Erste Hilfe: Kapselverletzungen der Finger getty images; Dwayne Wade verletzt sich im Spiel gegen die Detroit Pistons am Finger (2013)

Erste Hilfe: Kapselverletzungen der Finger

Beim Basketball oder Beachvolleyball holt man sich schnell eine Kapselverletzung. Typischerweise, wenn der Ball auf den gestreckten Finger fällt. Wie sieht die Erste Hilfe aus und wann kann man wieder auf den Platz?
Eine Kapselverletzung tritt in der Regel nach einem traumatischen Erlebnis auf. „Zu einer tatsächlichen Kapselverletzung kommt es normalerweise, wenn der Finger im Endgelenk in die Überstreckung oder Beugung geschlagen wird. Die Folge ist eine Überreizung der Kapsel und des Bandapparates, ähnlich, wie wenn man mit dem Fuß umknickt“, erklärt Arzt und Sportwissenschaftler Dr. Dr. Homayun Gharavi. Prallen etwa Basketball oder Volleyball gerade auf den gestreckten Finger, muss das nicht zu einer Kapselverletzung führen. „Bei einer solchen axialen Belastung kommt es zu einer starken Stauchung des Gelenks. Entgegen der allgemeinen Annahme ist in diesem Fall aber die Kapsel häufig nicht direkt verletzt“, sagt Gharavi.

Kapselverletzung: Symptome


Wenn der Kapselapparat gereizt ist, reagiert er mit einer inneren Flüssigkeitsabsonderung. Dadurch kann es zu einer Schwellung kommen, die sich auch erst einige Zeit nach dem Trauma einstellen kann. Damit einhergehend treten Schmerzen und ein Funktionsverlust auf (eingeschränkte Beweglichkeit). „Kommt es zu einer akuten Schwellung, ist das in der Regel die Folge einer Blutung aufgrund von verletztem Gewebe“, sagt Gharavi.

Erste Hilfe bei Kapselverletzungen


Als Erste-Hilfe-Maßnahmen empfiehlt Gharavi das PECH-Schema, also Pause, Eis, Compression, Hochlagern. Der Fokus sollte aber klar auf der Kompression liegen. „Als erstes gilt es, Druck auf die verletzte Struktur zu bringen, beispielsweise mit der anderen Hand. Außerdem sollte man die Hand nach oben halten, damit das Blut gut abfließen kann. Sollte ein Gewebeschaden aufgetreten sein, lässt man so überhaupt keine oder nur eine geringe Einblutung zu, und auch bei einer Reizung erzeugt man dadurch so einen hohen Gewebsdruck, dass die Schwellung fast keine Chance hat“, begründet Gharavi das Vorgehen. „Erst Kompression, dann Eis“ lautet die Faustregel des Mediziners, der zahlreiche Spitzensportler während des Wettkampfs und auch abseits ihrer Sportarenen betreut.

So geht man weiter vor


Bei starken Schmerzen oder wenn man sich nicht sicher ist, ob nicht doch es etwas gebrochen ist, ist in jedem Fall ein Arzt zu konsultieren, damit – eventuell durch eine Röntgenuntersuchung – eine Fraktur ausgeschlossen werden kann. „Ist eine Fraktur ausgeschlossen, hat man im Grunde freie Bahn“, sagt Gharavi. Vom Schienen des Fingers hält er aber nichts. „Die Schiene schützt den Finger, ist also protektiv. Aber, und das ist ein Nachteil, man schützt auch die Bewegung. Und das ist Quatsch. Da bin ich ein Verfechter einer schonenden Rückführung und der freien Bewegung. Tape halte ich für sinnvoll, da es das Gelenk und die Weichteilstrukturen komprimiert, schont und stützt.“ Vereinfacht: Bewegung ohne Belastung. „Der Alltag ist dafür eigentlich Training genug. Man sollte schauen, dass man den Finger ganz normal einsetzt, soweit es der Schmerz zulässt.“

So lange dauert eine Kapselverletzung


Die Dauer einer Kapselverletzung in den Fingern ist in ihrem Heilungsverlauf nicht anders als andere Weichteilverletzungen. „In den ersten drei Tagen nimmt die Schwellung in der Regel zu. Bildlich gesprochen wird alles Notwendige zur Baustelle transportiert. Es setzen Abbau- und Aufbauprozesse ein, Narbengewebe bildet sich. Anschließend klingt das Ganze wieder ab. Vom vierten bis zum siebten Tag gibt es in der Regel eine ganz rapide Verbesserung und dann ist der erste Grundstein für die weitere Heilung gelegt“, erklärt Gharavi. „Bis die Kapselverletzung vollständig ausgeheilt ist, dauert es etwa sechs bis acht Wochen. Zurück auf den Platz kann man aber meistens schon am Ende der ersten Woche. Das kann aber individuell variieren. Das betroffene Gelenk sollte man bei seinem Wiedereinstig auf jeden Fall tapen.“

So tapest Du das Gelenk:


Tape auf etwa 1 cm Breite bringen, in der Regel muss man es dafür längs einreißen. Anschließend mit leichtem Zug direkt um das Gelenk wickeln.
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