Golfen rund um Melbourne Commonwealth Golf Club
Golf in Australien

Golfen rund um Melbourne

  • Dr. Klaus Westermeier
Als Tiger Woods einmal gefragt wurde, wo er denn privat am liebsten Golf spielen würde, zögerte er nicht lange mit der Antwort: „Around Melbourne“ – rund um Melbourne. Netzathleten sah sich in der australischen Millionen Metropole um. Sind die Plätze so brillant, wie Experten sagen?
Wer im Commonwealth Golf Club vorfährt, erkennt rasch die Elemente, die Melbournes Plätze auszeichnen: ein gepflegtes, aber keineswegs protziges Clubhaus empfängt den Gast. Das Probegrün ist bretthart, pfeilschnell und geradezu manikürt. Beim ersten Blick auf den Platz fallen die breiten Fairways auf, die eingefasst sind von Bäumen, deren Vielfalt und beeindruckende Höhe an einen botanischen Garten erinnern. Über allem schwebt ein Hauch britischer Lebensart, auch wenn die Temperaturen im Sommer auf 40 Grad und mehr steigen können. Das Layout ist klar und fair. Und vor allem sind da die Bunker aus feinstem, dunkelgrauem Sand als konstituierendes Merkmal, in gehöriger Anzahl positioniert, mit Kanten, die mit der Rasierklinge geschnitten scheinen. Diese Bunker passen perfekt zu dem sandigen Untergrund dieser Gegend, der den Plätzen auch ihren Namen gibt: Sandbelt-Kurse heißen sie und befinden sich allesamt in kurzer Distanz südlich zur City von Melbourne. Der Commonwealth Golf Club ist ein guter Einstiegsplatz, um diese eigene Platz-Klasse kennen zu lernen.

golfen in melbourne
Golfen mit Blick auf Melbournes Skyline - Der Commanwealth Golf Club

Zur oberen Liga der Sandbelt-Kurse zählt der Metropolitan Golf Club, Austragungsort von mehreren Australian Open Turnieren. Im Metropolitan ist die Faszination zu spüren, die Tiger Woods gepackt haben muss, als er Melbournes Golfplätzen seine Zuneigung aussprach. Die Fairways sind bis in den letzten Winkel von so vorzüglicher Qualität, dass die beiden australischen Spitzenspieler Stuart Appleby und Robert Allenby sie als die besten der Welt lobten. Selbst wenn man den Lokalpatriotismus abzieht, bleibt der erstaunliche Eindruck, über viele Kilometer wie auf Samt zu gehen. Dieser perfekte Umgang mit dem Rasen, sicherlich ein britisches Erbe, erlaubt einen besonders guten Ballkontakt und damit ein besseres Spiel.

Wie bei den meisten großen Clubs in Melbourne geht die Gründung auf die Zeit um1900 zurück. Und diese lange Tradition wird großgeschrieben, auch wenn das Clubhaus im Metropolitan Golf Club 2013 neu und in einem ansprechend modernen Stil mit viel Glas errichtet wurde.

Wer sich mit Melbournes Golfpätzen beschäftigt, stößt unweigerlich auf den bedeutenden Golfplatzarchitekt Alister MacKenzie. Der Schotte verlieh den Sandbelt-Kursen den entscheidenden Design-Impuls. Der gelernte Arzt und eher mittelmäßige Golfer reiste 1926 nach Melbourne, nachdem er zuvor schon an der Umgestaltung des Old Courses in St. Andrews mitgewirkt hatte. Während seines nur zweimonatigen Aufenthaltes beriet er unter anderem den Royal Melbourne Golf Club, dessen West-Kurs auf MacKenzies Vorschlägen beruht. MacKenzie, der einige Jahre später auch das Redesign von Augusta National verantwortete, war nicht nur einer der wichtigsten Golfplatzbauer, er fasste seine Vorstellungen auch in dem golfhistorisch bedeutenden Standardwerk „Golf Architecture“ zusammen und hat damit ganze Generationen von Nachfolgern beeinflusst. Melbournes Sandbelt-Kurse orientieren sich bis heute an vielen seiner Maximen. Nach Alister MacKenzies Credo sind Golfplätze beispielsweise nicht gemacht, damit Spieler ständig Bälle suchen, deshalb die breiten Fairways und fairen Layouts. Ein Golfplatz muss zudem für gute Spieler wie auch für höhere Handicaps gleichermaßen geeignet sein. Entsprechend sind bei den Sandbelt-Kursen die Abschläge so gestaltet, dass die Fairways ohne große Hindernisse gut erreichbar sind.

Alister MacKenzies Meisterwerk in Australien ist sicherlich Royal Melbourne, dessen Westkurs regelmäßig unter den zehn besten Golfplätzen der Welt gelistet ist. Kürzlich fand hier der Presidents Cup statt. Kennern gilt Kingston Heath jedoch als nicht minder gelungen. Zu den großen Sandbelt-Kursen Melbournes gehört auch der Victoria Golf Club. Der 1903 gegründet Club, der zuerst am Rande der damals noch kleinen City lag, zog später an seinen heutigen Standort in Cheltenham. Dieser vornehme Vorort Melbournes dürfte die höchste Dichte exzellenter Golfplätze der Welt aufweisen, liegen doch die beiden 18 Loch Kurse von Royal Melbourne nur einen Steinwurf weit von Victoria entfernt und auch Kingston Heath ist nur einige Blocks entfernt.

