Was kostet gesunde Ernährung? Christian Riedel

Was kostet gesunde Ernährung?

  • Christian Riedel
Die Deutschen werden immer dicker. Doch woran liegt das? Ist es fehlende Bewegung, eine ungesunde Ernährung oder ist es das fehlende Geld, das eine hochwertige Ernährung unmöglich macht? Gesunde Ernährung ist teuer – oder doch nicht? Dipl. Sportwissenschaftler Christian Riedel macht den Selbstversuch.

Wie teuer ist gesunde Ernährung? Diese Frage stellt sich auch netzathleten-Redakteur Christian Riedel. In Zusammenarbeit mit den beiden dipl. Oecotrophologinnen Anne Krenzin und Melanie Stoll stellt er sich die Frage, was zu einer gesunden Ernährung gehört, welche Bausteine für eine ausgewogene Ernährung unverzichtbar sind, wo man beim Einkaufen Geld sparen kann und was letztendlich eine gesunde Ernährung kostet.

Um einen Anhaltspunkt zu haben, orientiert sich der dipl. Sportwissenschaftler am Hartz IV-Regelsatz, der ab dem 1.1.2011 in Deutschland gelten wird. Von den 364 Euro im Monat, die einem erwachsenen Hartz IV-Empfänger im Monat maximal zur Verfügung stehen werden, sind 128,46 Euro für Ernährung und alkoholfreie Getränke vorgesehen. Bei einem Monat von 30 Tagen kann ein Hartz IV-Empfänger also 4,24 Euro täglich für das leibliche Wohl ausgeben.

4,24 Euro am Tag reichen für Fertignudeln, Feuertopf, Toastbrot und eine 1,5l Flasche Billig-Cola vom Discounter. Doch sind 4,24 Euro am Tag auch genug, um sich gesund und ausgewogen zu ernähren?

Vom 1. bis 30. November 2010 wird netzathleten-Radakteur Christian Riedel von insgesamt 128,46 Euro satt werden und zugleich versuchen, seinen Tagesbedarf an Proteinen, gesunden Fettsäuren, Mineralien, Vitaminen und hochwertigen Kohlenhydraten zu decken.

Gewogen und gemessen


Um am Ende des Testmonats objektiv beurteilen zu können, ob und wie sehr sich das Gewicht, die Fitness und der Körperfettanteil der Testperson durch die preiswerte und möglichst gesunde Ernährung verändert haben, hat sich Christian Riedel bereits am Freitag, 29. Oktober, im RochusFit Fitnessclub im Kölner Ossendorfbad einer Bioelektrischen Impedanz-Analyse (BIA) und einem Fitnesstest unterzogen.

„Die Ergebnisse zeigen, dass der Testkandidat eine durchaus gute Fitness und ein normales Gewicht hat“, erklärt Fitnesstrainer André Ronhardt. „Die Muskelmasse ist zwar etwas verbesserungswürdig, aber grundsätzlich kann das Ziel während des Projekts nur lauten, diesen guten Ausgangswert zu erhalten.” Bei einer Körpergröße von 1,79m brachte Christian Riedel 79kg auf die Waage. Das entspricht einem BMI von 24,7. Der Körperfettanteil betrug dabei 15,1 Prozent.

Fitnesstest auf dem Fahrradergometer


Beim anschließenden Fitness-Stufentest auf dem Fahrradergometer erreichte Christian Riedel, der rund viermal pro Woche Sport treibt, 237 Watt. „Das ist etwas fitter als der normale Durchschnittsbürger in seinem Alter (33)”, erklärt RochusFit-Trainer André Ronhardt.

Was bedeutet das für die Ernährung?


Seine Größe und Gewicht ergeben für Christian Riedel einen Grundumsatz von 1.833 Kilokalorien (kcal) am Tag. Zu diesem Grundbedarf kommen aber noch die Kalorien, die er am Tag durch Bewegung und seine Arbeit als Sportjournalist braucht.

Um herauszufinden, wie viel Christian Riedel im Testmonat jeden Tag essen darf/muss, hat Ernährungswissenschaftlerin Melanie Stoll die Ergebnisse der Tests in die Ernährungssoftware der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) eingegeben: „Aufgrund seines Gewichts, seiner hauptsächlich sitzenden Tätigkeit und seinem wöchentlichen Sportpensum ergab die Auswertung einen täglichen Kalorienbedarf von rund 2.920 Kilokalorien am Tag“, erklärt Stoll. „Dies ist aufgrund der vier Sporteinheiten pro Woche schon recht viel, darf aber bei der Ernährungsplanung nicht vergessen werden. Schließlich haben aktive Menschen einen höheren Energiebedarf.“

Das wird sich auch in den Kosten für die Ernährung widerspiegeln. Es ist zwar einfach, von 4,24 Euro am Tag satt zu werden, doch viele billige Produkte enthalten auch einen hohen Anteil an Fett oder minderwertigen Kohlenhydraten, die sich auch auf der Waage bemerkbar machen. Eine zu preiswerte Ernährung könnte daher auch ein Grund sein, warum viele Hartz IV-Empfänger stark übergewichtig sind, wie schon das statistische Bundesamt in einer 2009 veröffentlichten Studie angegeben hat.

Dokumentation


Täglich dokumentiert Christian Riedel, was er isst, wie viel es kostet und ob er die Vorgabe einer gesunden Ernährung auch eingehalten hat. Am Ende wird sich dann eine Antwort auf die Frage finden, ob der Regelsatz ausreicht, um sich ausgewogen zu ernähren.

Jeden Tag werden die Fortschritte festgehalten und auf www.ernaehrung-mit-hartz4.de veröffentlicht.

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