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Körper und Geist – Geistig gesund durch Bewegung

  • geschrieben von  Maria Poursaiadi
„Mens sana in corpore sano“ – „In einem gesunden Körper lebt ein gesunder Geist“, so sagt es eine alte lateinische Weisheit. Und was im Altertum galt, gilt für die heutige Zeit ebenso. Sport und Bewegung dienen nicht nur dem Training oder dazu, den Körper zu formen. Körperliche Ertüchtigung baut zudem Stress ab und wappnet uns gegen viele Krankheiten. Bewegung ist aber auch ein Faktor, der uns das psychische Wohlbefinden näher bringt.

Der Frage, wie sich tägliche Bewegung auf die Psyche auswirkt, haben sich zahlreiche Wissenschaftler im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit angenommen. In einer umfangreichen Broschüre („Aktiv sein – für mich - Auswirkungen von Bewegung auf die psychische Gesundheit von Frauen“) haben sie den Zusammenhang von Bewegung und Psyche speziell bei Frauen unter die Lupe genommen. Doch aus den dortigen Erkenntnissen lassen sich viele Ansatzpunkte ableiten, die für Frau und Mann gleichermaßen Geltung haben.

Einfluss der körperlichen Veränderung auf Körper und Geist

Menschen durchleben im Laufe ihres Lebens die unterschiedlichsten Entwicklungs-Phasen und stoßen immer wieder körperlich als auch geistig an ihre Grenzen. Durch den geeigneten Sport können sie sich auf altersbedingte Gegebenheiten besser vorbereiten, sich aber auch den alltäglichen Herausforderungen effektiver stellen. Dabei ist hier nicht nur die Rede von älteren Menschen, denen körperliche Gebrechen zu schaffen machen. Selbst der vor Kraft und Elan sprühende Jungendliche muss körperliche Grenzen anerkennen und hat Stress-Faktoren wie Schule, Prüfungsangst oder der ersten große Liebe zu meistern. Darüber hinaus haben gerade pubertierende Jugendliche mitten im Hormonen-Chaos die ein oder andere körperlich-funktionale Umstellung auszuhalten. Extremen körperlichen Veränderungen sind vor allem jedoch Frauen während der Schwangerschaft und den Wechseljahren ausgesetzt. Auch Männer geraten in den frühen Vierzigern und Fünfziger in eine Lebenskrise, wenn die physische Kraft langsam nachlässt und man sich ungewohnte Schwächen eingestehen muss. Ganz besonders während dieser Phasen ist es enorm wichtig, nicht nur körperlich sondern auch psychisch stark zu sein. Neben einem gesunden Selbstbewusstsein hilft auch die körperliche Betätigung eine gesunde und positive Einstellung zum Leben zu bekommen.

Sport in allen Lebensphasen

Dass wir alle dem körperlichen Wandel unterworfen sind, haben wir bereits festgestellt. Es fragt sich, wie sich der Sport positiv auf diese Phasen vom Kleinkind zum Erwachsenen auswirken kann und welche Wirkung er auf die Psyche des Menschen haben kann.

Soziale Interaktion
Sport ist ein sehr guter Wegbereiter für soziale Interaktionen. Man findet hier nicht nur Menschen, die auf das gleiche Ziel hinarbeiten, was die Motivation ankurbelt. Man findet gleichzeitig Leitbilder für Sportsgeist, Zielstrebigkeit und Kampfbereitschaft. Diese sind Hebel, die man im täglichen Leben ebenfalls einsetzen kann, um erfolgreich Alltagsprobleme zu lösen. Dazu bieten Vereine und Teams einen zusätzlichen sozialen Rückhalt, der weiterhin das Selbstbewusstsein des Einzelnen stärken kann und damit ein sicheres Auftreten auch außerhalb des Vereins zur Folge hat.