Die Atmosphäre des Victoria Golf Clubs ist ein wenig steifer als die der restlichen Clubs, hier treffen sich die „old british gentlemen“ zum Golf. Ungewöhnlich der Aufbau der Spielbahnen. Der Kurs startet mit einem 233 Meter langen Par 4, dessen Grün gute Spieler leicht mit einem Schlag erreichen. Jeweils die beiden letzten Spielbahnen der Halbrunden enden mit zwei Par fünf Löchern. Auch verfolgen die Cluboberen im langen und heißen Sommer Melbournes eine andere Pflegestrategie wie die meisten anderen Spitzenclubs. Die Spielbahnen werden nicht so stark künstlich bewässert. Es wird damit in Kauf genommen, dass viele trockene und braune Flächen entstehen. Der Zustand wird in Australien als „rusty“ bezeichnet. Der Vorteil: der Ball rollt und rollt und rollt.

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Zum Fürchten große Bunkerlandschaften: Der Kingston Heath Golf Club (©Kingston Heath Golf Club )

Und das Beste kommt zum Schluss: Kingston Heath - quasi die Inkarnation der hiesigen Kurse. Der enorm großzügigen Anlage gelingt die perfekte Synthese zwischen manikürten wunderbaren Abschlägen, Fairways und Grüns einerseits und dem „rusty“ Charakter des naturbelassenen restlichen Geländes anderseits. Von beidem etwas haben die zum Fürchten großen Bunkerlandschaften, deren Kanten von Gräsern bewachsen sind. Viele Bäume sind in Kingston Heath so schön wie Kunstwerke, turmhoch oder auch ganz knorrig am Boden entlang wuchernd. Ein Schauspiel bieten die Flammenbäume, deren Blüten im Januar feuerrot leuchten. Die Scorekarten von vielen Großen der Golfszene, von Tiger über Greg Norman bis Adam Scott, zieren die Wände des Clubhauses. Kingston Heath ist ein wahrlich atemberaubendes Golferlebnis.

Kein Zweifel: Melbournes Sandbelt-Kurse zählen zum Feinsten, was der Golfsport weltweit zu bieten hat – und das in einem Radius von nur wenigen Kilometern. In Melbourne kommen zusätzliche exzellente Plätze hinzu, die rund 80 Kilometer südlich der Aussie-Metropole in Meeresnähe liegen. Diese über ein Dutzend Plätze auf der Mornington Peninsula besitzen allesamt Links Charakter. Herausragend der National Golf Club mit drei 18-Loch Designs. Aber auch The Dunes und Moonah Links gehören zu den Top 20 Plätzen Australiens. Diese wunderbaren, in die wilde Natur der Küste eingebetteten Plätze kosten nur einen Bruchteil der großen Sandbelt Kurse und runden das Angebot Melbournes an Golfplätzen ab. Tiger Woods weiß also, wovon er spricht, wenn er die Golfplätze rund um Melbourne als seine Lieblingskurse bezeichnet.

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Nach Voranmeldung kein Problem: Golfen im Commonwealth Golf Club

Die Golfplätze rund um Melbourne

Die bekannten Sandbelt-Kurse Melbournes sind private Golfclubs, die Gäste aber nach Voranmeldung gerne spielen lassen. Erforderlich ist ein Schreiben oder eine E-Mail, die die Mitgliedschaft in einem deutschen Golfclub nachweist. Auf manchen Plätzen gibt es keine differenzierten Abschläge, Männer spielen schlicht von weiß. Der Abschlag kann von Tag zu Tag variieren. Senioren können ebenfalls von den roten Damen-Abschlägen spielen.

Kingston Heath Golf Club
Kingston Road, Cheltenham VIC 3192
Tel: +61 395511955
18 Loch, Par 72, 6347 Meter, Slope 130
Greenfee: 350 AUS Dollar
www.kingstonheath.com.au

Metropolitan Golf Club
Golf Road, South Oakleigh VIC 3167
Tel: +61 395793122
18 Loch, Par 72, 6144 Meter, Slope 127
Greenfee: 295 AUS Dollar
www.metropolitangolf.com.au

Victoria Golf Club
Park Road, Cheltenham VIC 3192
Tel: +61 39584177
18 Loch, Par 72, 6278 Meter, Slope 130
Greenfee: 250 AUS Dollar
www.victoriagolf.com.au

Commonwealth Golf Club
Glennie Avenue, South Oakleigh VIC 3167
Tel: +61 395793033
18 Loch, Par 73, 6047 Meter, Slope 126
Greenfee: 170 AUS Dollar
www.commonwealthgolf.com.au

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