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Training hat weniger Einfluss auf Leistung als vermutet

Das gezielte Training (deliberate practice) hat bei Sportlern anscheinend weniger Einfluss auf deren Spitzenleistung als angenommen. Das vermuten Forscher der Case Western Reserve University.
Training ist das eine, mentale Stärke, körperliche Vorteile und unbekannte genetische Faktoren das andere, wenn es um sportliche Spitzenleistungen geht. Der Einfluss, den das Training auf die Höchstleistung hat, ist scheinbar geringer als vermutet. Eine Arbeitsgruppe um Brooke Macnamara hat in Perspectives on Psychological Science entsprechende Untersuchungsergebnisse veröffentlicht.

Das Verhältnis von Training und sportlicher Leistung

Die Forscher wollten wissen, inwieweit die These tragbar ist, dass für Spitzenleistungen vor allem hartes und ausdauerndes Training ausschlaggebend sei. Der Psychologe Anders Ericsson von der Florida State University hatte selbige aufgestellt. Seine Faustformel lautet: „10.000 Stunden und rund 10 Jahre benötigen Menschen, um Außergewöhnliches zu leisten. Der Zusammenhang hat sich bisher in vielen Bereichen gezeigt, im Sport, im Schach und sogar im Dartwerfen“, fasste Ericson 2009 in einem
Interview mit focus online zusammen.

Macnanmara und ihre Kollegen untersuchten nun das Verhältnis von gezieltem Training und der sportlichen Leistung in einer Meta-Analyse. Insgesamt werteten sie 52 Daten-Sets aus. Sie stellten fest, dass gezieltes Training insgesamt nur bei 18 Prozent für unterschiedliche Leistung verantwortlich ist. Der Einfluss gezielten Trainings variierte dabei allerdings je nach Leistungsniveau. Bei Elite-Athleten konnte gezieltes Training nur noch ein Prozent der Leistungsunterschiede erklären. Zu ähnlichen Ergebnissen waren Macnamara und Kollegen bereits vor zwei Jahren gekommen, als sie neben Sport auch andere Professionen wie Musik und Bildung in die Untersuchung mit einbezogen.

Welche Rolle spielt das Alter?

Auch in puncto Alter fanden die Wissenschaftler Interessantes heraus. So stellten sie fest, dass die spätere sportliche Leistung nicht mit einem besonders frühen Einstieg in den Sport korreliert. Vielmehr haben Spitzensportler häufig später mit dem Training angefangen als Athleten auf niedrigerem Niveau. Ein späterer Einstieg könne sogar förderlich sein, vermuten die Wissenschaftler, da ältere Athleten Trainingsgrundlagen leichter erlernten und durch ihre Erfahrung besser vor Verletzungen geschützt seien.
Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass für Spitzenleistungen mehr erforderlich ist, als bloßes Training. Vielmehr sind körperliche und persönliche Faktoren für die Leistung von Sportlern ausschlaggebend und müssten in zukünftigen Arbeiten berücksichtigt werden.

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