Bessere Stress-Bewältigung
In wissenschaftlichen Studien haben Forscher herausarbeiten können, wie bei Menschen Stress entsteht. Dabei wurden zwei unterschiedliche Ursachen festgestellt. Fühlt man sich der Herausforderung gewachsen und hat die entsprechenden Mittel zur Problemlösung zur Hand, empfindet man diese Aufgabe als „Eustress“, also als guten Stress. Ist man überfordert und sieht keinen Lösungsansatz fühlt man sich schnell bedroht, was zum Distress, dem schlechten Stress führt. Ist man häufig diesem Distress ausgesetzt, schadet dies der Psyche und es kommen körperliche Beeinträchtigungen bei zunehmendem Stress hinzu. Umso wichtiger ist es an dieser Stelle, dass man sich geistig und körperlich erholt und beide Bereiche stärkt. Denn je leistungsfähiger und stärker man sich fühlt, desto einfacher kommt man über alltägliche Hürden und entzieht sich dadurch dem schlechten Stress.


Im Spiel bleiben

Mit einem vorausschauenden Blick in das spätere Leben entdecken wir, dass wir nicht immer im Berufsleben bleiben werden. Gerade für die ältere Generation bedeutet „Rentner sein“, dass man sich neue Aufgaben und Beschäftigungen suchen muss. Diese neue Lebenssituation hat zunächst einen negativen Beigeschmack, wenn man das ganzes Leben nichts anderes als „Schaffe, schaffe, Häusle baue“ kannte. Deswegen ist es besonders wichtig, jetzt schon dafür zu sorgen, dass man neben der Arbeit auch andere Beschäftigungsmöglichkeiten sieht. Sportliche Aktivitäten machen nicht nur mobiler, sondern helfen auch den Übergang in einen neuen Lebensabschnitt besser zu meistern. Bevölkerungswissenschaftliche Studien nach sehen 90 Prozent aller über 50-Jährigen in sportlichen Aktivitäten und dem „Fitbleiben“ das wichtigste Lebensgut. Dadurch werden die Möglichkeiten eröffnet, seine Zeit neu auszurichten und neue Lebensziele zu finden. Außerdem erhält das Leben wieder eine Struktur, an der man sich orientieren kann. Was wiederum eine gewisse Sicherheit und Regelmäßigkeit bringt. Genau dies trägt wiederum zu einem besseren Lebensgefühl und einer positiven Einstellung bei und wirkt so stabilisierend auf die menschliche Psyche.


Wie man sportlich aktiv wird und bleibt

Natürlich stellt sich hier auch dem einen oder anderen die Frage, wie man es bewerkstelligen kann, ein aktiveres Leben zu führen. Dafür finden Sportpsychologen eine Antwort. Über 9 Ansatzpunkte werden Möglichkeiten gezeigt, wie man sich psychisch als auch körperlich positiv zu mehr Sport und Aktivität im Leben anspornen kann.

1. Motivation ist alles
Jeder Handlung geht eine Motivation voraus. Mit der Überzeugung, dass sportliche Betätigung gut für einem selbst ist, stehen die Chancen für ein dauerhaft aktives Leben am besten. Einen leichteren Zugang zur Umsetzung des gefassten Plans, sich sportlich zu betätigen, schafft man sich, in dem man sich tatsächlich Termine setzt, an denen man Sport machen möchte. Kennt man das „Wie, wo und wann“ genau, lässt sich der „innere Schweinehund“ leichter überwinden. Das Bundesministerium für Gesundheit stellt sogar ganze Tabellen zu Erfassung aller Tätigkeiten und Aktivitäten zur Verfügung, in denen man seinen Tagesablauf dokumentieren kann.

2. Der Gesundheitscheck vorneweg
Es wird insbesondere Menschen ab dem 35. Lebensjahr, die längere Zeit inaktiv waren oder krankheitsbedingt sich nicht betätigen konnten, geraten, vor größeren sportlichen Aktivitäten zunächst einen Gesundheitscheck vorzunehmen, damit der Übergang in ein sportlicheres Leben möglichst risikofrei umgesetzt werden kann und die gesammelte Motivation nicht ausgebremst wird.

