Umfeld, Kriminalität, Verkehr - Soziale Faktoren können Übergewicht begünstigen Thinkstockphoto.de

Umfeld, Kriminalität, Verkehr - Soziale Faktoren können Übergewicht begünstigen

  • Jörg Birkel
Ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel werden immer als die Hauptursache für Adipositas genannt. Die Entstehung von Übergewicht schient aber von wesentlich mehr Faktoren abzuhängen. Zu diesem Ergebnis kam die Kieler Adipositas-Präventionsstudie.

Zu viel Essen und wenig Bewegung sind zwar die Hauptursachen für Übergewicht, aber der Lebensstil unterliegt eben nicht nur individuellen Entscheidungen. Das direkte Wohnumfeld, die Verkehrsdichte in Städten oder die Kriminalitätsrate haben Einfluss auf unseren Lebensstil und können so Adipositas begünstigen.

Das soziale Umfeld hat Einfluss

Zwar fördert der Verkehr nicht direkt die Entstehung von Übergewicht, aber die Summe aller Umgebungsfaktoren kann darüber bestimmen, wie aktiv wir uns bewegen und wie viel Energie wir uns zuführen. Eine hohe Verkehrsdichte lädt beispielsweise nicht unbedingt zu Freizeitaktivitäten auf der Straße ein.

Präventionsstrategien müssen den Forschern zufolge deshalb auch den Einfluss der jeweiligen Lebenswelt berücksichtigen. Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die in sozial benachteiligten Wohngegenden aufwachsen und leben, sind häufiger übergewichtig“, sagt Professor Manfred James Müller, einer der beiden Sprecher des Kompetenznetzes Adipositas. Die Sozialraumanalyse in Stadt und Wohnbezirken zeigt deutliche Unterschiede in Lebensmittelangebot, Verkehrsdichte und Kriminalitätsrate.

„Bei einem hohen Lebensmittelangebot essen Kinder häufiger zwischen den Mahlzeiten“, sagt Professor Müller. Eine hohe Verkehrsdichte sowie Kriminalitätsrate begünstigen Inaktivität und Medienkonsum – in diesen Wohngegenden gehen die Menschen seltener aus dem Haus und bewegen sich weniger. Eine niedrige Schulbildung verstärkt den nachteiligen Einfluss der Lebenswelt.

Auch die Umgebung ist relevant

Präventionsstrategien müssen Einfluss der Lebenswelten berücksichtigen Um in einer Untergruppe zusätzlich zu den oben genannten Faktoren den Einfluss der Nachbarschaft auf das Gewicht von Kindern im Alter zwischen sechs und zehn Jahren zu untersuchen, wurde ein geographisches Informationssystem verwendet. Dadurch konnten die Lebenswelten im Umkreis von 800 Metern um das Zuhause des betreffenden Kindes charakterisiert werden.

Das Ergebnis überrascht wenig: Als weitere Determinanten der Gewichtszunahme konnten die Begehbarkeit der Stadtteile, der Straßentyp, das soziale Niveau der Wohngegend sowie die objektiv und subjektiv wahrgenommene Verkehrsdichte identifiziert werden.

„Familiäre und soziale Faktoren haben im Vergleich zum Faktor Lebenswelt nach wie vor den größeren Einfluss auf das Körpergewicht“, so Professor Müller. „Dennoch sollten zukünftige Strategien der Prävention nicht allein den Lebensstil von Kindern und Jugendlichen adressieren, sondern auch den Einfluss der Lebenswelten berücksichtigen.“

Fazit: Die Studie verdeutlicht einmal mehr, dass die Entstehung von Übergewicht komplexe Ursachen haben kann. Es ist leicht, einem dicken Menschen Vorwürfe zu machen, dass er selber schuld sei. Doch ganz so leicht, ist es eben nicht. Es lohnt sich also, mal zu Hinterfragen, warum man sich wenig bewegt und sich falsch ernährt. Erst wenn man die wahren Ursachen begriffen hat, kann man wirklich abnehmen und sein Gewicht halten. Die wichtigste Änderung muss also im Kopf passieren und dann folgt das Verhalten.

Über das Kompetenznetz Adipositas

Das Kompetenznetz Adipositas verbindet bundesweit Experten im Bereich Adipositas. Im Netzwerk organisierte Verbünde erforschen Ursachen und Risikofaktoren für die Entstehung der Adipositas. Sie entwickeln und überprüfen neue Therapien sowie Präventionsstrategien.

Das Kompetenznetz stellt fundierte und verständliche Informationen für Ärzte, Verbände, Medien und Betroffene bereit. Damit sorgt das Netzwerk für eine Stärkung der Adipositasforschung in Deutschland, für einen verbesserten Wissenstransfer der medizinischen Forschung und am Ende für eine bessere Versorgung der Betroffenen.

Weitere Informationen finden Sie unter www.kompetenznetz-adipositas.de.

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