der frische, traumatische Riss entsteht durch eine akute Sportverletzung, das heißt der Meniskus wird durch bestimmte Drehbewegungen so gestresst, dass er einreißt. „Gefährlich sind vor allem die typischen Sportarten, bei denen das Knie nicht nur gebeugt oder gestreckt wird, sondern zusätzlich noch um die Beinachse gedreht wird. Das sind zum Beispiel Handball, Skifahren aber auch Fußball, also alle Sportarten mit unkontrollierten Bewegungsabläufen. Ebenfalls treten Meniskusrisse oft in tiefer Kniebeugung auf. Deshalb kommt es auch bei Sportarten wie Yoga zu Meniskusverletzungen“, weiß Dr. Kessler.

Dem traumatischen Riss gegenüber steht der degenerative Meniskusriss. Der Orthopäde erläutert: „Mit zunehmendem Alter verliert der Meniskus an Elastizität. Ähnlich wie ein alter Autoreifen wird der Meniskus spröde und reißt irgendwann degenerativ ein. Diese Degenerationen beginnen schon relativ früh, bereits Mitte des 20. Lebensjahres. Ausgeprägt sind sie aber erst in einem Alter von 30 oder 40 Jahren. Zusammenfassend ist ein Meniskusriss bei einem jungen Patienten bis 30 Jahren meist verletzungsbedingt, während ein Meniskusriss bei älteren Menschen ab 40 Jahren oft die Folge von degenerativen Veränderungen ist.“

Der Meniskusriss – Risikofaktoren

Starke Risikofaktoren, die häufig einen Meniskusriss nach sich ziehen können, sind vorausgegangene Knieverletzungen, insbesondere Verletzungen des vorderen Kreuzbandes oder Schienbeinkopfbrüche.  Meniskusverletzungen können aber auch durch sportliche Überbelastung begünstigt werden. „Wenn überhaupt keine Rücksicht auf die Anatomie des Knies genommen wird, ist es möglich, dass vorzeitige Degenerationen des Meniskus eintreten. Weiterhin muss auch immer die Beinachse bei der Diagnose berücksichtigt werden. Männer haben meistens ein leichtes O-Bein. Sie haben deshalb häufiger einen Innenmeniskusschaden. Frauen haben tendenziell eher ein X-Bein und dementsprechend auch häufiger einen Außenmeniskusschaden“, erklärt Dr. Kessler.

Der Meniskusriss – Behandlung

Ein Meniskusriss heilt nicht von selbst. Um wieder ohne Schmerzen laufen und Sport treiben zu können, ist in jedem Fall ein orthopädisch chirurgischer Eingriff nötig. Es gibt drei verschiedene Möglichkeiten einen Meniskusriss zu behandeln.

Bei einer Meniskusnaht, wird der Meniskus rekonstruktiv wiederhergestellt. Der Riss wird genäht. „Dieses Verfahren macht nur bei jungen Patienten unter 30 Jahren Sinn, die eine frische Ruptur und einen geraden Einriss des Meniskus aufweisen. Nur wenn die Verletzung innerhalb kürzester Zeit versorgt wird, ist eine Naht von Erfolg gekrönt.  Wenn zum Beispiel ein 25-Jähriger innerhalb eines Zeitraums von vier oder fünf Wochen erkennt, dass sein Meniskus gerissen ist, haben wir noch eine Chance diesen zu nähen“, erläutert der Mediziner. „Je eher eine Naht erfolgt, desto höher stehen die Chancen für eine gute Heilung."

Doch nicht jeder Meniskusriss kann rekonstruktiv wiederhergestellt werden. Die Therapie richtet sich nach der Verletzung. Daher kommt es weit häufiger vor, insbesondere bei degenerativen Veränderungen, dass der kaputte, funktionsunfähige Gewebeanteil des Meniskus entfernt werden muss. Man spricht von einer Meniskusteilresektion oder -Teilentfernung. „Man muss immer der Verletzung Respekt zollen. Natürlich entfernen wir immer nur so wenig wie möglich, doch wenn der gesamte Meniskus kaputt ist, bleibt uns keine andere Wahl, als diesen komplett zu entfernen“, sagt Dr. Kessler.

