2. Jahrestreffen des OS Instituts – Die Themen Nils Borgstedt

2. Jahrestreffen des OS Instituts – Die Themen

Der Fuß und das Athletiktraining – diese beiden Thematiken bildeten den Schwerpunkt beim zweiten Jahrestreffen der OS Coaches in München.
Ein straffes Programm erwartete die etwa 35 Teilnehmer des zweiten Jahrestreffens des OS Institut. 12 Vorträge à 20 Minuten, und das an einem Tag – viel Input für die versammelten Physiotherapeuten und Athletiktrainer. Renommierte Referenten brachten die Zuhörer auf den aktuellen Stand der Forschung und gaben Einblick in die Praxis. Die Schwerpunktthemen: Der Fuß und das Athletiktraining, generell und speziell im Fußball.

Der Fuß

Laufanalysen, Barfußschuhe, Minimalsandalen – immer mehr Fachhändler und Schuhhersteller folgen dem Trend Fuß, der seit einiger Zeit immer mehr im Kommen ist. Es scheint, als besinne man sich zurück auf die einzige dauerhafte Verbindung des menschlichen Körpers zum Erdboden. Ohne einen funktionierenden Fuß sind Folgeverletzungen vorprogrammiert – so könnte man den Einfluss des Fußes auf die untere Extremität zusammenfassen, über den der Physiotherapeut der Österreichischen Volleyball-Nationalmannschaft Michael Roser referierte. Fazit: Achte auf deine Füße und sei dir ihrer wichtigen Funktion bewusst.

Julia Derbfuß, Sportlehrerin, Sporttherapeutin und Lauftrainerin nahm den Staffelstab entsprechend auf. In ihrem Vortrag zum Fußmuskeltraining zur Verletzungprophylaxe referierte sie über die Notwendigkeit einer gut trainierten Fußmuskulatur und ihren Auswirkungen auf Körperhaltung. Dazu gehört selbstverständlich auch ein effizienter, ökonomischer und anatomisch richtiger Laufstil. Und dieser ist keinesfalls nur auf die Beine beschränkt. Gerade auch die Armhaltung spielt eine große Rolle. Habe ich eine zu starke Rotation im Oberkörper? Bilden meine Arme den passenden Gegenschwung zu den Beinen? Strecke ich meine Hüfte ausreichend?

Inwieweit eine Laufanalyse auch messbar gemacht werden kann, zeigte Sportwissenschaftler Hans-Jürgen Gruner. Mit Hilfe der Pedobarometrie lässt sich beispielsweise ermitteln, welche Fußregion wann mit Druck belastet wird. Daraus lassen sich mögliche Fehlbelastungen ableiten und ein entsprechendes Trainingsprogramm entwickeln. Auch Einlagen können eine Lösung darstellen. Aber, und das ist entscheidend: Sie sind nur eine temporäre Hilfe und können ein Training keinesfalls ersetzen.

Athletiktraining

Der zweite Teil des Jahrestreffens stand ganz im Zeichen des Athletiktrainings im Fußball. So ließen etwa die TSG Hoffenheim und der Hamburger SV einen Blick hinter die Kulissen zu, indem Bernd Steinhoff, Physiotherapeut bei der TSG, und Sebastian Grützner, Reha- und Athletiktrainer beim HSV, über Verletzungsprophylaxe und Athletiktraining ihrer Clubs berichteten. Inwieweit beeinflusst der Spielstil einer Mannschaft das Athletiktraining? Wie kann man die Spieler am besten vor Verletzungen schützen? Eines wurde deutlich: Messbarkeit und Individualisierung sind die zentralen Komponenten. Nur wer objektive Werte zur Verfügung hat, kann vergleichen, Entwicklungen beobachten und verbessern. In Bezug auf das Training selbst sind Mobilisation und Stabilisation die Basis für eine erfolgreiche Verletzungsprophylaxe.

In die gleiche Kerbe schlagen Oliver Schmidtlein und Matthias Keller mit ihrem Return to Activity (RTA) Algorithmus. Auch hier stehen Messbarkeit und Bewegungskontrolle im Mittelpunkt. Testserien geben objektive Informationen, welche Belastungsintensität für den Verletzten infrage kommt und wann er wieder zum Spielbertrieb/Sport zugelassen werden kann. Stufenweise wird dann die Belastung gesteigert, fortwährend die Bewegungsausführung kontrolliert und die Reaktion der verletzten Struktur auf Belastung beobachtet. Wer also beispielsweise nach einem Kreuzbandriss wieder Fußball spielen möchte, muss zuvor die insgesamt vierstufige Testbatterie beschwerde- und fehlerfrei absolvieren.

Wie sehr sich das Athletiktraining und das Bewusstsein dafür im Fußball in den vergangenen Jahren verändert haben, veranschaulichte der Ex-Profi Thomas Hitzelsperger in einem Rückblick über seine Karriere in England, Deutschland und Italien. Von individueller Betreuung in England bei Aston Villa bis zu Trainer-Ansagen wie „Du läufst so lange, wie ich es sage“ und „Beschwerden hin oder her“ war alles dabei. Inzwischen ist bei praktisch jeder Profimannschaft der oberen Ligen ein Athletiktrainer engagiert. Eine Entwicklung, die in Anbetracht des immer athletischer werdenden Fußballs zu begrüßen ist.

Im Anschluss zeigte der Sportwissenschaftler Lutz Herdener Möglichkeiten auf, wie sich modernes Schnelligkeitstraining umsetzen lässt. Interessant: Eine hochintensive Belastung vier bis sechs Stunden vor der Zielbelastung kann zu einer verbesserten Leistung führen. Außerdem zeigte Herdener auf, dass das Laktat im Muskel keinen leistungslimitierenden Faktor darstellt, auch bei mehrfachen Sprints. (Wer sich näher zu dem Thema informieren möchte, findet hier die passende Dissertation von Lutz Herdener).

Abschließend stellte Christoph von Oldershausen einen Vergleich an zwischen den Strukturen des Athletiktrainings in Deutschland und den USA. Amerika ist hier gerade infrastrukturell noch einiges voraus. Fazit für Deutschland: Es gibt noch viel zu tun. Packen wir’s an.

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