Rennrodler eröffnen Medaillenjagd in PyeongChang gettyimages.de -- Felix Loch in Sotschi 2014
Olympische Winterspiele

Rennrodler eröffnen Medaillenjagd in PyeongChang

  • Redaktion
Die deutschen Rennrodler gehen früh auf Medaillenjagd in PyeongChang. Gleich in der ersten Woche wollen Natalie Geisenberger, Felix Loch und die Doppelsitzer Wendl/Arlt ihre Titel verteidigen. Wir blicken voraus.
Die deutschen Rennrodler gehen im Kampf um die Medaillen bei den Winterspielen in Südkorea einmal mehr als Topfavoriten ins Rennen. Bei Olympia 2014 in Sotschi schafften die Schützlinge von Cheftrainer Norbert Loch gar historisches: Nach den Erfolgen von Felix Loch und Natalie Geisenberger in den Einzelrennen sowie dem Triumph der Doppelsitzer Tobias Wendl/Tobias Arlt waren die BSD-Asse auch gemeinsam in der erstmals bei Olympia ausgetragenen Team-Staffel nicht zu schlagen und feierten im vierten Wettbewerb den vierten Olympiasieg. Das gab es bei Olympischen Spielen noch nie.

Und auch in Pyeongchang bahnt sich historisches an: Felix Loch (lest hier unser Interview mit Felix) peilt in Südkorea sein drittes Einzelgold nacheinander an. Damit würde der 28-Jährige mit seinem Freund und Vorbild Georg Hackl (hier erklärt er, wie die Schlitten präpariert werden) gleichziehen und seinen Status als einer der besten Rodler der Geschichte untermauern. Die Chancen dazu stehen nicht schlecht… Dank seiner vier Saisonsiege sicherte sich der Dominator der vergangenen Jahre vor knapp zwei Wochen den sechsten Sieg im Gesamtweltcup und tankte damit reichlich Selbstvertrauen für die Wettbewerbe in Pyeongchang.

Auch die zwei weiteren BSD-Herren, Andi Langenhan und Johannes Ludwig, zählen bei den olympischen Wettbewerben, die bereits am kommenden Samstag, 10. Februar, mit den ersten zwei von insgesamt vier Durchgängen ihren Auftakt erleben, durchaus zum erweiterten Kreis der Medaillenkandidaten. Andi Langenhan lag in Sochi undankbar auf Rang Vier und musste lange um eine Bronzemedaille bangen, bis der Internationle Gerichtshof CAS am 1. Februar 2018 bekannt gab, dass Silbermedaillengewinner Albert Demtchenko (Russland) nicht nachträglich disqualifiziert wird wegen seiner Verstrickungen in den russischen Dopingskandal von Sochi. Im Dezember 2017 wurde Demtdchenko die Medaille vom IOC (Internationales Olympisches Komitee) noch aberkannt.

Der Deutsche Meister Langenhan schaffte in der abgelaufenen Saison immerhin zweimal den Sprung aufs Weltcup-Podium (jeweils Dritter in Altenberg & Oberhof). Und auch Johannes Ludwig, der in Pyeongchang seine Olympia-Premiere feiert, konnte als Zweiter im Sprintrennen von Lake Placid sowie als Dritter beim Einzelrennen am Königssee im Olympia-Winter auf das Weltcup-Podest fahren.

Bei den Frauen gilt Titelverteidigerin Natalie Geisenberger erneut als Gold-Favoritin. Die dreimalige Weltmeisterin sicherte sich im Olympia-Winter zum sechsten Mal in Serie den Gesamtweltcup und verbuchte dabei fünf Saisonsiege. Eine weitere Bestmarke für die überragende Rodlerin der vergangenen Jahre: Zuvor war sie mit fünf Erfolgen gleichauf mit ihrer Dauerrivalin Tatjana Hüfner (2008 bis 2012) und Silke Kraushaar-Pielach (1999, 2001, 2001, 2006 und 2007) gelegen. Zudem hält die Miesbacherin auch den Rekord für die meisten Weltcup-Einzelsiege bei den Frauen (43).

