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Frontrunner-Porträt: Gaby Heidemann - Raus aus der Komfortzone – Rauf auf den Berg Asics

Frontrunner-Porträt: Gaby Heidemann - Raus aus der Komfortzone – Rauf auf den Berg

  • Redaktion
Die Beine schmerzen, irgendwie tut noch alles weh. Für Gaby Heidemann (39) ist es aber vollkommen in Ordnung so. Sie kommt gerade aus den Bergen Österreichs. Ein Trainingscamp für den 52 km langen Karwendelmarsch hat sie voll gefordert, es ging sogar Skipisten hinauf. „Ich fühle mich angenehm erschöpft und zufrieden, das Gefühl gefällt mir. Es ist schon spannend zu sehen, was man schaffen kann, wenn man nur will.“

Aus Schleswig-Holstein kommt Gaby Heidemann, da ist es flach. Wohnen tut sie in Trier, dort hat man auch welliges Terrain. Aber ihr Herz zieht sie weiter nach Süden, in die Alpen und an die Hänge, die man gerade noch laufend bewältigen kann. „Irgendwann möchte ich gern dort leben. Die Luft, die Natur, das begeistert mich.“ Der krasse Wandel von der Straße zu Trampelpfaden über Steine und Wurzeln kam vor gut einem Jahr.

„Auf den kurzen flachen Strecken bis hin zum Marathon sah ich kaum noch Entwicklung, ich brauchte neue Herausforderungen.“ Dazu hatte sie das Gefühl, dass flach jeder kann. Sie lief dieses Jahr den 72 km langen Rennsteiglauf mit, wollte etwas ausprobieren, wo sie noch keine Vergleichswerte hat, sich nicht an alten Zeiten messen muss. „Das war für mich ein überwältigendes Erlebnis. Kein Gegeneinander, keine Ellbogen, sondern viel Respekt vor jedem, der das schafft.“ Diese Läufe bleiben immer einzigartig, denn die Streckenprofile ändern sich genauso wie das Wetter oder die Tagesform.

Gaby Heidemann erzählt das ohne Pathos, eher mit Überraschung in der Stimme. Das Laufen in den Bergen ist ein neuer sportlicher Abschnitt, von dem sie früher nie gedacht hätte, dass das mal ihr Ding sein würde. „Komfortzonen-Gaby hat man mich mal genannt. Auf diesem Level wollte ich auf keinen Fall stehen bleiben.“ Es geht ihr um das Ausloten von Grenzen, bestenfalls sogar um das Neudefinieren. „Das gibt mir Selbstbestätigung. Ich kann immer besser einschätzen, wozu ich zu leisten im Stande bin. Dabei bin ich froh über Impulse von außen, die mich weiterbringen.“ Damit meint sie auch den Austausch mit Gleichgesinnten.

Ihren Rucksack mit Verpflegung hat sie bei den langen Läufen in den Bergen immer dabei. Lieber trägt sie den Ballast, als auf externe Versorgung angewiesen zu sein. „Ich bin keine Draufgängerin, will das Risiko möglichst in Grenzen halten.“ Aus diesem Grund macht Gaby Heidemann auch keine Extrem-Bergläufe mit.

Am 27. August ist es soweit, dann startet sie in Scharnitz und läuft über drei Berggipfel nach Pertisau am Aachensee. Trotz der 2200 Höhenmeter will sie unter sieben Stunden bleiben – eine Aufgabe. „Ich bin allerdings schon dankbar, am Start stehen zu dürfen und später gut ins Ziel zu kommen. Solche Dinge tun zu können, betrachte ich als Geschenk.“ Das sind die Momente, wo das Ereignis größer ist als man selbst.

Besonders vorbereiten tut sie sich jetzt nicht mehr, sie bleibt ihrem Trainingsrhythmus treu: „1 x schnell, 1 x bergig, 1 x lang, 1 x locker. Und an den Tagen dazwischen geht‘s aufs Spinningrad oder zum Krafttraining ins Studio.“ Gaby Heidemann ist Sportlehrerin an einem Mädchengymnasium, sie hat definitiv etwas zu vermitteln.

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