Die dritte Behandlungsmöglichkeit ist eine Transplantation. „Wenn sich ein junger Patient den Meniskus so zerstört, dass er komplett entfernt werden müsste, könnte man eine Meniskustransplantation in Betracht ziehen, da ansonsten ein sehr hohes Arthrose-Risiko gegeben ist.  Nach einer Transplantation ist man allerdings nicht mehr sportfähig. Deshalb ist dieses Verfahren sehr kritisch zu betrachten und stellt eher eine Notlösung dar. Man darf sich nicht der Illusion hingeben, dass eine Transplantation von Meniskusersatzgewebe das Knie wieder vollständig zur Funktionalität zurückführt.“ Meniskustransplantationen werden daher nur sehr selten eingesetzt.

Der Meniskusriss – Nachbehandlung

Nach der Operation wird ein individuelles Nachbehandlungsprogramm für den Patienten zusammengestellt, das sich am Verletzungsmuster und an der durchgeführten Therapie orientiert. Danach richten sich die Geschwindigkeit des Wideraufbaus und die Rückführung zum Sport.

 „Bei einer Naht dauert die Regenerationsphase deutlich länger. Der Patient muss mit sechs Wochen auf Krücken und bis zum Wiedereintritt der sportlichen Leistungsfähigkeit mit insgesamt sechs Monaten Pause rechnen. Bei einer Resektion ist das individuell unterschiedlich. Meistens werden drei Tage Krücken verordnet. Autofahren kann der Patient wieder nach drei bis fünf Tagen. Bis zum Wiedererlangen der sportlichen Leistungsfähigkeit dauert es sechs Wochen.“, berichtet Dr. Kessler.

Für die sportliche Leistungsfähigkeit sind die Auswirkungen berechenbar. „Die meisten Patienten können sich wieder in vollem Ausmaß sportlich betätigen. In ganz seltenen Fällen können extreme sportliche Aktivitäten nicht mehr durchgeführt werden. Nach einer Resektion ist das Wiedererreichen des Sportniveaus in der Regel besser als bei einer Naht. Ein Profisportler mit einem Meniskusriss muss sich deshalb kritisch damit auseinander setzten, welches Behandlungsverfahren er wählt. Bei einer Naht würde das Arthrose-Risiko deutlich sinken, damit ginge allerdings auch ein sehr langwieriger Heilungsprozess einher. Die meisten Profisportler tendieren deshalb zu einer Teilresektion.“
Zwar hat eine Teilentfernung des Meniskus in den meisten Fällen keine problematischen Auswirkungen auf die sportliche Leistungsfähigkeit, doch durch das Fehlen des Knorpelgewebes erhöht sich das Risiko später an einer Kniegelenksarthrose zu erkranken.

Generell gilt: Ein junger Sportler mit einer Knieverletzung sollte nicht darauf warten, dass der Schmerz von alleine verschwindet, sondern sofort einen erfahrenen Orthopäden aufsuchen. „Ein Arzt, der sich auf Knieverletzungen spezialisiert hat, kann schon bei der körperlichen Untersuchung mit über 90-prozentiger Sicherheit einen Meniskusriss feststellen. Der Kernspin vervollständigt die Diagnose und dient zur Operationsplanung. Er zeigt, ob noch Begleitverletzungen da sind, welche Form der Meniskus hat und ob eine Teilresektion oder eine Naht sinnvoll ist. Bei einem Meniskusriss geht es um die Zeit. Je früher ein Meniskusriss erkannt wird, desto besser kann er versorgt werden.“, erklärt Dr. Kessler abschließend.

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