In den Kampf um Gold will auch Tatjana Hüfner eingreifen. Die Olympiasiegerin von Vancouver 2010, die zu Jahresbeginn an einer Nervenentzündung im rechten Bein laborierte, konnte im Olympia-Winter ein Weltcup-Rennen für sich entscheiden und stand insgesamt fünf Mal auf dem Podest. Die 34-Jährige fährt als amtierende Weltmeisterin nach Pyeongchang. Bei den Welt-Titelkämpfen im Vorjahr sicherte sich Hüfner zum fünften Mal den WM-Titel und krönte sich damit zur alleinigen Rekordweltmeisterin. Medaillenchancen rechnet sich auch die dritte BSD-Starterin Dajana Eitberger aus. Im Weltcup überzeugte die 27-Jährige mit Gesamtrang zwei und verbuchte dabei zwei Siege (Sprintrennen Lake Placid & Oberhof) sowie insgesamt fünf Podest-Platzierungen.

Bei den Doppelsitzern liebäugeln die Weltmeister Toni Eggert und Sascha Benecken mit ihrem ersten Olympia-Gold. Das Duo aus Thüringen dominierte den Olympia-Winter beinahe nach Belieben und feierte seinen dritten Sieg im Gesamtweltcup. Dabei gewannen die amtierenden Weltmeister sage und schreibe zehn von 13 Weltcuprennen und sicherten sich ganz nebenbei auch noch den dritten EM-Titel ihrer Karriere.

Aber auch die Olympiasieger Tobias Wendl/Tobias Arlt werden in Pyeongchang alles daran setzen, ihren Triumph von Sochi zu wiederholen. In der abgelaufenen Saison lief es für den erfolgsverwöhnten „Bayern-Express“ aber nicht ganz so rund. Am Ende mussten sich die viermaligen Weltmeister im Gesamtweltcup mit „nur“ zwei Siegleistungen (Sprint Winterberg & Königssee) deutlich den Teamkollegen Eggert/Benecken geschlagen geben. Für den Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) war der Erfolg von Wendl/Arlt in Sotschi 2014 im Übrigen das erste Doppelsitzer-Gold seit zwölf Jahren. Der bis dahin letzte deutsche Olympiasieg gelang dem Duo Patric Leitner/Alexander Resch im Jahr 2002 bei den Winterspielen in Salt Lake City. In der olympischen Doppelsitzer-Statistik war es die insgesamt 20 Medaille für Deutschland (10x Gold/4x Silber/6x Bronze).

Insgesamt feierten deutsche Rennrodler seit der Aufnahme der Rodelwettbewerbe ins Olympia-Programm 1964 immer mindestens einen Olympiasieg und verbuchten bislang insgesamt 31 Goldmedaillen in der olympischen Geschichte: je 10x Gold bei Damen, Herren & Doppelsitzern sowie 1x Gold im Team-Wettbewerb.

Die Bilanz der Rennrodel-Damen ist sicherlich besonders beeindruckend: Bei den bisher 14 olympischen Rennrodel-Wettbewerben seit 1964 in Innsbruck gab es nur viermal kein Gold (1968, 1980, 1992, 1994) für Deutschland. Die letzte Niederlage bei Olympischen Winterspielen gab es 1994: Damals ließ sich Susi Erdmann in Lillehammer die Gold-Medaille von der Italienerin Gerda Weissensteiner wegschnappen. In den vergangenen 50 Jahren gewannen die deutschen Mädels insgesamt 31 von 42 möglichen Olympiamedaillen. Bei den letzten fünf Winterspielen 1998, 2002, 2006, 2010 und 2014 holten die deutschen Damen zwölf von fünfzehn möglichen Medaillen.

Die Nominierungen für PyeongChang

Herren
Felix Loch RC Berchtesgaden
Andi Langenhan RRC Zella-Mehlis
Johannes Ludwig BSR Rennsteig Oberhof

Damen
Natalie Geisenberger SV Miesbach
Tatjana Hüfner RC Blankenburg
Dajana Eitberger RC Ilmenau

Doppelsitzer
Tobias Wendl RC Berchtesgaden
Tobias Arlt WSV Königssee
Toni Eggert BRC Ilsenburg/Harz
Sascha Benecken RT Suhl

Der Zeitplan - Rodeln bei Olympia 2018

Einzelwettbewerb Herren: 10. (1. und 2. Lauf) und 11. (3. und 4. Lauf) Februar 2018, 10.50 Uhr MEZ
Einzelwettbewerb Damen: 12. (1. und 2. Lauf) und 13. (3. und 4. Lauf) Februar 2018. 11.30 MEZ
Doppelsitzer Herren: 14. Februar 2018, 12.20 Uhr MEZ
Teamwettbewerb: 15. Februar 2018, 13.30 Uhr MEZ

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