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Wie gesund ist Radfahren?

Sportarten im Gesundheitscheck: Radfahren

  • Dr. Klaus J. Schnake
Neun von zehn Deutschen sind sportlich unterwegs. Das wichtigste Ziel: fit und gesund bleiben. Damit das sowohl für Einsteiger als auch für erfahrene Freizeitsportler gelingt, unterziehen erfahrene medizinische Experten der Schön Klinik die beliebtesten Sportarten einem Gesundheitscheck und verraten ihre Tipps für ein gesundes und effizientes Training. Heute: Radfahren.

Radfahren

Ob Alltagsradeln, Rennradfahren oder Mountainbiken: Das Fahrrad ist für viele Deutsche Sportgerät und Fortbewegungsmittel zugleich. Einer Umfrage der Schön Klinik zufolge tritt jeder zehnte Deutsche täglich in die Pedale. 17 Prozent radeln zwei- bis dreimal und 11 Prozent immerhin einmal die Woche.

Das sagt der Experte: Dr. Klaus J. Schnake, Schön Klinik Nürnberg Fürth

Fitnessfaktor
Hoch! Die großen Beinmuskeln werden trainiert und verbrennen viel Energie. Das Herz-Kreislaufsystem wird effektiv trainiert. Radfahren ist ideal, um die Fitness in sämtlichen Bereichen zu verbessern.

Kraftfaktor
Die Rumpfmuskulatur muss den Körper auf dem Rad stabilisieren. Je sportlicher die Fahrweise und damit auch die Sitzhaltung, desto mehr Haltearbeit leistet die Rumpfmuskulatur. Bergfahren oder Fahren in großen Gängen trainiert die Kraft vor allem in der Oberschenkelmuskulatur.

Verletzungsrisiko
Wenn man von Stürzen oder Unfällen absieht, ist die Verletzungsgefahr gering. Radfahren führt nur selten zu Überlastungserscheinungen. Wenn, dann sind meist die Handgelenke, das Gesäß oder der Rücken betroffen. Insgesamt gibt es aber ein geringes Risiko. Helmpflicht versteht sich von selbst!

Rücken- und Gelenkfreundlichkeit
Radfahren führt nur selten zu Überlastungen an Rücken und Gelenken. Meist ist dann eine falsche Einstellung des Rads der Grund. Das kann zum Beispiel die Rahmengeometrie, Sattelhöhe oder Position des Lenkers sein. Hier hilft ein sogenanntes „Bikefitting“, das gute Fahrradhändler, aber auch andere professionelle Anbieter durchführen. Sinnvolle Ergänzungen zum Radfahren sind Rumpfstabilisationsübungen und regelmäßiges Dehnen. Damit lassen sich Überlastungserscheinungen auch bei langen Radtouren effektiv vorbeugen.

Herz/Kreislauf
Radfahren ist eine ausgezeichnete Belastung für das Herz-Kreislaufsystem. Im Vergleich zum Laufen ist die Belastung etwas geringer, kann aber besser dosiert werden, zum Beispiel durch Schalten oder Rollen lassen. Eine gute Schaltung oder auch eine elektrische Unterstützung machen das Radfahren für jeden zum guten Trainingstool, unabhängig vom Fitnessgrad.

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Fazit

Radfahren ist prinzipiell für jeden geeignet, sofern man Radfahren kann. Vor allem für Menschen mit Übergewicht oder Gelenkproblemen an Knie oder Hüfte ist es häufig eine gute Alternative zum Laufen oder zu Nordic Walking. Bei Rückenschmerzen kann Radfahren ebenfalls eine Alternative sein. Allerdings hängt das von der Schmerz-Ursache ab und kann nicht verallgemeinert werden. Probieren geht da über studieren! Senioren und Menschen, die Gleichgewichts- oder Schwindelstörungen haben, sollten sehr vorsichtig beginnen. Hier eignet sich das stationäre Fahrrad-Ergometer am besten. E-Bikes erlauben es auch untrainierten Menschen, mit dem Fahrrad zu fahren, selbst bei hügeligem Profil mit entsprechenden Steigungen.

Radfahren: Die Tipps vom Experten

Wie oft und wie lange sollte man trainieren?
So häufig und lange man will! Wie bei jedem Sport sollte man die Belastung langsam steigern, ansonsten schmerzen schnell die Handgelenke oder das Gesäß. Ziel wäre, zwei bis drei Stunden die Woche Rad zu fahren. Aber auch kurze Strecken zur Arbeit oder zum Einkaufen haben schon einen Trainingseffekt.

Was sollte man beachten?
Wer am Straßenverkehr teilnimmt, benötigt ein straßenverkehrstaugliches Rad. Ein Helm gehört ebenfalls dazu. Wer es sportlicher mag, wird auf ein Rennrad umsteigen. Spätestens dann lohnt sich auch eine Beratung beim Profi, um ein optimal an die eigene Körpergeometrie angepasstes Rad zu fahren.

Was sollte man vermeiden?
Sicherheit geht vor Schnelligkeit! Keine rasanten Abfahrten und Achtung bei Nässe oder Sand auf der Straße. Bei Beschwerden sollte man frühzeitig aufhören. Wenn die Schmerzen öfter auftreten, sollte man einen Arzt aufsuchen.

Wer sollte auf‘s Radfahren verzichten?
Wer an Gleichgewichtsstörungen leidet, sollte nicht mit dem Fahrrad auf der Straße fahren. Hier eignen sich stationäre Fahrrad-Ergometer besser.

Zur Person: Dr. Klaus J. Schnake, Schön Klinik

dr.schnake wie gesund ist radfahrenDr. Klaus J. Schnake ist Chefarzt des Zentrums für Wirbelsäulen- und Skoliosetherapie an der Schön Klinik Nürnberg Fürth. Neben der Orthopädie und Unfallchirurgie ist er auch als Sportmediziner tätig. Er erhielt das Focus Siegel „Beste Ärzte Wirbelsäulenchirurgie“ und das Exzellenz-Zertifikat der deutschen Wirbelsäulengesellschaft.

Der passionierte Triathlet hält Sport für die effektivste Methode, um körperlich gesund zu bleiben. Er bestreitet zwei bis drei Triathlon-Wettkämpfe im Jahr sowie Läufe über zehn Kilometer und Halbmarathon. Sein Tipp: „Ich trainiere mit dem Rennrad und fahre mindestens zweimal pro Woche. Um dem Autoverkehr zu entgehen, fahre ich im Sommer morgens vor der Arbeit Strecken von etwa 25 bis 35 Kilometern. Auch frühmorgendliche Fahrten am Wochenende sind ein Genuss, da dann noch alles ruhig ist und man die Natur um sich herum genießen kann. Genauso wie das gemeinsame Frühstück danach mit der Familie!“

Weitere Infos: www.schoen-klinik.de



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