Laufen ist nicht mein Ding – Interview mit Golfprofi Marcel Siem Schillinger|Pankratz

Laufen ist nicht mein Ding – Interview mit Golfprofi Marcel Siem

  • Christian Riedel
Marcel Siem ist einer von Deutschlands besten Golfprofis. Wir haben den Pro beim Mercedes After Work Golf Cup getroffen. Im Interview verrät er, wie es um seine fußballerischen Fähigkeiten bestellt ist, welcher Fußballer Deutschlands bester Golfer ist und welche Tipps er für junge Golfer hat.

netzathleten: Hallo Marcel, wir treffen Dich hier beim Mercedes After Work Golf Cup. Wie oft spielst Du solchen Einladungsturnieren mit?
Marcel Siem: Ich bin jedes Jahr bei der Eröffnung des After Work Golf Cups dabei und je nachdem, wie es in den Terminkalender passt, bin ich ab und zu als Überraschungsgast dabei.

netzathleten: Bei der Eröffnung sind nun auch einige Fußballer wie Andreas Möller, Christian Ziege oder Thomas Berthold mit dabei. Wie oft spielst Du mit Fußballern oder anderen Promis zusammen Golf?
Marcel:
Meistens nur auf Events von Mercedes oder einem meiner anderen Sponsoren. Da spielt man dann mit Franz Beckenbauer oder Oliver Kahn zusammen. Das Problem ist die Zeit. Wir haben alle nicht so viel Zeit, da ist es ganz schön, wenn es sich bei solchen Einladungsturnieren überkreuzt. Es ist schön, wenn man dann nicht nur zusammen Golf spielt, sondern sich auch über den Sport oder andere Dinge austauschen kann.

netzathleten: Sprecht ihr dann eher über Golf oder über Fußball?
Marcel:
Wenn man auf dem Golfplatz steht, quatscht man dann auch meistens über Golf. Wenn ich mit Timo Glock zum Beispiel im Rennwagen gefahren bin, haben wir uns eben über Autos unterhalten. Und wenn ich bei einem Formel1 Rennen bin, redet man eben über die Formel1. Oder man spricht über allgemeine Sportthemen, wie oft man ins Fitnessstdio geht und was man genau macht.

netzathleten: Welches war denn bisher das Erlebnis, das Dir besonders im Gedächtnis geblieben ist??
Marcel:
Ich habe einmal einen Flight gehabt mit Franz Beckenbauer und Olli Kahn. Das war ziemlich cool und hat viel Spaß gemacht. Gerade weil Franz und Olli sich sehr gut kennen und sich gegenseitig auf dem Platz veräppelt haben. Das war wohl bisher die besonderste Runde bisher.

netzathleten: Und wer war der beste? Hat jemand das Zeug, auf der Senior Tour mitzuspielen?
Marcel:
Wirklich gut war Bernd Flessner, der Surfer. Der hat sehr viel Talent und ist noch sehr jung. Aber ich denke, dass kein Sportler nach seiner eigenen Karriere, die auch sehr anstrengend war, noch einmal Lust und Ambitionen hat, auf der Senior Tour zu spielen.

netzathleten: Spielst Du denn bei so einem Einladungsturnier mit 100 Prozent oder probierst Du auch etwas aus, versuchst Trickschläge oder so etwas in der Art?
Marcel:
Ich spiele nicht um jeden Preis auf Score. Meistens zählt mein Score auch nicht, weil ich sozusagen außer Konkurrenz spiele. Dann versuche ich schon einmal ein paar Trickschläge oder so etwas. Da versuche ich mal, auf einem Par4-Loch mit dem Driver direkt aufs Grün zu schlagen oder habe einmal mit Franz Beckenbauer auf einem Par4 Loch ein Scramble gespielt und ich habe meinen Drive rund 320 Meter übers Wasser aufs Grün geschlagen und Franz hat aus rund 20 Metern zu Eagle eingelocht. Das sind so coole Sachen. Aber es kann auch sein, dass wir eine kleine Wette machen unter Sportlern. Dann gibt es eine Vorgabe und wenn es dann um Geld geht, spiele ich schon mit 100 Prozent. Und dann gibt es auch keinen Fußballer-Bonus. Schließlich bekommen sie eine Vorgabe. Und das ist dann auch das Schöne am Golfen, dass man da das Handicap hat. Dann haben alle dieselben chancen, egal wie gut man ist.

