24h durch die grüne Hölle – Rad am Ring Sportograf.com

24h durch die grüne Hölle – Rad am Ring

  • Christian Riedel
Die „grüne Hölle“ ist bei Motorsportlern eine Legende. Aber einmal im Jahr bleiben die Motoren aus. Dann erobern die Radsportler die legendäre Nordschleife am Nürburgring. Auch für Radfahrer gehört das Wochenende bei „Rad am Ring“ zu den schönsten Erfahrungen, die man in seinem Sport machen kann.

Die Augen von vielen Motorsportfans leuchten heller, wenn sie die Begriffe Fuchsröhre, hohe Acht oder Caracciola Karussell hören. Das sind die Namen von Streckenabschnitten auf der legendären Nordschleife des Nürburgrings, der wohl berühmtesten Rennstrecke der Welt. Am Wochenende vom 25. bis 27. Juli 2014 war es auf dem Nürburgring aber vergleichsweise still. Denn da, wo normalerweise die motorisierten Zwei- und Vierräder ihre Runden drehen, starteten die Radsportlern bei Rad am Ring. Mit dabei war auch netzathleten-Redakteur Christian Riedel, der in einem 4er Team beim 24h Rennen teilnahm.

Ganz normal ist es wahrscheinlich nicht, wenn man mit drei Mitfahrern 24 Stunden im Kreis fahren will. Doch spätestens wenn man sich mit hunderten Mitstreitern aus anderen Teams gemeinsam auf den Weg zur hohen Acht macht, der mit 18 Prozent steilsten Abschnitt der Nordschleife, oder sich mit über 80km/h die Fuchsröhre hinunter stürzt, packt einen die Faszination des Nürburgrings. Allerdings wird es nicht nur einen Fahrer geben, der sich beim mühsamen Anstieg auf den 747m hohen Berg, die höchste Erhebung in der Eifel, fragt, ob es eine gute Idee war, sich zu dem Radevent anzumelden.

5.000 Rad-Verrückte


Mit der Idee war man aber zumindest nicht allein. Insgesamt melden sich in jedem Jahr weit über 4.000 Fahrer für das 24-h Rennen mit dem Rennrad an. Dazu kommen noch rund 800 für das Mountainbike-Rennen. Fahren kann man entweder in 8er, 4er, 2er Teams oder auch ganz alleine, wobei der Sieger in er Einzelwertung in 24h 28 Runden auf dem rund 26,2km langen Kurs absolviert und dabei rund 15.000 Höhenmeter überwunden hat. Zudem gibt es noch die Einzelwertungen über drei und sechs Runden sowie ein Tourenfahren ohne Wertung am Sonntag.

Aber auch im Team ist die Nordschleife in jeder Runde eine neuer Herausforderung. Schließlich lässt die Kraft schnell nach, die Witterungsbedingungen können sich in der Eifel stündlich ändern und spätestens wenn es dunkel wird und die Sicht nachlässt, ändert sich im Rennen noch einmal alles.



Genau das ist auch ein Punkt, warum ein 24-Stunden-Rennen ein faszinierendes Erlebnis ist. Jede Runde ist anders, man kämpft gegen nachlassende Kräfte, gegen Krämpfe und Müdigkeit und versucht, alles aus seinem Körper heraus zu holen. Dabei muss man alle äußeren Umstände überwinden, gegen Wind, Kälte, Nässe und Dunkelheit ankämpfen. Schließlich möchte man ja auch seine Teamkameraden nicht im Stich lassen. Aber spätestens, wenn langsam die Sonne aufgeht, das Morgenrot am Horizont leuchtet und sich Nebel über die Felder rings um den Nürburgring legt, werden frische Kräfte wach, die einen bis ins Ziel bringen. Und wenn man dann gegen 13Uhr Richtung Ziellinie rollt, weiß man, dass sich die Anstrengung gelohnt hat.

Die beste Taktik gibt es nicht


Das Ziel der meisten Teams ist es, immer einen Fahrer auf der Strecke zu haben. Die Platzierung ist hier nebensächlich. Wenn man grob rechnet, braucht man für jede Runde gut eine Stunde. Das bedeutet, dass im 4er-Team jeder sechs Runden fahren sollte. Das hört sich zunächst einfach an, doch kann man hier viele Fehler machen. Denn wie plant man so ein Rennen. Fährt jeder Starter nur eine Runde oder doch besser zwei hintereinander. Dafür ist dann die Pause zwischen den Runden lang oder kurz. Und wahrscheinlich wissen die wenigsten, wie schnell und wie gut der Körper regeneriert und wann man die nächste Runde drehen kann ohne Krämpfe zu bekommen. Das ist auch vom Typ her verschieden. Auch unser Team musste diese Erfahrung machen, da ein Fahrer von Krämpfen geschüttelt eine längere Pause einlegen musste, um nach sechs Stunden Schlaf wieder drei Runden am Stück fahren zu können.

Hier spielt dann auch die Ernährung eine große Rolle. Denn so manch ein Fahrer musste sein Rad die größte Steigung hinauf schieben, weil er zu wenig gegessen hat und deswegen die Kraft in den Beinen nachgelassen hat. Auch Gels und Riegel, die schnelle Energie versprechen, verträgt nicht jeder und können bei der Fahrt in Bauchschmerzen und Magenkrämpfen enden. Daher sollte man schon im Vorfeld den einen oder anderen Riegel und das eine oder andere Gel zu sich nehmen, damit der Körper diese im Wettkampf auch verarbeiten kann.

Im Ziel – und dann?


Das Gefühl, mit seinen Teamkollegen über die Ziellinie zu rollen, ist schwer zu beschreiben. Wer schon mehrfach bei Rad am Ring teilgenommen hat, ist es vielleicht schon gewohnt. Man holt sich die Medaille ab und beginnt, sein Zelt abzubauen. Aber wenn man das erste Mal am Start war und durchgehalten hat, kann man zurecht stolz und glücklich sein, mit heiler Haut aus der grünen Hölle gekommen zu sein. Und auch wenn man als Hobby-Radler vielleicht ein paar Tage nicht im Sattel sitzen will, regt sich im Hinterkopf schon die Frage, ob man im nächsten Jahr nicht wieder an den Start gehen will.

Mehr Infos gibts unter www.radamring.de
Fotos: sportograf.com

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