Macht kalt krank? Warum Kälte keine Erkältung verursacht
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Macht kalt krank? Warum Kälte keine Erkältung verursacht

  • geschrieben von  Christian Riedel
Ein kalter Kopf oder kalte Füße führen angeblich zu einer Erkältung. Das glauben immer noch viele Menschen. Schließlich sind wir im Winter deutlich häufiger krank als im Sommer. Und an Füßen, Kopf und Händen frieren wir als erstes. Doch so einfach ist der Zusammenhang nicht.

Die Temperatur hat eher sekundären Einfluss auf unsere Gesundheit. Kälte kann direkt keine Erkältung, keine Grippe und keinen Schnupfen verursachen. Und auch kalte Füße machen uns nicht krank. Dass wir im Winter öfter erkältet sind, hat andere Gründe.

Beispielsweise breiten sich Viren bei Kälte schneller aus. Laut einer Studie des National Institutes of Health können sich Grippeviren sogar mit einem Gel umgeben, das sie resistent gegen niedrige Temperaturen macht. Bei höheren Temperaturen, beispielsweise in unseren Atemwegen, schmilzt der Gel-Überzug und die Viren können ungehindert zuschlagen.

Da sich die Menschen weniger an der frischen Luft aufhalten, sondern häufiger in geschlossenen Räumen beieinander sind, ist die Virenkonzentration und somit auch die Ansteckungsgefahr deutlich höher. Die fehlende frische Luft ist ein weiteres Problem. Denn ohne frischen Sauerstoff und ohne Licht produziert der Körper weniger Vitamin D. Dadurch wird das Immunsystem geschwächt, und der Körper kann sich gegen die angreifenden Krankheitserreger weniger effektiv wehren. Und wenn es draußen kalt ist, treiben die meisten auch weniger Sport an der frischen Luft. Durch Bewegung, egal bei welcher Temperatur, wird aber das Immunsystem gestärkt.

Dass die warme Heizungsluft in den Räumen die Schleimhäute austrocknet, ist ein weiteres Problem. Und ausgetrocknete Schleimhäute sind der ideale Lebensraum für Viren und Bakterien, die die typischen Erkältungssymptome oder sogar eine Grippe auslösen können.

Ein Fakt ist aber, dass der Körper sich bei niedrigen Temperaturen schlechter gegen einfallende Erreger wehren kann als im Sommer. Denn bei Kälte ist die Immunabwehr des Körpers geschwächt. Und im Winter sind vor allem die äußeren Extremitäten, also die Finger oder Zehen, schlechter durchblutet. Hier können die Erreger sich ausbreiten, bevor das Immunsystem aktiv wird. Viren haben so leichteres Spiel.

Kälte oder kalte Füße alleine lösen keine Erkältung aus. Das haben Studien bereits in den 1960er Jahren nachweisen können. Sonst wären die Bewohner in kalten Regionen auch ständig erkältet. Vielmehr sind die Begleitumstände der Kälte schuld daran, dass wir im Winter häufiger krank werden.

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