Wofür Läufer laufen - Die Laufkolumne Norbert Wilhelmi

Wofür Läufer laufen - Die Laufkolumne

  • geschrieben von  Peter Maisenbacher
Was schreibt sich der Läufer auf sein Lauf-Shirt? Unser Kolumnist Peter Maisenbacher hat bei seinen Moderationen den Läufern auf Brust und Rücken gesehen – und dabei einige kuriose Läufersprüche entdeckt.
Früher, als die (Lauf-) Welt noch einfacher war, stand auf einem Laufshirt nichts – oder höchstens der Name des Vereins, für den man startete. Martin Grüning, laufender Chefredakteur von „Runner’s World“, rennt heute seine Wettkämpfe wieder in einem grauen T-Shirt mit nichts drauf – und sieht darin weniger wie eine graue Maus aus, als vielmehr wie eine graue Eminenz. So kann ihm auch niemand einseitige Werbung unterstellen.

Abgesehen vom Logo des-Herstellers befindet sich auf den meisten Shirts meist der Name eines Werbepartners. Oder gleich ein ganzer Sponsorenpool, der sich über den Rücken ausbreitet. Und damit ist noch nicht der letzte Quadratzentimeter bedeckt. Sondern noch Platz für den einen oder anderen, mehr oder weniger originellen Spruch. Was mir da so alles auf der Zielgerade entgegenkommt, wenn ich die Läufer auf ihren letzten Metern begleite. Der Verweis auf ein bedeutendes Finish der Vergangenheit. Sinniges wie „It’s the distance, not the speed“ oder „Der Schmerz geht, der Stolz bleibt“. Selbstironisches wie „Quäl dich, du Sau!“ oder „Wo ich laufe, ist hinten!“. Und Botschaften an die Mitstreiter: „Überhol doch, du Angeber!“ oder „Konkurrenz – kenn ich nicht!“.

Und gelegentlich, ich geb’s zu, entdecke ich Sprüche, die mich sprachlos zurücklassen. So geschehen, beim letzten Berlin Marathon, als mir beim BMW Hotspot auf dem Kudamm immer wieder der Spruch „Jede Oma zählt“ ins Auge sprang. Okay, jede Oma zählt, im Prinzip richtig. (Und aus Gründen des Geschlechterproporz sei hinzugefügt: Jeder Opa auch. Kann ich seit Neuestem aus der Warte des Großvaters bestätigen.) Aber was wollten uns die Läufer mit dieser Selbstverständlichkeit sagen? Erst im Nachfeld der Großveranstaltung erhielt ich über Jan Fitschen, den Ex-Europameister über 5000 Meter, die Auflösung meines Rätsels: Es handelte sich um eine Spendenaktion für die tapferen Großmütter Afrikas und ihre verwaisten Enkelkinder! Also ein weiteres Beispiel für eine Charity-Aktivität nach dem Motto: „Ich laufe für …“.

Auf der Startnummer findet man nicht nur die Zahl, sondern oft auch den Vornamen des Läufers und dazu den Namen des Hauptsponsors. Und sogar hier ist Raum für Individualität. Denn statt sich das gute Funktionsshirt mit Sicherheitsnadeln zu durchlöchern, greifen immer mehr zu den kleinen Magneten, die die Startnummer fix halten. Und die gibt es mit unterschiedlichen Emoticons oder Logos. Einer meiner Favoriten: der Smiley.

Bin gespannt, welcher Läuferspruch mir demnächst ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Ich halte die Augen bei den nächsten Ereignissen offen, dem Würzburg Marathon und dem Stadtlauf Traunreut.

Unser Kolumnist

Peter Maisenbacher ist als Moderator bei unzähligen Laufevents dabei, u.a. bei den großen Marathons in München und Berlin, hautnah dran am Läufergeschehen und auf Du und Du mit den Top-Athleten wie den Breitensportlern. Den Laufkalender dieses Jahres peppt er mit einer regelmäßigen Kolumne und dem dazugehörigen Blick hinter die Kulissen auf. Selbstverständlich immer mit einem kleinen Augenzwinkern!

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