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Hart, härter, Green Hell Triathlon

  • Marco Heibel
Fuchsröhre, Hohe Acht, Michael-Schumacher-S - wer eine echte Herausforderung sucht, findet diese ganz sicher beim neuen Green Hell Triathlon auf dem Nürburgring. Unser Redakteur Jörg Birkel hat sich dieser Grenzerfahrung gestellt. Ein Erfahrungsbericht.

Am 24. Juni 2012 hat die Premiere des Green Hell Triathlon am Nürburgring stattgefunden. Rund 2 Kilometer Schwimmen, insgesamt über 2.900 Höhenmeter verteilt auf 99 Kilometer Radstrecke und einen Halbmarathon – allein die nackten Zahlen flößen Respekt ein. Der Wettkampf in der Grünen Eifel-Hölle gehört damit zu den härtesten Halbdistanzen der Welt.

Anfangs nur nicht übertreiben


Pünktlich um 9 Uhr fiel der Startschuss. Eine Stunde zuvor waren bereits einige hundert Athleten über die Sprint- und Kurzdistanz gestartet. Das Schwimmen verlief wie erwartet. Ein 500 Meter langer Rundkurs war viermal zu bewältigen. Nach zügigem Anschwimmen suchte ich mir einen Wasserschatten.



Das ist mir auch erstmals in meiner jungen „Triathlon-Karriere“ geglückt, und ich konnte die Füße des Vordermanns über weite Teile der Schwimmstrecke halten. Statt am roten Bereich zu kratzen, schwamm ich in meiner Komfortzone und hatte den Eindruck, tendenziell zu langsam zu schwimmen. Das Gefühl sollte trügen. Mit einer Zeit von 31 Minuten kam ich als 15. aus dem Wasser.

Den Wasserschatten konsequent zu nutzen, war eine gute Entscheidung, schließlich lag der Hauptteil des Rennens noch vor mir. Meine geschätzte Zielzeit lag bei 7 Stunden. Da muss man sich nicht gleich in der ersten halben Stunde „abschießen“. Entsprechend kontrolliert ging ich auf die Radstrecke. Jetzt bloß nicht überpacen, dachte ich mir, und hielt mich an die selbst gesteckten Vorgaben.

Kontrolle geht über Gefühl


Maximal 240 Watt hatte ich mir fürs Radeln vorgenommen. Keine leichte Aufgabe, denn bereits auf der Anfahrt zum Nürburgring wartete eine 3 Kilometer lange Rampe mit 12 Prozent Steigung. Insgesamt war der erste Teil der Radstrecke sehr anspruchsvoll: Etliche Steigungen, rasante Abfahrten mit scharfen Kurven, teilweise schlechter Straßenbelag und Kopfsteinpflaster forderten volle Konzentration.

So richtig los ging der Wettkampf aber erst mit der Einfahrt auf die legendäre Nordschleife des Nürburgrings. "Netterweise" sah die Streckenführung diese in Breitscheid an der tiefsten Stelle des Kurses vor. So addierten sich zu den 500 Höhenmetern der Anfahrt direkt weitere 500 für die erste halbe Runde auf dem Ring auf.

Für die Sprintdistanzler war danach Schluss. Alle anderen „durften“ weiter fahren. Die Halbdistanz sah noch volle drei Runden auf der Nordschleife vor. Die rasante Abfahrt durch die Fuchsröhre entschädigte zunächst für die strapaziösen Anstiege zur Hohen Acht. Vor der letzten Runde hatte ich allerdings genug, zumal da bereits seit knapp vier Stunden das Kopfkino lief. Ohnehin war der Wettkampf eine absolute Kopfsache, denn die rund 130 Finisher der Halbdistanz verteilten sich auf 21 Kilometer Rennstrecke. Es war phasenweise eine einsame Angelegenheit auf der Nordschleife.

Nur noch Auslaufen


Nach 4:50 Stunden erreichte ich dann endlich die zweite Wechselzone und freute mich auf den abschließenden Halbmarathon auf der Grand-Prix-Strecke. Da wo sonst Formel-1-Renner ihre Runden drehen, durften wir laufen. Für uns standen allerdings nur 4 Runden auf dem Plan. Durch Freunde und Vereinskollegen angefeuert, ging ich motiviert auf die Laufstrecke.

Die Motivation sollte jedoch schnell schwinden. Die erste Hälfte der Laufrunde musste man gegen Sturmböen ankämpfen und die zweite Hälfte bergauf laufen. Fast 100 Höhenmeter waren pro Runde zu bewältigen. Und dann kam auch noch Regen auf. Anfangs sah noch alles nach einer Zielzeit knapp unter 7 Stunden aus, aber dann verlor ich Runde für Runde ein paar Minuten mehr. Völlig erschöpft aber glücklich überquerte ich nach 7:07 Stunden die Ziellinie.

Für meine erste Halbdistanz hätte ich sicherlich eine leichtere Strecke finden können, aber am Ende überwiegt der Stolz über die erbrachte Leistung. Ganz sicher habe ich der Geburt eines neues Kultevents für Extremsportler beigewohnt, denn der Green Hell Triathlon auf dem Nürburgring hat einfach unglaubliches Potenzial. Im nächsten Jahr bin ich wieder am Start, dann allerdings auf einer kürzeren Strecke.

Fakten zum Green Hell Triathlon

Teilnehmer: 700

Sportstätten:
• Schwimmen: Freilinger See bei Blankenheim in der Eifel
• Radfahren: Anfahrt von Blankenheim nach Breitscheid, dann Nordschleife des Nürburgrings.
• Laufen: Grand-Prix-Strecke

Distanzen:

• Green Hell 226 half: 2km Schwimmen / 99km Radfahren / 21km Laufen
• Green Hell Olympic: 1,5km Schwimmen / 58km Radfahren / 10km Laufen
• Green Hell Shorty: 0,5km Schwimmen / 37km Radfahren / 5km Laufen

Alle Distanzen waren auch als Staffel möglich.

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