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Ein Lahm für die lahmende Abwehr

  • Nils Borgstedt
Philipp Lahm muss in die Abwehr. Ohne Wenn und Aber. Er bleibt im Mittefeld unter seinen Möglichkeiten und ist nun mal der beste Rechtsverteidiger, den es gibt.

Deutschland hat sich nun also zum achten Mal in Folge ins Viertelfinale gespielt. Gespielt? Beim gestrigen Spiel gegen Algerien trifft das wohl nicht ganz zu. Es war mehr Krampf als Kampf, die Unsicherheit in der Defensive war greifbar und ohne „Libero“ Manuel Neuer wäre das Spiel wohl anders ausgegangen. Erst als das Schicksal Löw zu einer Umstellung zwang, bekam die deutsche Hintermannschaft etwas mehr Stabilität. Und diese wird im Viertelfinale dringend nötig sein.

Mit Philipp Lahm spielt der in der deutschen Nationalmannschaft der wohl beste Rechtsverteidiger, den es seit langem auf diesem Planeten gibt. Praktisch jede Nation beneidet die DFB-Elf um diesen Spieler. Er wäre wohl in jeder Mannschaft Stammspieler auf der rechten Abwehrseite, nur nicht in Deutschland. Bei dieser WM kommt Lahm ausschließlich im Mittelfeld zum Einsatz.
Dass er auch diese Position spielen kann, hat Lahm vergangene Saison beim FC Bayern deutlich unter Beweis gestellt. Es gibt allerdings einen zentralen Unterschied: Beim FC Bayern stehen Trainer Pep Guardiola mit Rafinha und David Alaba zwei weitere starke Außenverteidiger zur Verfügung. Die Abwehr ist somit stabil – auch ohne Lahm.

Diesen Luxus gibt es in der Nationalmannschaft nicht. Löw baut seine Viererkette mit vier gelernten Innenverteidigern. Und das merkt man. Von einer wirklich stabilen Abwehr ist Löws Mannschaft ein gutes Stück entfernt. Es gelingt Lahm (und seinen Kollegen) im Mittelfeld nicht, schnelle Gegenstöße nach Ballverlust zu unterbinden. Die Passsicherheit in der Zentrale ist ebenfalls nicht überragend. Gerade Lahm hat schon beim 4:0 gegen Portugal leichte Ballverluste gezeigt, gegen Ghana führte sein Fehlpass zur zwischenzeitlichen Führung der Afrikaner.

Gleichzeitig fehlen bei eigenen Angriffen ballsichere, spielerisch gewandte Außenverteidiger, die auf den Flügeln weitere Optionen bieten, sollte die Mitte – wie von Algerien – dicht gemacht werden. Shkodran Mustafi und Benedikt Höwedes gelang das gestern nicht, auch weil vor allem Mustafis Zuspiele häufig überhastet und ungenau waren.

Als Mustafi nach 70 Minuten verletzt den Platz verlassen musste, rückte Lahm auf die rechte Verteidigerposition, Sami Khedira kam für das Mittelfeld. Und der Effekt war direkt zu bemerken. Die deutsche Abwehr stand sicherer, das Mittelfeld kompakter, Lahm unterstützte Schürrle auf der Außenbahn. Er selbst wurde sicherer als zuvor im Mittelfeld. Sind diese Effekte verwunderlich? Nein Im Mittelfeld ist Lahm derzeit – um mit den Bewertungseinheiten der Kollegen vom kicker zu sprechen – „nur“ internationale Klasse. Auf der rechten Abwehrseite ist er Weltklasse. Und das sollte er auch gegen Frankreich unter Beweis stellen dürfen.

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