Arthrose – Orthopäden warnen vor Nahrungsergänzungsmitteln thinkstockphotos.de

Arthrose – Orthopäden warnen vor Nahrungsergänzungsmitteln

  • Christian Riedel
Einige Nahrungsergänzungsmittel sollen beim Aufbau von Knorpeln helfen oder dem Gelenkverschleiß vorbeugen. Daher sind sie gerade bei Knie-geplagten Sportlern sehr beliebt. Allerdings zweifeln viele Orthopäden am Nutzen der Produkte.

Viele Sportler leiden unter Gelenkverschleiß. Je intensiver man trainiert, desto größer ist auch das Risiko, dass sich der Gelenkknorpel abreibt. Bei einem bestehenden Knorpelschaden oder auch bereits um diesem vorzubeugen, nehmen einige Sportler Nahrungsergänzungsmittel ein. Diese sollen nach Angaben der Hersteller Schmerzen in den Gelenken lindern und den Knorpel wieder aufbauen. Doch die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) warnt davor, sich allzu große Hoffnungen zu machen. Denn bislang ist der Nutzen solcher Produkte noch nicht bewiesen worden.

„Viele Medikamente, die einer Arthrose vorbeugen oder ihr Fortschreiten verhindern sollen, liegen nur knapp über oder auf dem Niveau eines Placebo-Effekts“, erklärte der DGOU-Experte Uwe de Jager, niedergelassener Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie für Physikalische und Rehabilitative Medizin aus Freudenstadt gegenüber dem Ärzteblatt.

Eine Ausnahme


Zu den Medikamenten, die laut DGOU keinen oder kaum einen Nutzen bringen, zählen unter anderem Nahrungsergänzungsmittel wie Chondroitin-Sulfat, Muschelextrakte, acetyliertes Hydroxyprolin (Oxaceprol), Heilpflanzen, homöopathische Mittel oder verschiedene Gele, Salben, Cremes und Sprays. Die einzige kleine Ausnahme ist Glucosamin. Hier gibt es nach den aktuellen Leitlinien der Osteoarthritis Research Society International (OARSI) eine zurückhaltende Empfehlung.

Grundsätzlich unterscheiden die Orthopäden bei Gelenkschmerzen in zwei Kategorien: entzündeten und nicht entzündeten Gelenken. Liegt eine Entzündung vor, ist es wichtiger, diese zu beseitigen, damit die Arthrose nicht weiter voranschreitet. Der Orthopäde empfiehlt hier nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Diclofenac, Ibuprofen oder auch Coxibe. Auch wenn der Langzeiteffekt noch nicht nachgewiesen wurde, hat sich nach Angaben de Jagers die intraartikuläre Gabe von Cortison bei Gelenksentzündung bewährt.

Anders ist es bei Gelenkschmerzen ohne Entzündung. Hier empfiehlt der Experte Paracetamol, Schwache Opiate oder andere Medikamente, die den Nervenschmerz beseitigen. Teilweise benötigen die Patienten keine Medikamente trotz Arthrose. In jedem Fall kann man sich im Normalfall das Geld für Nahrungsergänzungsmittel sparen.

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