3. Wärm Dich auf und wärm Dich ab!
Ein Warm-Up vor sportlichen Leistungen ist das A und O eines jeden Sportlers. Dies dient vor allem der Prävention vor möglichen Verletzungen. Das Abwärmen hingegen leitet Regenerationsprozesse schneller und effektiver ein. Außerdem schützt es vor Kreislaufbeschwerden, die durch ein abruptes Beenden des Trainings verursacht werden können. Je älter man ist, desto mehr Zeit sollte man sich für die Auf- und Abwärmphasen nehmen.

4. Schwerpunkte setzten
Wie gut kennt man die Situation, bei der man im Fitnessstudio steht, anderthalb Stunden Zeit hat und mindestens 10 Übungen machen möchte? Schafft man es, alle Übungen unterzubringen, hat man entweder zu wenige Wiederholungen pro Übung gemacht oder zu wenige Serien eingebaut. Besser ist es, nicht nur im Fitnessstudio, sondern bei jeder sportlichen Betätigung, sich klare und machbare Ziele zu setzten und den Ablauf zu organisieren.

5. Kraft ist die halbe Miete
Ein gesondertes Krafttraining erhöht die Leistungsfähigkeit der Muskulatur. Bereits bei leichtem Krafttraining mit langsamem Tempo, leichten Gewichten und kontrollierter Bewegung stärkt man den Körper und steigert damit das allgemeine Wohlbefinden. So hat man wiederum mehr Kraft, sich sportlich zu betätigen.

6. Mehr Energie für ein besseres Lebensgefühl
Bei ausdauer- und fitnessorientierten Aktivitäten wurden in wissenschaftlichen Untersuchungen festgestellt, dass einerseits das Immunsystem gestärkt, der Fettstoffwechsel aktiviert und Stresshormone abgebaut werden. Man tankt also durch Training Energie auf, die einem leistungsfähiger und widerstandsfähiger macht. Insbesondere leichte bis mittelintensive Aktivitäten verbessern die kardiovaskuläre Fitness, also die Herz-Kreislauffunktion.

7. Flexibel bleiben
Durch sportliches Training fördert man die geistige Flexibilität. Durch koordinative körperliche Tätigkeiten wird das Wahrnehmungs- und Umsetzungsvermögen trainiert. Dadurch wird auf körperlicher Ebene die Voraussetzung geschaffen, auf im Alltag auftretenden Anforderungen schnell und flexibel zu reagieren und strukturiert an Probleme heranzutreten.

8. Gelassenheit üben
Sport ist Spiel. Im Spiel kommt es oft zu Situationen, die unsere Selbstbeherrschung auf die Probe stellen. Eine knappe Niederlage, ein verworfener Korb, ein im Weg stehender Pfosten! Nicht selten sind solche Situationen zum Aus-der-Haut-fahren. Genau hier übt man sich immer wieder im guten Sportsgeist und Fairness. Dieses Muster kann auch im Alltag helfen.

9. Täglich neu
Sportlich aktiv sein, ist eine tägliche Herausforderung. Sich immer wieder aufs Neue zu motivieren und den „Inneren Schweinehund“ zu überwinden, ist mit Sicherheit die größte Aufgabe. Dieser Ansatz beginnt im Kopf mit einer positiven Einstellung. Wie bereits gesagt, muss man an das, was man tut, auch glauben. Wichtigster Ansatz ist es, dass man sich selbst keine Angst vor der bevorstehenden Aufgabe macht. Ein erreichbares Ziel und ein machbares Pensum erleichtern schon einmal die positive Wahrnehmung.

Mehr Informationen zu Thema erhaltet Ihr auf der Seite des Bundes-Gesundheitsministeriums.

Maria Poursaiadi

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