Was bedeutet Fair Play für Sie, Axel Schulz? Derk Hoberg

Was bedeutet Fair Play für Sie, Axel Schulz?

  • Redaktion

Einen bestimmten moralischen Wert verbindet man automatisch mit dem ehemaligen Profi-Boxer Axel Schulz: Fair Play. In unserer Interview-Reihe „Wertsache“ befragten wir den sympathischen Laureus-Botschafter was Fair Play für ihn bedeutet und wie die Laureus Sport for Good-Stiftung Kindern und Jugendlichen diesen Wert in ihren sozialen Sportprojekten vermitteln möchte.

netzathleten.de: Axel, was verstehen Sie unter Fair Play?
Axel Schulz: In allererster Linie bedeutet Fair Play für mich Respekt, gegenseitige Rücksichtnahme und Beistand. Im sportlichen wie im normalen Leben. Und gerade dann, wenn jemand am Boden liegt, sollte man ihm helfen. Eigentlich sollte das für uns alle etwas ganz normales sein.

netzathleten.de: Sie gelten nach wie vor als fairer Sportsmann und sind nicht zuletzt deshalb sehr beliebt in Deutschland. Insofern scheint der Wert doch gesellschaftlich sehr anerkannt und verbreitet zu sein, oder?
Axel Schulz: Trotzdem bleibt Fair Play zu oft auf der Strecke. Und ich habe nie vor dem Hintergrund gehandelt, beliebt zu werden. Das war also nicht berechnend, sondern einfach in mir verankert. Ich schätze, dass das familiäre Gründe hat. Ich bin mit zwei älteren Schwestern aufgewachsen und unsere Mutter hat uns nun mal so erzogen.

netzathleten.de: Kann man den Wert Fair Play denn überhaupt anderweitig erlernen?
Axel Schulz: Wenn man die Verhältnisse betrachtet, aus denen die von Laureus betreuten Kinder teilweise stammen, dann ist der Sport ein sehr gutes Mittel dafür. Der Sport bringt vieles ganz automatisch mit und vermittelt es spielerisch – zum Beispiel muss man gewisse Regeln einfach akzeptieren, damit ein Spiel funktionieren kann. Der Schritt zu Fair Play ist dann gar nicht mehr weit.

netzathleten.de: Als Schirmherr des Projektes Kickformore sind Sie sehr häufig bei Projekt-Veranstaltungen vor Ort. Wie wird der Wert Fair Play dort konkret vermittelt?
Axel Schulz: Vor allem die Projektleiter sprechen viel mit den Kindern, erklären ihnen, wenn sie etwas falsch gemacht haben und warum Rücksicht wichtig ist. Kickformore ist ein Fußball-Projekt und da geht es ja auch manchmal zur Sache. Wenn ein Foul passiert ist, wird also darüber geredet, ohne den Kindern den Spaß an der Sache nehmen zu wollen. Noch dazu handelt es sich um ein gemischtes Fußball-Projekt für Mädchen und Jungs und bei den Spielen werden Fair Play-Punkte verteilt, die mit ins Ergebnis einfließen. All das stärkt Toleranz, gegenseitige Rücksichtnahme und dadurch auch den fairen Umgang miteinander. Wenn ich als ehemaliger Sportler mit einer gewissen Vorbildfunktion noch dabei helfen kann, ist das toll.

netzathleten.de: Hat Ihnen Ihre faire Art auch mal Nachteile gebracht?
Axel Schulz: Sagen wir so: Ich wurde häufig dafür kritisiert. Mir wurde immer wieder gesagt, dass ich als Boxer auch mal kaltschnäuziger und rücksichtsloser sein müsse. Aber für mich war in meiner Karriere immer wichtig, dass ich meine beste Leistung abliefere und mein Auftreten insgesamt mit meinen Werten vereinbaren konnte. Natürlich wollte ich alle meine Kämpfe gewinnen, aber eben nicht bedingungslos und um jeden Preis. Dafür habe ich immer alles gegeben. So, dass ich mir selbst keine Vorwürfe machen musste. Ich habe versucht, mehr zu trainieren als nötig und intensiver als vorher geplant.

netzathleten.de: In den meisten Fällen haben Sie in Ihren Kämpfen ja alles richtig gemacht, nur haben es die Punktrichter manchmal anders gesehen. Warum haben Sie das damals so gelassen hinnehmen können?
Axel Schulz: Ich habe die Urteile der Kämpfe, die ich verloren habe, immer akzeptiert und kein großes Tamtam darum gemacht. Die größte Anerkennung für mich persönlich war, dass ich großen Gegnern wie Foreman, Moorer und Botha vieles bis alles abverlangt habe. Man weiß ja genau, wie hart auch der Gegner für diesen Kampf trainiert hatte. Das hieß für mich im Umkehrschluss, dass ich in meinem Sport sehr viel erreicht habe.

netzathleten.de: Und das alles ohne auf Fair Play zu verzichten. Vielen Dank, Axel.

 


Hier wird Fair Play groß geschrieben - Informationen zum Projekt Kickformore

Kickformore ist eine besondere Straßenfußball-Liga, bei der nicht nur das Spielen nach den besonderen Regeln im Vordergrund steht, sondern auch das Engagement im Gesamtprojekt und im Gemeinwesen. Gespielt wird auf einem Kleinfeld in gemischten Teams á 4 Spielern. Die Spieler selbst achten darauf, dass die zuvor in der Dialogzone vereinbarten Regeln auch eingehalten werden. Nach dem Spiel werten beide Teams ihr Verhalten auf dem Spielfeld aus und vergeben Fair Play-Punkte – gemeinsam mit den Toren bilden sie das Endresultat.                           ©www.laureus.de


Mehr zu unserer Reihe "Wertsache - Die Werte der Laureus-Stiftung"


 

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