Sinnvoll oder nicht? - Einlagen für Laufschuhe Jörg Birkel

Sinnvoll oder nicht? - Einlagen für Laufschuhe

  • Jörg Birkel
Läuferknie, Achillesfersenreizung oder Schienbeinkanten-Syndrom sind typische Läuferbeschwerden, die man möglicherweise mit einer orthopädischen Einlage im Laufschuh beheben kann. Aber für wen ist eine Einlage wirklich sinnvoll?

Fragt man einen Orthopäden, sind orthopädische Einlagen die Geheimwaffe gegen fast alle Beschwerden. Auch gegen solche, die man bisher noch gar nicht hatte. Dennoch gibt es viele Läufer, deren Probleme trotz Einlagenversorgung nicht verschwinden wollen. Folglich liegt die Vermutung Nahe, dass Einlagen möglicherweise nur die Symptome bekämpfen und das eigentliche Problem gar nicht lösen.

Über Einlagen muss man im Einzelfall entscheiden


„Das stimmt nur teilweise“, widerspricht Orthopädie-Schuhtechnikermeister André Hänchen. „Natürlich macht es wenig Sinn, jedem prophylaktisch eine Einlage zu verpassen. Wer beschwerdefrei ist und nur ein geringes Laufpensum abspult, braucht keine Einlagen.“



Anders sieht der Fall aus, wenn sich typische Läuferprobleme einstellen. Dann ist zunächst allerdings eine genaue Anamnese angesagt, um die Ursachen für die Beschwerden zu ermitteln. Hier kann ein Sportmediziner oder Orthopäde helfen. Kennt man die Ursache, sollte man versuchen, diese zu beheben. Dehnen, gezielte Kräftigung der Gelenke oder der begrenzte Einsatz von entzündungshemmenden Medikamenten gehören zu den üblichen Maßnahmen.

Es ginge auch ohne Einlagen im Laufschuh


Selbst Fußfehlstellungen oder hohe Gelenkbelastungen lassen sich häufig mit gezielten Kräftigungsübungen beheben. Allerdings ist der Zeitaufwand dafür enorm. „Um das Fußgewölbe wieder aufzubauen und für eine regelmäßige Laufbelastung zu rüsten, muss man schon mehrfach pro Woche für 20-30 Minuten Fußgymnastik durchführen“, sagt André Hänchen. Doch genau dazu sind die meisten Läufer nicht gewillt.



Solange man keine Beschwerden hat, spielen diese Überlegungen keine Rolle und man sollte nicht viel an seinem Training ändern. Eine gute Prophylaxe können gelegentliches Barfußlaufen, Krafttraining und ein behutsames Anheben des Trainingspensums sein. Schmerzen aber die Knie beim Laufen oder zwickt die Achillessehne, sind Sofortmaßnahmen gefragt, die ein weiteres Training ermöglichen, ohne den Bewegungsapparat zusätzlich zu belasten.

Einlage ist nicht gleich Einlage


In diesem Fall sind orthopädische Einlagen im Laufschuh durchaus sinnvoll. Man sollte jedoch auf die Qualität der Einlagen achten. Basis für jede Sporteinlage ist zunächst mal eine ausführliche Bewegungsanalyse. Der eigene Laufstil, die Fußstellung und die Gelenkachsen spielen genauso eine Rolle, wie die Rumpfmuskulatur und muskuläre Dysbalancen.

Basierend auf den Daten dieser Analyse, sollten dann individuelle Einlagen gefertigt werden. Und individuell bedeutet, dass die Einlagen tatsächlich für jeden Fuß maßgefertigt werden sollten. Häufig bekommt man aber nur Standardeinlagen verpasst. „Wenn beide Einlagen exakt gleich aussehen, können die nichts taugen“, erklärt André Hänchen. Daran erkenne man Qualitätsarbeit.

Standardeinlagen kann man sich sparen


Jeder Mensch ist anders und vor allem gleicht kein Fuß dem anderen; der rechte und linke Fuß sind in der Regel völlig verschieden und benötigen deshalb auch verschiedene Stützelemente. Eine 08/15-Einlage, wie man sie in einigen Sanitätshäusern findet, berücksichtigt diese individuelle Begebenheit nicht ausreichend und kann folglich auch die Probleme nicht beheben.

Im Gegensatz dazu besteht bei maßgefertigten Einlagen durchaus die Chance, dass man damit wieder beschwerdefrei trainieren kann. Zugegeben, die Ursache der Probleme wird damit auch nicht behoben. Grundsätzlich muss man sich dann aber die Frage stellen, was man eigentlich bezwecken will.

Schmerzfrei Laufen: Es kommt auf die Kombination aus Laufschuh und Einlage an


Soll die Ursache bekämpft werden, kommt man um ein zeitaufwendiges Training der Fuß- und Stützmuskulatur nicht herum. Ist man dazu aber nicht bereit oder zu faul dafür, macht es durchaus Sinn, zumindest in den Phasen der höchsten Belastung die Füße und Gelenke durch Einlagen zu entlasten. Und der höchste Druck lastet nun mal beim Laufen auf den Knochen.

Vorraussetzung für eine funktionierende Einlagenversorgung ist auch das Zusammenspiel aus Laufschuh und Einlage. In den meisten Fällen ist ein Neutralschuh die richtige Wahl und eventuelle Fehlstellungen werden dann über die Einlage behoben. Schuhe mit einer Supinations- oder einer Pronationsstütze brauchen nämlich nur ganz wenige Menschen.

Meist sind Neutralschuhe die richtige Wahl


Solche Stützelemente in Laufschuhen helfen meist nur der Sportartikelindustrie, weil sich mit diesem Argument ein Schuh einfach leichter verkaufen lässt. Tatsächlich ist ein solches Stützelement aber für die meisten Läufer Gift, weil sie den Fuß in eine Abrollbewegung zwingen, die eben nicht unbedingt natürlich ist.

Einlagen wirken da anders. Sie führen den Fuß nicht in eine bestimmte Bewegung, sondern stützen lediglich geschwächte Strukturen oder stimulieren durch sensomotorische Elemente unsere Stützmuskeln.

Fazit: Einlagen im Laufschuh können Beschwerden beheben


Solange man beschwerdefrei laufen kann, braucht man auch keine Einlagen. Stellen sich jedoch typische Laufprobleme oder Schmerzen ein, kann eine maßgefertigte Einlage durchaus für Entlastung sorgen und die Beschwerden beheben. Entscheidend ist aber, dass die Einlagen nach einer eingehenden Analyse individuell angepasst werden.

Weitere Informationen zum Thema gibt es bei Kom*Sport und Gangart Bonn

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