Fulminanter Lauf zum ersehnten Premieren-Gold Vin links: Anna Schaffelhuber, Anna-Lena Forster (beide Deutschland) und Momoka Muraoka (Japan)

Fulminanter Lauf zum ersehnten Premieren-Gold

  • Redaktion
Para Ski alpin: Die Monoskifahrerinnen Anna-Lena Forster und Anna Schaffelhuber feiern umjubelten Doppelsieg in der Super-Kombination – Andrea Rothfuss mit drittem Silber im dritten Rennen.
Gold im Slalom wollte sie holen und auch mal heraus aus dem Schatten von Teamkollegin Anna Schaffelhuber treten – jetzt ist Anna-Lena Forster Paralympics-Siegerin. Mit einem fulminanten zweiten Lauf erfüllte sich die 22-jährige Monoskifahrerin am vierten Wettkampftag der Spiele in PyeongChang ihren großen Traum bereits in der Super-Kombination. Der Jubel anschließend war riesig, zumal Anna Schaffelhuber auf den Silberrang fuhr und damit den deutschen Doppelsieg perfekt machte. Die dritte Silbermedaille im dritten Rennen gewann Andrea Rothfuss in der Startklasse der Damen stehend.

In der Abfahrt war sie auf Goldkurs liegend ausgeschieden, beim Super-G fehlten nur 16 Hundertstel zur Medaille. Doch Anna-Lena Forster blieb cool. Ihre Leistungen waren stark und sie wusste: ihre Rennen kommen noch. Es folgte der dritte Versuch, die Super-Kombination. 2014 in Sotschi holte Anna-Lena Forster in dieser Disziplin Silber – hinter Anna Schaffelhuber. Vier Jahre später hatte sie sich im Jeongseon Alpine Centre nach dem ersten Lauf im wenig geliebten Super-G als Vierte eine solide Ausgangsposition verschafft. Doch dann kam der zweite Durchgang. Slalom, Forsters Paradedisziplin.

„Ich war so aufgeregt und gespannt vor dem Start, ich habe es kaum noch ausgehalten“, sagt die 22-Jährige vom BRSV Radolfzell. Doch die Aufregung münzte sie in mächtig Energie um. Mit einem herausragenden Lauf distanzierte Forster alle vorherigen Fahrerinnen deutlich. Als dann die Österreicherin Claudia Lösch ausschied, war eine Medaille sicher. Und der Jubel wurde noch größer. Denn auch die Japanerin Muraoka und Teamkollegin Anna Schaffelhuber konnten die Radolfzellerin nicht mehr von Platz eins verdrängen. Der große Traum ist perfekt, Anna-Lena Forster hat Paralympics-Gold gewonnen. „Das ist der Wahnsinn, einfach genial. Ich kann das alles noch gar nicht begreifen. Nach einem Fehler unten war ich mir nicht sicher, ob es aufgeht. Doch es hat gereicht, jetzt bin ich einfach überglücklich“, jubelte die 22-Jährige.

Den zweiten Platz sicherte sich Anna Schaffelhuber. Nach zwei Triumphen zum Auftakt nun also Silber – es ist das neunte paralympische Edelmetall ihrer Karriere, neben siebenmal Gold und einmal Bronze ist es ihre erste Silbermedaille bei den Spielen. „Ich wusste, dass Anna-Lena im Slalom extrem stark ist und dass es daher schwer wird. Deswegen hätte ich gerne noch etwas mehr Vorsprung im Super-G herausgefahren. Doch ich gratuliere Anna-Lena von Herzen, der Sieg ist absolut verdient“, sagte die 25-jährige Monoskifahrerin.

