Neue Wege bei individualisierter Sportbekleidung Derk Hoberg -- Timo Bracht bei einem Pressetermin
Interview mit Timo Bracht

Neue Wege bei individualisierter Sportbekleidung

Customizing auf Spitzenniveau – das steckt hinter "X-Bionic Individual". Profis und ambitionierte Hobby-Athleten können sich beim Schweizer Funktionsbekleidungshersteller nun komplett optimierte Sportbekleidung maßschneidern lassen. Wir haben mit Timo Bracht, ehemaliger Spitzen-Triathleten und neunfacher Sieger auf der Ironman-Distanz, über das Projekt gesprochen. Er ist derzeit an der Entwicklung beteiligt.
netzathleten: Timo, Du arbeitest schon länger mit X-Bionic an der Optimierung Deiner Sportbekleidung. Das neue Projekt zur Individualisierung der Funktionskleidung dürfte aber alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen, oder?

Timo Bracht: Das ist richtig, es gab schon immer Phasen in meiner früheren Karriere, in der ich individuelle Produkte benötigt habe, die dann auf meine Bedürfnisse maßgeschneidert wurden. Zum Beispiel Triathlon-Shirts mit langen Ärmeln zum Radfahren, die vor zu starker Sonneneinstrahlung geschützt haben und aus extrem dünnem Material waren, so dass ich sie beim Laufen anschließend einfach anlassen konnte. Daraus entwickelte sich jetzt die Idee, solch eine Individualisierung auch dem Normalverbraucher anzubieten. Ich war dafür nun bereits drei Tage vor Ort, um das Labor zur Vermessung und Anpassung mit aufzubauen. Dabei haben wir einiges ausprobiert, vieles optimiert und manches auch wieder verworfen.

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Der ehemalige Spitzen-Triathlet Timo Bracht beim Testen

netzathleten: Was wurde genau getestet?

Timo Bracht: Wir haben zum Beispiel den Einsatz der Wärmebildkameras getestet, die Aufschluss darüber geben, wo man am meisten schwitzt. Das brachte auch für mich noch überraschende Ergebnisse. Es war wirklich enorm, wie heiß die Sitzfläche am Körper und der Sattel werden – der Mensch ist ein echtes Kraftwerk, dachte ich mir dabei. Auch am Fuß gab es extrem hohe Hitzewerte und daraus kann man letztlich ermitteln, wie man die Hitze am besten ableitet, wie man das Material optimiert, und so auch die Leistung und die Ausdauer des Athleten verbessert.

netzathleten: Worauf galt es sonst zu achten?

Timo Bracht: Darauf, dass nach der Individualisierung alles auch in der Praxis besteht, schließlich ist das Prozedere aufwendig und hat auch seinen Preis. Da geht X-Bionic gerade neue Wege, setzt neue Standards und deswegen testen wir die individualisierte Kleidung derzeit auch noch ausgiebig.

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Wärmebildkameras kommen bei der Analyse zum Einsatz

netzathleten: Triathleten könnten sich da auch als gute Zielgruppe erweisen, schließlich legen die meisten unter ihnen großen Wert auf gutes Equipment, oder?

Timo Bracht: Zunächst einmal brauchen sie auch mehr als ein Schwimmer, der nur mit einer Badehose unterwegs ist. Aber nicht nur an Triathleten richtet sich Individual. Zur Zielgruppe gehören auch reine Läufer und Radfahrer, aber auch Langläufer, Mountainbiker und Trailrunner zum Beispiel. Für all diese ist das Produkt spannend.

netzathleten: Du hast schon angesprochen, dass die Individualisierung etwas kostspieliger ist. Warum lohnt es sich trotzdem, darüber nachzudenken?

Timo Bracht: Man trägt das fertige Produkt ja anschließend auf der Haut, hat direkten Körperkontakt. Ich finde ohnehin, dass es wichtig ist, in seinen Körper und dessen Gesundheit zu investieren. Das fängt bei der Ernährung an, geht beim Thema richtig schlafen und trainieren weiter und geht eben auch darum, was man auf der Haut trägt. Hier sollte man also immer zuerst in seinen Körper investieren, als vielleicht in einen richtig teuren Carbon-Rahmen beim Fahrrad.

netzathleten: Vielen Dank, Timo.

So aufwendig it X-Bionic Individual


Die erste Messreihe beginnt mit einer Proportionenermittlung, bei der ein Scanner den Probanden millimetergenau abtastet. Gefolgt von Thermorezeptoren-Tests, Sonographien, Beobachtung des Schwitzaufbaus und 360 Grad Rundummessung der Schweißverteilung unter 45minütiger Dauerbelastung. Darauf folgen zonierte Messung der Wärmeveränderung während der Belastungsphasen, sensorische Überprüfungen, Erfassung der Bewegungstendenzen und weitere Tests. Bis auf ein hundertstel Gramm exakt wird dabei die Menge des im Textil aufgenommenen Schweißes bestimmt. Circa drei Wochen dauert es dann, bis die Anpassungen umgesetzt sind. Erst dann startet die Produktion, die mehrere Stufen umfasst.

Das X-BIONIC INDIVIDUAL Grundpaket wird drei konstruktionsgleiche Produkte (Oberteile bzw. Pants) inklusive aller Analysen enthalten und startet je nach Sportart und Ausarbeitungsgrad bei 2.000 Euro. Die Terminvergabe für Athleten beginnt am 01.01.2019. Zurzeit werden ausschließlich Spitzenathleten betreut und ausgestattet. Für jeden, der dieses Programm in Anspruch nehmen will, gilt: Frühzeitig bewerben. Terminvergaben unter: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! und auf www.x-bionic.com/individual

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