netzathleten: Du spielst beim After Work Cup Golf mit Fußballern. Wie sieht es denn bei Dir mit dem Fußball aus?
Marcel:
Ich habe selber bis zur A-Jugend beim TSV Much gespielt. Aber wir haben meistens auf Asche gespielt. Aber das hat vor allem mit dem Golf nicht gut zusammen funktioniert, da ich wegen dem Platz oft die Hände kaputt hatte. Dann habe ich aufgehört. Zudem hatte ich Probleme mit Morbus Schlatter im Knie. Meine Leisten haben auch nicht mitgemacht. Deswegen habe ich das Kicken aufgegeben. Tischtennis ist eher meine Sportart und spiele das auch zum Ausgleich und spiele auch auf kleinen Turnieren mit. Im Tischtennis habe ich sogar einmal bei der Kinderolympiade mitgespielt.

netzathleten: Machst Du denn sonst Ausgleichssportarten zumGolf?
Marcel:
Ich muss sehr aufpassen. Schaut man sich die Handgelenke von Golfern einmal an, und ich spiele jetzt seit über 26 Jahren Golf, dann erkennt man viele Knorpelablagerungen. Früher bin ich viel Ski gefahren, Snowboard, habe Tennis gespielt… Das einzige was ich jetzt noch kann, ist eben Tischtennis spielen. Ansonsten gehe ich gerne Angeln und fahr gerne schnelle Autos. Hier versuche ich, auch einmal ein Fahrertraining zu machen und würde auch gerne einmal Hobby-Rennen fahren. Ähnlich wie Sven Hannawald. Sonst gehe ich eben ins Fitnessstudio.

netzathleten: Wie oft trainierst Du, um fit fürs Golfen zu sein bzw. wie viel Prozent Fitness uns Athletik machen einen guten Golfer aus?
Marcel:
Fitness gehört auf jeden Fall mit dazu mittlerweile. Vom Stundenaufwand macht Fitnesstraining natürlich keinen so großen Anteil wie Bälle schlagen aus. Aber ich gehe schon morgens zur Aktivierung eine halbe bis dreiviertel Stunde ins Gym. Und abends mache ich noch einmal täglich eine bis anderthalb Stunden.

netzathleten: Und was machst Du genau für Übungen?
Marcel:
Es sind alles golfspezifische Übungen. Ich muss sehr aufpassen, dass ich nicht zu viel Maximalkraft mache. Das mache ich nur, wenn ich drei bis vier Wochen danach kein Turnier spiele. Kardiotraining ist zugegeben nicht so mein Ding. Ansonsten mache ich viel für die Bauchmuskeln und den Trizeps. Dazu auch noch zur Prophylaxe die Nackenmuskeln. Dabei achten wir darauf, zwischen den Übungen keine Pause zu machen, um die Intensität hoch zu halten. So komme ich dann auch zu meinem Kardiotraining. Denn Laufen ist einfach nicht so mein Ding. Da machen auch meine Knie nicht ganz so mit.

netzathleten: Ist das auch etwas, was Du einem jungen Golfer mit auf den Weg geben würdest?
Marcel:
Auf jeden Fall. Vielleicht nicht unbedingt bei einem 12-Jährigen. Das finde ich etwas grenzwertig. Aber wenn er ausgewachsen ist und Spaß am Golf hat, dann ist es sehr wichtig, auch golfspezifische Übungen zu machen.

netzathleten: Welche Tipps würdest Du einem jungen Golfer sonst mit auf den Weg geben?
Marcel:
Viel putten und viel chippen. Das ist ganz, ganz wichtig. Wenn man Golf anfängt, sollte man auch zu einem guten Trainer gehen. Wenn man zu einem falschen Trainer geht, macht das viel kaputt und man verliert sehr viel Zeit. Such Dir einen guten Trainer und hab viel Spaß am Chippen und Putten, das ist das, was am meisten Spaß macht. Versuch einfach so viele Bälle wie möglich ins Loch zu bringen, das ist das, was am meisten Spaß macht. Versuch auch gar nicht, die Fahne im Loch zu lassen. Nimm die Fahne raus und denk immer nur ans Lochen. Wenn man als Anfänger Golf mal ausprobieren will, kann man sich auch einen Schläger kaufen und drauf knüppeln. Das macht super viel Spaß. Da ist es egal, ob ich mir ein Skateboard kaufe und damit herum fahre oder mir ein paar Schläger hole und im Wald ein paar Bälle schlage.

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