Zum dritten Mal auf Platz zwei schaffte es in PyeongChang Andrea Rothfuss. In der Startklasse der Damen stehend hatte die 28-Jährige von der VSG Mitteltal nach dem ersten Lauf noch in Führung gelegen, allerdings legte die junge Kanadierin Mollie Jepsen im Slalom mit einem starken Lauf mächtig vor. Der Vorsprung von Rothfuss schmolz zusehends – und am Ende fehlten 0,37 Sekunden zu Gold. „Es war leider kein guter Slalomlauf von mir mit zu vielen kleinen Fehlern. Das hat sich dann summiert und ich habe schon beim Fahren gemerkt, dass es sehr eng werden könnte“, berichtete Rothfuss. Die Enttäuschung war zunächst groß, doch die Paralympics-Siegerin von 2014 betonte: „Wir sind bei den Paralympics und ich habe in drei Rennen dreimal Silber gewonnen – das ist keine so schlechte Bilanz.“

Während Georg Kreiter und Thomas Nolte ausschieden, landeten die sehbehinderte Noemi Ristau und ihr Guide Lucien Gerkau auf Platz fünf. „Es lief besser als im Super-G. Ich war am Limit und habe alles gegeben. Mehr war diesmal nicht für uns drin“, sagte 26-Jährige von der SSG Blista Marburg.

Bundestrainer Justus Wolf war mit den Ergebnissen mehr als zufrieden. „Ein super Tag für uns mit drei Medaillen. Der Jubel ist sehr groß und besonders für Anna-Lena freuen wir uns. Sie hat in einem schwierigen Slalom gezeigt, was sie kann.“ Weiter geht’s am Mittwoch mit dem Riesenslalom der Damen und Herren. Aufgrund der Wetteraussichten finden die nächsten Rennen erst am Samstag (Slalom Herren) und zum Abschluss am Sonntag (Slalom Damen) statt.

Die Legende schlägt erneut zu

Andrea Eskau gewinnt in PyeongChang das siebte Gold ihrer Paralympics-Karriere. Im Biathlon über zehn Kilometer dominiert sie die sitzende Konkurrenz. Clara Klug gewinnt bei den Frauen mit Sehbehinderung Bronze – und kann das erst einmal gar nicht glauben.

Sechs Goldmedaillen hat Andrea Eskau (USC Magdeburg) bei fünf Teilnahmen an Paralympischen Spielen im Sommer und im Winter bereits geholt. Dass 2018 in PyeongChang bei ihrem sechsten Auftritt bei Paralympics eine siebte hinzukommen würde, hatte sie eigentlich nicht geglaubt. „Meine Konkurrenz ist so stark und so jung. Da ist Gold unwahrscheinlich“, so lautete ihre Vermutung. Am Dienstagvormittag belehrte sie sich selbst eines Besseren. Über zehn Kilometer im Biathlon gewann sie mit einem Schießfehler in 42:36.6 Minuten eindeutig vor zwei Neutralen Paralympischen Athletinnen aus Russland, Marta Zainullina (43:52.1. Minute, ein Fehler) und Irina Guiliaeva (44:25.5 Minuten, fünf Fehler)

Dabei zeigte die 46-jährige Eskau ein eindrucksvolles Rennen. Ihr einziger Fehlschuss ärgerte sie zwar, doch weil trotz starkem Wind kein weiterer hinzukam, konnte sie hinterher trotzdem vom „besten Schießen meiner Karriere“ sprechen. „Ich war voll im Rhythmus.“ Das sah der Bundestrainer Ralf Rombach ähnlich, der feststellte: „Andrea hat heute ein überragendes Gesamtbild abgegeben.“

Eskaus Gold blieb nicht die einzige Medaille der deutschen Para Biathleten über die mittlere Distanz. Am Nachmittag holte Clara Klug bei den Frauen mit Sehbehinderten ungeachtet eines Fehlers beim vierten Schießen in 42:01.6 Minuten Bronze hinter der Ukrainerin Oksana Shyshkova (37:58.9 Minuten, kein Fehler) und Mikhalina Lysova (Neutrale Paralympische Athleten, 40:12.4 Minuten, ein Fehler).

Schrecksekunden vor dem Ziel

Dabei mussten Klugs Begleitläufer Martin Härtl und ihre Familie auf der Tribüne einige Schrecksekunden überwinden, weil die 23-Jährige vom PSV München wenige Meter vor dem Ziel glaubte, bereits über die Ziellinie gelaufen zu sein und stoppte. „Ich habe Martin nicht mehr gehört. Es war so laut um mich herum“, erklärte Klug, die 14,2 Sekunden Vorsprung auf die Ukrainerin Olha Prylutska rettete.

