Mittelblock-Training mit SCC-Berlin Trainer Michael Warm www.foto-herfet.de und SCC Berlin

Mittelblock-Training mit SCC-Berlin Trainer Michael Warm

  • geschrieben von  Michael Warm
Der Mittelblock ist in vielen engen Volleyball-Spielen der entscheidende Faktor, der über Sieg und Niederlage entscheidet. Ein guter Mittelblock ist wie eine Mauer, an dem gegnerische Schmetterbälle abprallen und der die gegnerischen Angreifer zur Verzweiflung treibt.

Die Anforderungen an den Mittelblockspieler sind enorm. Ein guter Spieler auf dieser Position muss neben einer hohen Körpergröße auch gute Sprungkraft, Ausdauer und Durchsetzungsvermögen mitbringen. Darüber hinaus muss er schnell auf den Beinen sein, blitzschnelle Reflexe und ein gutes Timing haben sowie eine hohe strategische Fähigkeit mitbringen. An dieser Stelle gibt Euch, Michael Warm, Trainer des Bundesligisten SCC Berlin einige Trainings-Tipps, wie man den Mittelblock am Netz technisch wie auch taktisch üben kann.

Die Grundbewegung

Zunächst einmal muss man wissen, wie die Blockbewegung an sich aussieht. Die Blockbewegung hat, wenn wir vom Anlauf absehen, drei Phasen: Die Ausgangshaltung, das Verändern des Ortes sowie den Absprung und den eigentlichen Blocksprung. Wobei die Bewegung sowie der Blocksprung selbst als eine eigene Bewegungseinheit gesehen werden können.

Ausgangshaltung:

In der Ausgangsbewegung steht der Spieler schulterbreit und eine Unterarmlänge weit vom Netz entfernt. Der Kniewinkel beträgt etwa 120 Grad, um eine Vorspannung aufzubauen. Die Arme befinden sich angewinkelt vor dem Oberkörper, die Handflächen zeigen zum Netz. Dies ist wichtig, um einen maximalen Sprung in die Höhe und das Hochführen der Arme ermöglichen zu können.

Michaels Tipp:
„Viele Spieler stehen oft zu nah am Netz und riskieren dadurch eine Netzberührung. Darüber hinaus kann ein Spieler, der zu nah am Netz hochspringt, nicht ausreichend über die Netzkante herüber greifen, um den ankommenden Ball zu blockieren.“

Die Bewegung zum Ort sowie der Blocksprung:
Wie beschrieben befindet sich der Spieler in einer angewinkelten Kniehaltung. Dies ist insbesondere für den folgenden Start der Bewegung wichtig. Der Oberkörper bleibt dabei gerade und aufrecht.

Je nachdem, wo der Angriff erwartet wird, muss, muss sich der Blockspieler schnell zum richtigen Ort bewegen (sieh unten).

Es folgt ein kräftiger Sprung gerade nach oben, wobei der Blockspieler unbedingt ein seitliches „Fliegen“ vermeiden sollte. Viele Spieler neigen dazu, weil sie zu spät an Ort und Stelle sind, so zu springen, dass sie seitlich am Netz entlang fliegen. Dadurch wird der Block aber instabil und verliert an Effizienz.

Die Hände werden über die Netzkante in den gegnerischen Luftraum gestreckt, wobei die Daumen nach innen zueinander zeigen und die Finger weit gespreizt sind. Die Handgelenke sind dabei leicht abgeknickt. Schließlich soll der geblockte Ball möglichst netznah auf die gegnerische Spielhälfte prallen. Die Fußspitzen zeigen im Sprung ebenfalls nach vorne. Die Körperhaltung beim Blocksprung muss daher wie ein leichtes „C“ aussehen.



Michaels Tipp:
„Am besten trainiert Ihr die Grundbewegung direkt am Netz, indem Ihr beispielsweise auf der anderen Netzseite auf einen Kasten einen Mitspieler aufstellt. Der Mitspieler hält einen Ball an die Netzkante und Ihr versucht, diesen mit beiden Händen zu spielen. Achtet dabei darauf, den Ball weit auf der anderen Netzseite zu spielen nach unten zu drücken.“


Die Beinarbeit am Netz

Leider kann man einen perfekten Block noch nicht allein deswegen, weil man die Grundbewegung beherrscht. Die Hauptschwierigkeit besteht darin, unter einem hohen Zeitdruck den Block auch an der richtigen Position zu stellen. Dafür muss man die jeweilig passende Beinbewegung dazu ausführen.

