Columbia – Erfinder der Anglerweste mit Augsburger Wurzeln thinkstockphotos.de

Columbia – Erfinder der Anglerweste mit Augsburger Wurzeln

  • geschrieben von  Derk Hoberg
Angefangen hat alles mit der Flucht aus Deutschland. 1937 flüchtete das jüdische Ehepaar Paul und Marie Lamfrom aus Deutschland und gründete ein Jahr später die Hutfabrik Columbia in Portland. Namensgeber des Unternehmens war der nahe gelegene Columbia River. Heute ist das Familienunternehmen mit den Augsburger Wurzeln auf der ganzen Welt vertreten und stellt beinahe alles her, was der Outdoor-Markt hergibt.

Mit dem Kauf einer kleinen Hutfabrik in Portland (Oregon) im Jahre 1938 begann die erfolgreiche Geschichte eines Unternehmens, welches heute weltweit produziert und auf Outdoor-Artikel spezialisiert ist. Das jüdische Ehepaar Paul und Marie Lamfrom erkannte die grausamen Pläne der Nazis in Deutschland rechtzeitig und verließ seine Heimatstadt Augsburg. Dort betrieben die beiden bis dahin Deutschlands größte Hemdenfabrik. Zumindest das waren gute Voraussetzungen, um mit der „Columbia Hat Company“ ein zweites Leben in der neuen Heimat Portland zu beginnen.

Familienunternehmen mit Tradition

Das Familienunternehmen pflegt seine Traditionen bis heute. Die Tochter von Firmengründerin Marie Lamfrom, Gertrud „Gert“ Boyle, ist noch immer in den Werbespots des Unternehmens vertreten. Genauso, wie die heute 89-Jährige noch jeden Tag in der Firma vorbeischaut, auch wenn die Geschäfte inzwischen von Tim Boyle, ihrem Sohn, geleitet werden. Sie hatte das Unternehmen nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1970 übernommen. Bis dahin war sie Hausfrau und hatte sich um ihre Kinder gekümmert. Gert und Tim Boyle retteten die Firma im Laufe ihrer nun über 70-jährigen Geschichte mehrfach vor der Insolvenz und der Übernahme durch die Konkurrenz.

Mitverantwortlich für die Rettung der Firma waren kluge Strategiewechsel des Unternehmens. War Columbia bis 2002 der weltweit größte Abnehmer für Produkte des Membranherstellers Gore Tex, besann man sich in der Folge auf die Entwicklung eigener Materialien und Techniken. Seien es wasser- und winddichte Membrane für die Outdoor-Bekleidung oder aber Technologien wie Omni Heat, die für ausreichend Wärme in den Outdoor-Produkten des Unternehmens sorgen sollen.

Fischerweste bringt Erfolg

Der kurioseste Meilenstein des Unternehmens war aber die Erfindung der Fischerweste im Jahr 1960. Gerade in den USA fand sie reißenden Absatz unter den Hobby-Anglern. Nicht nur, dass sich dieses Kleidungsstück aufgrund seiner Funktionalität bis heute großer Beliebtheit erfreut, die Erfindung Gert Boyles verwandelte das Unternehmen von einer reinen Hutfabrik in einen Sportbekleidungs-Hersteller und brachte es damit in die Erfolgsspur.

Zahlreiche weitere Innovationen hat das Unternehmen seither zu verzeichnen. Dabei legt Columbia Wert darauf, „dass die entwickelten Technologien sichtbar, für den Verbraucher nachvollziehbar und somit greifbar sind. Man soll also erkennen können, wie etwas funktioniert“, sagt Stefan Gmeiner, Columbia Country Manager Deutschland. Vor allem seit der „Trennung“ von Gore-Produkten wird das in Entwicklungen wie der Omni Heat Technologie deutlich, die 2010 die Marktreife erlangte. Das Prinzip hinter dieser Wärmetechnologie basiert auf jenem der Notfall- oder Rettungsdecken, die man aus dem Auto kennt. Mit einem speziellen, zum Patent angemeldeten, Muster aus Silberpunkten auf der Innenseite von Jacken und Hosen soll die Körperwärme reflektiert und reguliert werden.

Trotz zahlreicher Schicksalsschläge hat sich das Familienunternehmen auch aufgrund solcher Entwicklungen bis heute nicht unterkriegen lassen. Nach der Flucht aus Deutschland wurden drohende Pleiten und mögliche Übernahmen durch die Konkurrenz abgewendet. Heute beschäftigt das Unternehmen 2.700 Mitarbeiter weltweit, war offizieller Ausrüster verschiedener Olympia-Teams bei den Olympischen Spielen in Sotschi und verkauft seine Produkte in über 70 Ländern – und zwar weit mehr als nur Hüte.

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