„Machbar!“ - Mario Basler zur WM-Auslosung gettyimages.de
Mario Basler im Interview

„Machbar!“ - Mario Basler zur WM-Auslosung

Mario Basler, Europameister 1996, zweifacher Deutscher Meister und DFB-Pokal-Sieger, hat uns einige Fragen zur deutschen Gruppe bei der WM 2018 und zu den generellen Entwicklungen im Fußball beantwortet.
netzathleten: Mario, die WM-Gruppen sind ausgelost, Jogi Löw und sein Stab können ans Feintuning gehen. Wie schätzen Sie die deutsche Gruppe bei der WM 2018 grundsätzlich ein?

Mario Basler: Ich glaube, sie ist nicht so einfach, wie manch einer denkt. Mexiko hat eine gute Qualifikation gespielt, Schweden gerade Italien ausgeschaltet und wer weiß, ob Zlatan Ibrahimovic nicht doch nochmal in die Nationalelf zurückkehrt. Dazu haben sie eine gute Mannschaft beisammen und einen recht ausgeglichenen Kader. Südkorea ist natürlich der krasse Außenseiter in dieser Gruppe, der trotz allem machbar für uns sein sollte. Da muss die Nationalmannschaft weiterkommen, alleine schon aufgrund unseres Nimbus’ als Turniermannschaft.

netzathleten: Kann dieser Nimbus Spielern bereits mehr Selbstbewusstsein geben, läuft man im Nationaltrikot mit breiterer Brust umher?

Mario Basler: Das ist ein Stückweit der Fall. Momentan profitiert Jogi Löw aber vor allem von einem unheimlich breiten Angebot an sehr guten Spielern. Viele davon kamen erst in jüngerer Zeit dazu und das unterstreicht die enormen Möglichkeiten der Nationalmannschaft derzeit. Das haben wir nicht zuletzt beim Gewinn des Confed Cups gesehen, bei dem nicht wenige dachten, dass der DFB mit dieser Mannschaft sang- und klanglos untergeht. Das Gegenteil war der Fall, Spieler wie Timo Werner und Lars Stindl haben sich dort geradezu aufgedrängt.

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Mario Basler  (li.) im Gespäch mit Bundestrainer Löw (©gettyimages.de)

netzathleten: Ist diese enorme Breite des Kaders folglich das, was uns gegenüber anderen Turnierfavoriten noch abhebt?

Mario Basler: Das ist meine Meinung, das kann ein großer Vorteil in einem solchen Turnier werden. Die Neuordnung der Jugendarbeit in Deutschland ist voll aufgegangen. Frankreich hat inzwischen nachgelegt, auch in England weht ein frischer Wind. Die Italiener haben es dagegen komplett versäumt und nun die Quittung dafür bekommen. Ich weiß nicht, ob Jogi Löw jetzt schon eine Startelf im Kopf hat, er hat die Qual der Wahl. Wenn er fit ist, dann ist Manuel Neuer natürlich gesetzt. Fest mit Einsätzen können dann höchstens noch drei, vier andere Spieler rechnen. Er wird sogar schon dann Probleme bekommen, wenn es heißt, den endgültigen 23-Mann-Kader zu benennen. Eine unangenehme Aufgabe diesmal, denn auch die, die nicht mitfahren werden, haben ihre Qualitäten.

netzathleten: Wird Deutschland jedoch nicht Gruppensieger, sondern zweiter, könnte Brasilien bereits im Achtelfinale warten. Die haben noch eine Rechnung mit dem DFB offen…

Mario Basler: Zunächst einmal sollten wir es mit der Erwartungshaltung auch nicht immer übertreiben, im Fußball ist vieles möglich. Aber wenn Deutschland tatsächlich den Titel verteidigen möchte, dann muss man eben auch mal Brasilien im Achtelfinale schlagen. Das hat ja auch sein Gutes: Je früher man solche Gegner ausschaltet, umso einfacher wird es womöglich hinten raus im Turnier.

netzathleten: Welche WM-Gruppe haben Sie neben der Deutschen noch besonders auf dem Schirm?

Mario Basler: Gruppe D mit Argentinien, Kroatien, Nigeria und Island ist interessant. Insgesamt sind die Gruppen aber allesamt recht ausgeglichen und ich gehe davon aus, dass die üblichen Verdächtigen jeweils den Gruppensieg unter sich ausmachen werden. Mit großen Überraschungen rechne ich nicht.

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(©gettyimages.de)

netzathleten: Vermeintliche Außenseiter werden also keine Chancen haben. Wie stehen Sie diesbezüglich denn der 2026 kommenden Erweiterung des Teilnehmerfeldes von 32 auf 48 Mannschaften gegenüber?

Mario Basler: Vielleicht braucht die FIFA ja mehr Geld, hat in den vergangenen Jahren zu viel ausgegeben und muss nun wieder etwas einnehmen (lacht). Nein, das ist eigentlich unvorstellbar, dass noch mehr Mannschaften teilnehmen sollen. Ich freue mich, wenn sich Außenseiter für die WM qualifizieren, aber das Teilnehmerfeld auf Biegen und Brechen zu erhöhen, halte ich für gefährlich – irgendwann macht der Fan das nicht mehr mit.

netzathleten: Generell lauern derzeit viele Gefahren – vor allem aus Sicht der Fußballromantiker. Die gleichen Mannschaften holen die Titel, Verbände geraten immer öfter in Korruptionsverdacht, die Eintrittspreise steigen, um nur drei Themen zu nennen. Wird sich das rächen?

Mario Basler: Das sind in der Tat Entwicklungen, die Folgen haben werden. Sie werden aber leider nicht zu verhindern sein. Das ist traurig, das mitanzusehen. Ich denke auch, dass der Fan das irgendwann nicht mehr mitmacht. Bei den Eintrittspreisen sehe ich aber Spielraum für die Vereine, da diese heute aufgrund anderer, wichtigerer Einnahmequellen gar nicht mehr so abhängig davon sind. Hier könnte man zumindest in den großen Ligen auf die Fans zugehen.

netzathleten: Ein wichtiger Teil dieser heutigen „Glamourwelt Fußball“ ist die Champions League. Am Mittwoch spielen die Bayern gegen ein Paris, das die Favoritenrolle innehat. Abgesehen von dieser Momentaufnahme scheint es abschließend so, dass der deutsche Vereinsfußball international keine große Rolle in diesem Jahr spielen wird…

Mario Basler: Das würde ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Wer kann denn behaupten, dass die Bayern den Titel dort nicht gewinnen können? Ich schätze die Mannschaft nach wie vor als sehr stark ein, ich glaube niemand wünscht sich, gegen die Bayern in der nächsten Runde zu spielen. Wenn es drauf ankommt, zeigt Bayern München oft sein wahres Gesicht und gehört somit auch in dieser Saison zum Favoritenkreis.

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Derk Hoberg (li.) traf Mario Basler in München zum Interview


Das Gespräch mit Mario Basler fand im Rahmen einer Aktion statt, bei der Champions League Sponsor Nissan einige Fußballfans mit einer spannenden Challenge konfrontiert hat. Hier geht es zum Video.

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