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So wirken Sportsalben

Muskelkater oder Zerrungen sind nach dem Training keine Seltenheit. Häufig wird dann zu Salben gegriffen, die eine Schmerzlinderung versprechen. Aber hilft das Eincremen überhaupt? So wirken Sportsalben.

Wie Sportsalben wirken (sollen) – Unterschied zwischen wärmenden und kühlenden Salben

 „Sportsalbe ist in dem Sinne nicht der richtige Ausdruck. Man kann zwischen wärmenden und kühlenden Salben unterscheiden“, sagt Professor Dr. med. Andreas B. Imhoff, Chefarzt der Sportorthopädie-Abteilung der Technischen Universität München. Kühlende Salben sollen der Muskulatur über die Haut Wärme entziehen. Sie kommen bei Zerrungen, Prellungen oder Verstauchungen zum Einsatz. Während kühlende Salben abschwellend und entzündungshemmend wirken, sollen wärmende Salben die Durchblutung fördern. Diese erwärmen die Haut und das darunterliegende Muskelgewebe. Wärmende Salben kämen laut Prof. Dr. Imhoff beispielsweise bei Muskelverhärtungen zum Einsatz. Die Wärme erweitere die Gefäße und sorge so für eine bessere Durchblutung der Muskulatur.

Die Wirkungsweise hängt immer von der Salbenart ab. Die Wirkstoffpartikel einer medizinischen Salbe sind beispielsweise so klein, dass sie durch die Haut gelangen können. Wärmende oder kühlende Salben entfalten Ihre Wirkung dagegen auf der Haut, entweder durch Reaktion mit der Haut bei wärmenden Salben oder durch Reaktion mit der Luft bei kühlenden Salben.

Medizinische Wirkstoffe in Sportsalben

Entzündungshemmende Salben enthalten beispielsweise Wirkstoffe wie Ibuprofen, Salicylsäure oder Diclofenac. Durchblutungsfördernde Salben beziehungsweise Gele beinhalten Heparin, Heparinoide oder Hirudin. Häufig werden auch pflanzliche Wirkstoffe in Salben verwendet, die eine schmerzlindernde Wirkung versprechen. Beispiele hierfür: Beinwell oder Gänseblümchen bei Prellungen, Zerrungen und Verstauchungen, weiße Zaunrübe bei Überanstrengung der Muskulatur, Echter Sturmhut bei Entzündungen und Muskelschmerzen.

Studie zur Wirksamkeit von Sportsalben

Wissenschaftler der Universität Oxford konnten 2014 im Rahmen einer Studie die Wirksamkeit von durchblutungsfördernden Salben nicht nachweisen. Das Ergebnis: Die Salben lenkten lediglich vom Schmerz ab, anstatt dessen Ursache zu bekämpfen. Durch die Rötung an der Stelle, auf die die Salbe aufgetragen wird, werde eine Gegen-Irritation erzeugt, die vom Schmerz ablenke, so die Wissenschaftler. Dass durchblutungsfördernde Salben häufig trotzdem als schmerzlindernd empfunden werden, liege laut den Wissenschaftlern an der hautreizend-durchblutungsfördernden Wirkung der Salicylate, die in Kombination mit dem Einreiben wohl als heilend empfunden werde.

Bei chronischen Leiden hingegen könnten die Salben zwar in manchen Fällen helfen, allerdings nicht so gut wie Tabletten. Jedoch gestanden die Forscher ein, dass es zur endgültigen Klärung der Wirksamkeit weiterer Studien bedarf, in denen beispielsweise Salben mit anderen Wirkstoffen getestet werden. Es seien aber nicht alle Salben schlecht – die Wirkung entzündungshemmender Gele sei beispielsweise recht gut nachgewiesen.

Wirksamkeit von Sportsalben – Fazit

Prof. Dr. Imhoff sieht es wie folgt: „Kühlende Salben sind bei Verletzungen wie Zerrungen, Prellungen oder Verstauchungen zwar möglich, aber empfehlenswerter sind Cold Packs – zumindest bei der Erstversorgung.“ Im Hinblick auf wärmende Salben scheint (noch) kein endgültiger Beleg in puncto Wirksamkeit zu existieren. Die vorausgegangene Studie spricht in der Tendenz gegen die Wirksamkeit durchblutungsfördernder Salben mit dem Wirkstoff Salicylsäure. Prof. Dr. Imhoff hingegen sieht zumindest eine unterstützende Funktion der Salben im Heilungsprozess. Er empfiehlt in diesem Zusammenhang ergänzend beispielsweise Massagen bei Muskelkater, um die Muskulatur aufzulockern.

Eines steht fest: Der Athlet sollte wissen, welche Art der Behandlung (mit welcher Salbe) notwendig ist. Einen Arztbesuch ersetzt die nächstbeste Salbe, die man in der Hausapotheke findet, selbstredend nicht.

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