Wertsache – Was bedeutet Zielstrebigkeit für Sie, Martin Braxenthaler? Laureus - Marc Stickler

Wertsache – Was bedeutet Zielstrebigkeit für Sie, Martin Braxenthaler?

Laureus-Botschafter Martin Braxenthaler hat viel erlebt: Schicksalsschläge, Erfolge, Rückschläge. Eine Eigenschaft, ein Wert, der in seinem bisherigen Leben stets eine tragende Rolle eingenommen hat, ist Zielstrebigkeit. Darüber, was das für ihn bedeutet und wie er diesen Wert anderen vermittelt, haben wir mit ihm gesprochen.

netzathleten.de: Stichwort Zielstrebigkeit. Was verstehen Sie darunter, Martin Braxenthaler?
Martin Braxenthaler: Mit meiner Erfahrung als ehemaliger Leistungssportler definiere ich Zielstrebigkeit folgendermaßen: Man hat eine Vision, ein Ziel das sehr weit entfernt liegt. Und dann muss man sich einen Weg zurechtlegen, der in verschiedene Etappen unterteilt ist. Diesen Weg gilt es dann zu gehen – mit allen Stationen, Zwischenerfolgen aber auch Enttäuschungen. Zielstrebigkeit dient einem dabei dazu, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und die nötige Motivation aufzubringen, um darauf hinzuarbeiten.

netzathleten.de: Und wie kann man diese Zielstrebigkeit umsetzen? Was spielt da mit rein?
Martin Braxenthaler: Da gehört eine ganze Menge dazu. Man muss motiviert sein. Teamgeist spielt eine Rolle, denn man muss auch von anderen Ratschläge annehmen können. Man muss Verständnis für seine Situation und seine Umwelt zeigen und sich und seinen Weg immer wieder hinterfragen. In welche Richtung gehen meine Ziele? Ist das, was ich gerade mache, der Zielerreichung förderlich?

netzathleten.de: Heißt im Umkehrschluss, wenn man das nicht tut, kann sich das negativ auswirken?
Martin Braxenthaler: Genau. Wenn man zu sehr in einer Richtung kämpft, kann man in ein Fahrwasser kommen, in das man nicht wollte. Beispielsweise im Sport. Bei aller Zielsetzung muss man aufpassen, dass man nicht zu viel will und schließlich ins Übertraining kommt oder Verletzungen provoziert, weil man sich zu viel zumutet. Das lässt sich aber auf das alltägliche Leben übertragen. Auch hier braucht man eine gewisse Offenheit und Rücksicht sich selbst, seinem Umfeld und seiner Umwelt gegenüber, um den geplanten Weg wirklich erfolgreich bestreiten zu können.

netzathleten.de: Sie gewannen nach Ihrem Unfall mit 22 Jahren und der anschließenden Querschnittslähmung mehrere Goldmedaillen bei Paralympischen Spielen und Weltmeisterschaften. Inwiefern war in Ihrer Karriere Zielstrebigkeit unerlässlich?
Martin Braxenthaler: Ich habe ja meine Karriere jetzt schon vor fünf Jahren beendet, aber ich kann im Nachhinein sagen, dass Zielstrebigkeit immer eine große Rolle gespielt hat. Ich stand zum Zeitpunkt des Unfalls voll im Leben. Dann ging mein Weg von der Reha über den Breitensport zum Leistungssport. Als ich gemerkt habe, dass ich Richtung Leistungssport gehen werde, kam auch recht schnell die Vision, vielleicht auch mal ein Großer zu werden, auch mal bei einer Siegerehrung ganz oben auf dem Treppchen zu stehen oder sogar einen großen Titel zu gewinnen. Und dann ging es eben darum, diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen. Daran habe ich sehr hart gearbeitet und es ja auch in recht kurzer Zeit geschafft. Ohne Zielstrebigkeit wäre das nicht möglich gewesen.

Laureus, Schneetiger, Martin Braxenthalernetzathleten.de: Und wie kann mal Zielstrebigkeit anderen vermitteln, denn darum geht es ja auch bei den Projekten, die Sie als Botschafter der Laureus Sport for Good Stiftung besuchen und begleiten?
Martin Braxenthaler: Das Einfachste ist, es den Kindern ein Stück weit vorzuleben. Ich war kürzlich bei den Projekttagen in Österreich bei den Schneetigern dabei und bin dort mit gehandicapten Kindern skigefahren. Da waren auch zwei Jungs dabei, die Monoski gefahren sind und um die habe ich mich etwas intensiver gekümmert. Ich habe ihnen natürlich auch Techniktipps gegeben, aber nicht immer haben sie sie auf Anhieb umsetzen können. Wenn ich gemerkt habe, dass sie frustriert wurden, habe ich sie mir zur Seite genommen und gesagt: ‚Komm, lass uns mal darüber quatschen, wie wir das in kleinen Schritten hinbekommen können‘. Das haben wir dann umgesetzt, sind die einzelnen Schritte gegangen und irgendwann war der Erfolg da. Sie haben technisch das umgesetzt, was ich ihnen gesagt habe und haben gestrahlt. Und so haben sie gesehen, dass man mit kleinen Teilzielen etwas Größeres erreichen kann. Das war auch für mich ein tolles Erlebnis und eine große Freude, dazu den einen oder anderen Impuls beigetragen zu haben.

netzathleten.de: Das heißt die Kinder an die Hand zu nehmen und ihnen zu zeigen, wie man ein Ziel erreicht, ist der einfachste Weg Zielstrebigkeit zu vermitteln. Welche Rolle spielen deine Karriere-Erfahrungen dabei?
Martin Braxenthaler: Ich denke, den Kindern etwas aus der eigenen Erfahrung zu vermitteln, ist das Beste und Einfachste, was wir als Botschafter machen können. Ich kann mich aber nicht einfach nur hinstellen und ihnen zuschauen, sondern muss aktiv werden. Sobald ich mit ihnen arbeite, mit dabei bin und mit ihnen Ski fahre, ist das schon ein Highlight für die Kids. Und wenn man dann noch auf sie eingeht und ihnen ein paar Dinge zeigt, ist es das Beste, das wir beitragen können.

netzathleten.de: Jetzt ist ein Skitag und das Projekt das eine, der Alltag das andere.
Martin Braxenthaler: Klar, ich versuche schon, den Kindern immer auch zu zeigen, dass das nicht nur beim Sport funktioniert. Ich versuche, ihnen vor Augen zu führen, dass es zum Beispiel beim Lernen auf eine Prüfung in der Schule auch klappt. Wenn man einen ganzen Ordner mit Unterlagen hat, den man lernen muss, sagt man ‚das ist so viel, das schaffe ich nicht‘. Dann sage ich: Fange mit den ersten fünf Seiten an und mache jeden Tag ein bisschen. Und dann ist nach ein paar Tagen der ganze Ordner geschafft.  Ich versuche immer direkt die Brücke vom Sport zu alltäglichen Leben zu schlagen. Bei den Laureus-Kids betrifft das vor allem die Schule.

netzathleten.de: Und dafür bietet sich Zielstrebigkeit natürlich sehr gut an. Vielen Dank.

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