Spagat zwischen Job und Sport - Triathlon für Berufstätige Jörg Birkel

Spagat zwischen Job und Sport - Triathlon für Berufstätige

  • Jörg Birkel
Im Freundeskreis hört man als Triathlet oft Sätze wie diesen: Ich würde das ja auch gerne mal ausprobieren, aber ich hab dafür einfach keine Zeit. Zeit scheint ohnehin eine Mangelware in Deutschland zu sein. Doch offensichtlich bekommen manche Menschen dennoch den Spagat zwischen Job, Familie und Sport hin. Wir sind der Frage nachgegangen.

Eine Befragung beim Ironman Hawaii im letzten Jahr hat ergeben, dass das jährliche Durchschnittseinkommen der Teilnehmer bei 161.000$ liegt. Szenekenner wissen sicherlich, dass solche Werte nicht durch die üppigen Verdienste der Triathlon-Profis kommen. Vielmehr sind es wohl überwiegend beruflich sehr erfolgreiche Menschen, die sich ein so kostspieliges Hobby erlauben. Und das bei wöchentlichen Arbeitszeiten von 50 Stunden und mehr.

Es scheint also alles ein Frage der Organisation zu sein. Deshalb haben wir mal bei einem typischen Vertreter dieser Gattung nachgehört, wie sich Job, Familie und Triathlon in Einklang bringen lassen. Jörg Tschauder (43) arbeitet 45-50 Stunden als Berater für Marketing und Vertrieb in Düsseldorf und hat Familie. Bei MACH3 Köln nimmt er seit Juni an einem Rookie-Projekt teil. Sein Trainingspensum beläuft sich derzeit auf 8-9 Wochenstunden.

netzathleten.de: Wie bist Du zum Triathlon gekommen?

Jörg Tschauder: Triathlon ist ein langjähriger Traum von mir. Vor allem weil ich irgendwann genug vom Joggen und Fitness-Centern hatte. Muhammad Ali sagte einmal treffend, dass Champions nicht im Fitness-Studios gemacht werden. Es geht um einen Wunsch, einen Traum, eine Vision: Champions sind aus etwas geschnitzt, was sie tief in sich haben. Sie müssen bis zur letzten Minute Ausdauer haben, sie müssen etwas schneller sein, sie müssen die notwendigen Fähigkeiten und den Willen haben. Aber der Wille muss stärker sein als das Können. Sicherlich möchte ich kein Champion werden. Das ist nicht mein Ding. In diesem Körper werde ich es auch sicherlich nicht mehr nach Kona schaffen. Aber ich möchte meine Fähigkeiten in den drei Sportarten trainieren und eben auch an meinem Willen arbeiten. Mich reizt am Triathlon nicht unbedingt der sportliche Wettkampf mit anderen. Mich reizt vor allem die Auseinandersetzung mit mir selbst.

netzathleten.de: Wie hast du deinen ersten Triathlon erlebt?

Jörg Tschauder: Als Vorbereitung auf das für mich bedeutendere Rennen in Düsseldorf war ich eine Woche zuvor in Gummersbach. Dort habe ich meinen ersten offiziellen Triathlon (0,6/20/5) bestritten. Ich hatte den Eindruck, dass mein letzter Wettbewerb sehr lang zurück lag; vielleicht waren es die Bundesjugendspiele in der Schule. Entsprechend groß war die Nervosität. Gemeinsam mit rund 200 Athleten stand ich in der ersten Startwelle. Obwohl ich mich aus dem Schwimmgewusel heraushalten wollte, bin ich immer wieder von hinten an die Gruppe herangeschwommen. Es kam so wie es kommen musste, Wasser geschluckt, Rhythmus verloren, öfter Brust geschwommen und versucht, sich nicht frustrieren zu lassen. Beim Radfahren und Laufen konnte ich wieder einiges an Boden gut machen, ohne mich zu verausgaben. In Summe habe ich die Stimmung, das Wetter und das Rennen gut genießen können. Gummersbach hat sehr viel Lust auf mehr gemacht.

netzathleten.de: Wie schaffst du den Spagat zwischen Job und Sport?

Jörg Tschauder: Als Berater bin ich viel unterwegs und schlafe mindestens 2 Nächte in der Woche in Hotels. Da heißt es früh aufstehen und vor dem Frühstück und der Projektarbeit die Laufschuhe anziehen. Zum Glück macht mein Geschäftspartner ebenfalls viel Sport, so dass ich nicht allein gegen den inneren Schweinehund ankämpfen muss. Meine Familie unterstützt meinen Sport weitestgehend und fühlt sich animiert, in Kleinen mitzumachen. Etliche Läufe habe ich mit meiner Frau gemeinsam gemacht. Sie hat sich sogar mit im örtlichen Schwimmverein angemeldet. Mit meinen Sonntagsradausfahrten fordere ich allerdings meinen Lieben schon einiges an Geduld mit mir ab.

netzathleten.de: Bleibt bei deinem Engagement auch irgendetwas auf der Strecke?

Jörg Tschauder: Bislang geht es. Im Zweifel würde ich natürlich nicht meine Familie für den Sport opfern. Ziel ist es in erster Linie, alle Dinge unter einen Hut zu bekommen. Das Laissez faire bleibt sicherlich auf der Strecke, was manchmal ein wenig schade ist.

netzathleten.de: Wie organisierst du deinen Alltag mit Job/Familie und Sport?

Jörg Tschauder: Vor allem früh aufstehen, versuchen im Voraus zu planen und Kompromisse zu schließen.

netzathleten.de: Was treibt dich an?

Jörg Tschauder: Im Tria-Training finde ich Kontemplation/Ausgleich vom Alltag, Spaß an der körperlichen Anstrengung, Freude an der Steigerung der eigenen Leistung. Das motiviert mich.

netzathleten.de:Was sind deine nächsten Ziele im Sport?

Jörg Tschauder: Erstmal will ich meinen Fitness Level halten und ausbauen. Irgendwann würde ich mich aber gerne mal an einer Mitteldistanz versuchen. Bis dahin liegen aber noch eine Menge Sprint und Kurzdistanz Triathlons vor mir.

netzathleten.de: Welche Rolle nimmt der Verein für dich ein?

Jörg Tschauder: MACH3 ermöglicht es mir, Spaß in der Gruppe Gleichgesinnter zu haben, Erfahrungen auszutauschen und viel von den erfahrenen Mitgliedern und vor allem von den Trainern zu lernen. Ich profitiere gerade als Anfänger sehr hiervon.

Viele Dank für das Interview


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Aus dem Inhalt: Triathlon ist mit seinen drei Einzeldisziplinen Schwimmen, Radfahren und Laufen schon auf Breitensportebene eine aufwendige Sportart. Doch mit der richtigen Strategie in Training und Lebensgestaltung können auch Berufstätige beachtliche Erfolge erzielen, ohne Beruf oder Privatleben zu gefährden.

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ISBN-10: 3936376328
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