Laufen bei Kälte – Warum die Herzfrequenz im Winter höher ist istockphoto.com/pixelprof

Laufen bei Kälte – Warum die Herzfrequenz im Winter höher ist

  • geschrieben von  Marco Heibel
Wer mit Pulsuhr läuft, wird vielleicht schon festgestellt haben, dass die Werte im Display bei Minusgraden oft einen deutlichen Sprung nach oben machen. Das hat in den seltensten Fällen etwas mit extremen Formschwankungen zu tun. Der Schuldige ist schnell gefunden: die niedrigen Temperaturen.

Der menschliche Körper ist in vielerlei Hinsicht ein wahres Wunder. Die Thermoregulation ist nur eine Facette. Unser Körper verfügt über gewisse Systeme, die unsere optimale „Betriebstemperatur“ von rund 36 Grad unter den verschiedensten Bedingungen lange aufrechterhalten.

Thermoregulation bei Hitze und Kälte


So kühlt er sich etwa bei großer Hitze oder körperlicher Anstrengung durch verstärkte Durchblutung der Extremitäten und Schwitzen. Und auch bei Kälte ist der Körper in der Lage, seine optimale Kerntemperatur lange aufrecht zu erhalten: Er reduziert die Wärmeabgabe, indem er vermehrt den Körperkern (wo die lebenswichtigen Organe sitzen) und weniger die Haut und die Extremitäten durchblutet.



Sobald der Körper jedoch verstärkt einschreiten muss, um die Temperatur zu regulieren, erhöhen sich auch Herzschlag und Blutdruck. Dies kurbelt den Stoffwechsel an und kostet Energie. Für einen Outdoor-Sportler bedeutet dies, dass die Herzfrequenz bei extrem hohen oder niedrigen Temperaturen bei gleichem Tempo deutlich über dem Normalwert liegt. Dies ist mit ein Grund, warum beispielsweise Marathonläufe in erster Linie im Frühling oder Herbst stattfinden. Denn eine Top-Zeit ist eigentlich unmöglich zu erreichen, wenn der Körper zu viel Energie für die Thermoregulation aufwenden muss.

Trainingspuls im Winter


Wer mit einer Pulsuhr unterwegs ist, sollte seinen Zielpuls bei Kälte daher etwas nach unten korrigieren. Es gibt zwar keine wissenschaftlich belegten Werte, um wie viele Schläge genau der Herzschlag bei einem Lauf im Winter vom Trainingspuls bei beispielsweise 15°C abweicht, doch ein paar Schläge weniger als sonst sollten es schon sein. Ansonsten hilft es immer noch, auf seinen Atemrhythmus und sein Gefühl zu vertrauen.

Es im Winter langsam angehen lassen


Aus diesem Grund ist der Winter der ideale Zeitpunkt, um dem Körper etwas Ruhe zu gönnen. Die vielleicht bessere Alternative ist jedoch, auch bei einstelligen Minusgraden entsprechend gekleidet weiterzulaufen – allerdings extrem langsam und weniger lang. Grundlagenläufe kann man auch bei einstelligen Minusgraden noch gut absolvieren. So trainiert Ihr auch im Winter die konditionellen Grundlagen und sammelt wertvolle Trainingskilometer, um im Frühjahr nicht wieder bei Null starten zu müssen. Außerdem stärkt Ihr durch die Herz-Kreislauf-Belastung Euer Immunsystem.

Ihr müsst Euch nur von dem Gedanken lösen, mindestens einmal in der Woche einen Intervall- oder Tempodauerlauf machen zu müssen. Wer darauf trotzdem nicht verzichten möchte, sollte sich ausgiebig warmlaufen oder aber sein Pensum auf dem Laufband abspulen.