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Adipositas-Paradoxon widerlegt

Höheres Sterberisiko schon bei geringem Übergewicht

Vor etwa drei Jahren hat eine Studie ergeben, dass Menschen mit einem leicht erhöhten BMI länger leben. Stimmt nicht, sagt jetzt die Global BMI Mortality Collaboration.
Die Global BMI Mortality Collaboration ist ein Zusammenschluss von 500 Forschern aus 300 Instituten. In einer groß angelegten Meta-Studie haben Emanuele Di Angelantonio von der Universität Cambridge und Mitarbeiter die Ergebnisse aus 239 Studien mit 10,6 Millionen Teilnehmern ausgewertet. Ihr Fazit: Die 2013 veröffentlichten Erkenntnisse, dass ein leicht erhöhter BMI für ein längeres Leben spräche, stimmen nicht. 

Adipositas-Paradoxon

Damals hatte ein Forscherteam um Katherine Flegal vom Center for Disease Control and Prevention in einer Untersuchung festgestellt, dass Menschen mit Übergewicht (BMI 25 bis unter 30) ein um 6 Prozent niedrigeres Risiko auf einen vorzeitigen Tod haben als Normalgewichtige (BMJ 18,5 bis unter 26). Seit dem galt dieses sogenannte Adipositas-Parodoxon als gesichert.

Daten „gereinigt“

Die Unterschiede in den Ergebnissen der beiden Untersuchungen haben aber einen einfachen Grund. Di Angelantonio und seine Kollegen sagen, es sei ihnen gelungen, einige Verzerrungsfaktoren zu eliminieren. Sie hätten beispielsweise Rauchen und chronische Erkrankungen berücksichtigt, indem diese Personenkreise ausgeschlossen wurden. Rauchen beispielsweise sorge für eine Gewichtsreduktion (die Zigarette dient als Appetitzügler), gleichzeitig stürben Raucher aber früher. Entsprechend käme es zu mehr Toten in niedrigeren BMI-Bereichen, wenn man die Glimmstängelliebhaber nicht herausrechnete.

Mit den „bereinigten“ Daten kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass Menschen mit einem BMI von 25 bis unter 27,5 bereits ein um 7 Prozent erhöhtes Mortalitätsrisiko hatten. Ein BMI von 27,5 bis unter 30, also der Grenze zur Adipositas, ließ den Wert bereits auf 20 Prozent ansteigen. Ein BMI von 30 bis unter 35 (Adipositas Grad I) war mit einem um 45 Prozent erhöhten Sterberisiko verbunden, ein BMI-Bereich von 35 bis unter 40 (Adipositas Grad II) mit 94 Prozent. Erwachsene mit einem Body-Mass-Index von 40 oder höher (Adipositas Grad III) haben ein dreifach erhöhtes Risiko auf einen vorzeitigen Tod. Jeder Anstieg um 5 BMI-Einheiten war jeweils mit einem um 31 Prozent erhöhten Sterberisiko verbunden.

Problematisch: Der BMI selbst

Ein Problem, dass auch bei diesen Zahlen keine Berücksichtigung findet, ist der BMI selbst. Zwar versuchen die Forscher, zahlreiche Parameter, die den BMI beeinflussen können, auszuklammern, allerdings ist das nicht bei allen herangezogenen Studien möglich gewesen. Und dann gelten natürlich immer noch die Kritikpunkte am BMI: Zu pauschal sind die Aussagen, das Alter, der Fitnesszustand (Muskelmasse ist schwerer als Fett), die Körpergröße oder auch die Unterscheidung zwischen Mann und Frau spielen beim BMI keine Rolle.

Hier geht's zum kompletten Studie, veröffentlicht in The Lancet

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