Hierfür gibt es unterschiedliche Schrittfolgen: Einen Sidestep, wenn es nur um eine kurze Distanz geht, Kreuzschritte bei längeren Distanzen. Bei sehr langen Distanzen kann auch einmal ein normaler Laufschritt nötig sein. Selbstverständlich müssen diese Schrittfolgen in beide Richtungen genauso gut beherrscht werden!

Michaels Tipp: „Ihr solltet diese Bewegungen am Netz erst einmal sehr isoliert üben, indem Ihr aus der Startposition heraus jeweils eine Schrittfolge startet und den Sprung anschließt. Stellt euren Mitspieler mit dem Ball auf eine Außenposition. Ihr selbst seid in der Feldmitte am Netz und übt die Schritte von hier aus zum Außenblock mit anschließendem Sprung zum hochgehaltenen Ball. Zuerst langsam und sehr kontrolliert, dann immer schneller! Man kann die Übung auch schwieriger gestalten, indem man Spielsituationen mit einem Steller simuliert, der abwechselnd den Ball in verschiedene Positionen spielt.

 


Ausdauer- und Sprungkraftübungen

Natürlich muss man insbesondere als Mittelblocker Ausdauer und Sprungkraft trainieren. Dazu eignet sich zum Beispiel auch ein plyometrisches Training. Dazu haben wir euch schon einige Übungen im Artikel „Spring höher mit Steffen Hamann“ gezeigt. Darüber hinaus kann man auch am Netz Übungen machen.

Michaels Tipp: „Jede Form eines kleinen Rundlaufes oder Zirkels in der Halle in Kombination mit verschiedenen Lauf- und Sprungformen kann trainiert werden und hilft Euch, Euer Sprungvermögen zu verbessern. Dabei solltet Ihr zielgerichtet alle verschiedenen Schrittfolgen einbauen. Ein vom Mitspieler gehaltener Ball (wie oben) erleichtert Euch die Orientierung. Den Schwierigkeitsgrad kann man dann auch erhöhen, indem man auf der anderen Seite Spieler angreifen lässt. Überhaupt ist es wichtig, dass der Block oft an richtigen Angriffen geübt wird. Beim Einschlagen zum Beispiel sollte immer mit Block geübt werden.“

Reaktions- und Einschätzungsvermögen

Am Netz ist es besonders schwierig, den gegnerischen Angriff richtig einschätzen und vorausahnen zu können. Diese Beobachtungsfähigkeit muss sich ein Mittelblockspieler nach und nach aneignen. Das geht aber nur in konkreten Spielsituationen.

Michaels Tipp: „Um das Augenmaß und die richtigen Reaktionen des Mittelblockers zu trainieren, kann man auf der Gegenseite angreifen lassen. Die Angriffe sollten unvorhergesagt erfolgen, also mal vorne, mal hinten, mal kurz und mal lang. Dadurch kann der Mittelblock an Hand der Körperbewegung der Gegenspieler einschätzen lernen, wohin er blocken muss. Wichtig ist, dass der Blockspieler lernt, zuerst den Zuspieler zu beobachten und dann die genaue Flugkurve des Balles einzuschätzen, damit er zur richtigen Zeit am richtigen Ort blockt.“

Doppelblock

Besonders wichtig ist auch, dass der Mittelblocker das richtige Timing beherrscht. Dazu gehören sowohl das rechtzeitige Ankommen an der Blockposition, wie auch das synchrone Blocken mit den Außenblockspielern.

Michaels Tipp: „Am besten übt man die verschiedenen Schrittfolgen paarweise erst ohne Ball. Die Spieler müssen sehr synchron arbeiten. Ein Kommando zum Absprung kann Euch helfen. Nur wenn beide Blockspieler gleichzeitig hochspringen, können sie eine maximale Blockfläche bilden und so eine optimale Abwehr aufbauen.“

Mit diesen Grundübungen könnt ihr erste Schritte zum Mittelblocker machen. Selbstverständlich zeigen diese nicht die gesamte Bandbreite aller Übungsvariationen. Sie sollen euch lediglich auf den richtigen Weg zu einer guten Blocktechnik bringen.

 

Maria Poursaiadi

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