Schwindel oder Angst – Was passiert in der Höhe? thinkstockphotos.de

Schwindel oder Angst – Was passiert in der Höhe?

  • Christian Riedel
Viele von uns haben Probleme, wenn sie aus großer Höhe ins Tal schauen. Die Beine werden weich, es wird einem schwindelig und man kriegt es mit der Angst zu tun. Daher sagt man oft auch Höhenangst dazu. In Wirklichkeit leiden nur wenige unter richtiger Höhenangst.

Es kann einem schon mulmig werden, wenn man auf dem Gipfel eines 3.000ers steht und nach unten schaut. Viele haben auch weiche Knie, wenn sie vor einem Abhang stehen oder von einem Aussichtspunkt nach unten blicken. Die Hände schwitzen, es wird einem schwindelig und alles bewegt sich irgendwie. Schuld daran ist aber nicht die Höhenangst, wie man oft meint, sondern nur der Höhenschwindel. Nicht umsonst spricht man auch davon, schwindelfrei zu sein, wenn man in großer Höhe keine Angst hat.

„Wirklich unter Höhenangst leiden nur 3 bis 5 Prozent der Menschen“, sagt Veronika Schrott, Bergführerin aus Tiers im Rosengarten (Südtirol). „Bei allen anderen ist es in der Regel der Höhenschwindel.“ Und wie eine Studie des Instituts für Klinische Neurowissenschaften des Klinikums München-Großhadern gezeigt hat, leidet jeder Dritte zumindest einmal in seinem Leben an Höhenschwindel. Frauen sind dabei eher betroffen als Männer und Ältere haben in der Regel mehr Probleme als Jüngere.

Warum schwindeln wir

Fast jedem, der aus großer Höhe nach unten schaut, überkommt ein mulmiges Gefühl und bekommt Gleichgewichtsprobleme. Das muss nicht unbedingt Angst sein, sondern ist eine normale Reaktion des Körpers auf eine ungewöhnliche und möglicherweise gefährliche Situation. Möglicherweise ist der Schwindel ein Warnhinweis des Körpers, der uns auf eine große Gefahr hinweist. Denn wenn wir unsicher auf den Beinen sind, weil uns schwindelig ist oder weil wir kurz wanken, stellen wir uns automatisch breitbeiniger hin. Dann stehen wir sicherer und können einen Sturz verhindern, der in großer Höhe mit großer Wahrscheinlichkeit tödlich ausgehen würde. Verantwortlich dafür ist unser optischer Sinn. Denn wenn die Augen keinen konkreten Punkt in der Nähe haben, weil der Abstand zum nächsten Objekt zu groß ist, können sie sich auch nicht fixieren. Dadurch wird der Gleichgewichtssinn gestört, der ja auch stark an die Augen gekoppelt ist, gestört und wir stehen unsicher auf den Beinen.

Wenn uns also in großer Höhe, in den Bergen, auf einem Turm oder einem Aussichtspunkt ein mulmiges Gefühl überkommt, die Hände zittern, die Knie wackeln, der Schweiß ausbricht und sogar Angst eintritt, spricht man von Höhenschwindel und nicht von Höhenangst.

Höhenangst

Die Symptome bei der echten Höhenangst sind recht ähnlich. Allerdings ist die Angst, die Kontrolle zu verlieren und in die Tiefe zu stürzen, deutlich größer als beim Höhenschwindel. Es kann sogar zu einer richtigen Panikattacke kommen. Die Höhenangst ist dabei eine Phobie, die man wie alle anderen Ängste medizinisch psychologisch behandeln kann, wenn man das möchte.

Aber auch bei Höhenschwindel gibt es einige Tipps, wie man sich wieder sicherer auf den Beinen fühlt. Wichtig dabei ist, sich der Situation zu stellen und keine unnötigen Risiken einzugehen. Dazu rät auch Bergführerin „Vroni“: „Je besser man sich an die Höhe gewöhnt, desto sicherer steht man auch in ausgesetzten Lagen auf den Beinen. Am besten wäre also, möglichst oft auf einen Berg zu klettern, um den Körper und den Gleichgewichtssinn entsprechend zu trainieren.“

Problematisch ist es nur in akuten Phasen, wenn einem tatsächlich in gefährlichen Situationen die Beine zittern. Um einen Sturz zu vermeiden, sollte man sich hinsetzen oder am Geländer festhalten. Wichtig ist, bei Unsicherheit nicht zu sehr nach unten schauen, da das Auge sich hier immer noch auf keinen konkreten Punkt fixieren kann. Versuch, einen festen Punkt in der Nähe anzuschauen und nicht auf sich bewegende Objekte wie Personen oder Wolken zu schauen. Das könnte den Gleichgewichtssinn zusätzlich verwirren und der Schwindel kann sich verstärken.

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