Den Gewinn von Bronze aber konnte sie zunächst nicht realisieren. „Habe ich wirklich eine Medaille?“, fragte die völlig Verausgabte, nachdem sie sich einigermaßen erholt hatte. Ihr Guide warf sich derweil mit nacktem Oberkörper in den Schnee. Für das Duo, das seit 2012 miteinander trainiert, bedeutet der Erfolg die Erfüllung eines Traums. „Es waren überhaupt nicht Claras Bedingungen, aber sie hat gefightet bis zum Ende“, lobte Bundestrainer Rombach.

Lehmker überzeugt erneut

Die übrigen vier deutschen Starter blieben ohne Medaille. Steffen Lehmker vom WSV Clausthal-Zellerfeld wusste als Fünfter in der stehenden Konkurrenz erneut zu überzeugen, auch wenn der allererste und der allerletzte der 40 Schüsse daneben gingen. „Ich bin nach den 20 Kilometern im Langlauf ohne Erwartungen ins Rennen gegangen. Dass ich noch mal einen Platz besser bin als gestern, ist natürlich super.“

Eher unglücklich verliefen die Rennen für Anja Wicker (MTV Stuttgart), Martin Fleig und Nico Messinger (beide Ring der Körperbehinderten Freiburg). Wicker leistete sich in der sitzenden Klasse ungewöhnliche vier Schießfehler und wurde Achte. „Ich kann es mir nicht erklären. Es war ein doofer Tag“, sagte sie.

Fleig landete bei den Männern sitzend hinter Taras Rad (Ukraine), Daniel Cnossen und Andrew Soule (beide USA) auf dem undankbaren vierten Platz. „Es war im Prinzip kein schlechtes Rennen von mir, aber unser Starterfeld ist halt einfach saustark.“ Messinger (mit seinem Guide Lutz Klausmann vom SV St. Georgen) musste verletzungsbedingt aufgeben. Die Fußprobleme, die ihn schon seit Monaten belasten, traten wieder auf und hinderten ihn am Weiterlaufen.

Zwei Niederlagen für deutsche Rollstuhlcurler

Die deutschen Rollstuhlcurler haben durch zwei Niederlagen am Dienstag ihre gute Ausgangsposition im Kampf ums Weiterkommen bei den Paralympics im südkoreanischen PyeongChang abgegeben.

Nach den Siegen gegen die Slowakei und Gastgeber Südkorea am Vortag lag das deutsche Team gegen die Schweden, die bis zum Spiel gegen die Deutschen nur eine Partie gewinnen konnten, schon nach vier Ends mit 0:8 zurück und verlor schließlich mit 5:9.

Ins Duell mit Weltmeister Norwegen startete das deutsche Mixed-Quartett besser und war zwischenzeitlich mit 6:2 in Führung, die letzten vier Ends gingen aber alle an das norwegische Team, das bis dato bei den Paralympics auch nur zwei Mal gewonnen hatte. Skip Nane Putzichs letzter Stein schaffte es nicht ins Haus, sodass Norwegen mit 8:6 siegte.

Ob die deutschen Curler auch am letzten Vorrundenspieltag am Donnerstag Chancen auf die Playoffs der besten vier Mannschaften haben, wird sich am morgigen Mittwoch zeigen: Dann trifft das Team von Trainer Bernd Weißer auf Großbritannien (1.35 Uhr deutscher Zeit), das wie Deutschland mit vier Siegen und drei Niederlagen auf dem geteilten vierten Rang liegt, und die Schweiz (6.35 Uhr deutscher Zeit), die aktuell drei Siege und vier Niederlagen vorweisen kann.

Hintergründe zu den Sportlerinnen und Sportlern unserer Deutschen Paralympischen Mannschaft finden Sie unter www.deutsche-paralympische-mannschaft.de.

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