Elektronische Schaltung - Shimano Dura Ace Di2 im Praxistest Jörg Birkel

Elektronische Schaltung - Shimano Dura Ace Di2 im Praxistest

  • Jörg Birkel
Elektronische Schaltgruppen sind im Trend. Mittlerweile gibt es die Di2 bereits in der zweiten Generation, etwas günstiger kann man Shimanos Flaggschiff auch mit Ultegra Komponenten bekommen und Campagnolo bietet ebenfalls Schaltkomponenten ohne Züge an. Wir haben die Di2 getestet.

Di2 steht für Digital integrated intelligence und bezeichnet bei Shimano elektronische Schaltgruppen. Statt Schaltzüge sind Kabel verlegt. Ein Lithium-Akku liefert Energie für zwei kleine Stellmotoren, die über Umwerfer und Schaltwerk die Gänge auf Knopfdruck wechseln.

Wir haben die Di2 an einem Zeitfahrrad getestet, weil sich hier gegenüber dem Rennrad ein weiterer Vorteil der elektronischen gegenüber der mechanischen Schaltung zeigt. Während man bei einer klassischen Schaltung die Gänge über mechanische Kippschalter an den Enden der Auflieger (Extensions) wechselt, finden sich bei der Di2 dort zwei kleine Schalter.

Mehr Schaltkomfort und Präzision

Zudem kann man bei der Di2 aber auch am Unterlenker schalten, denn auch hier finden sich zwei Knöpfe für das Wechseln der Gänge. So erspart man sich das lästige Umgreifen, wenn man beispielsweise um enge Kurven fährt und die Hände lieber an der Bremse lässt.



Übrigens: Bei der zweiten Generation der Di2 hat Shimano dieses Schaltkonzept allerdings modifiziert. An den Extensions kann man nur das Schaltwerk bedienen. Links ist ein Schalter zum hochschalten, rechts einer zum runterschalten. Der Umwerfer wird nur am Bremshebel bedient, da man selten in Aeroposition vom großen aufs kleine Kettenblatt wechselt.

Schaltlogik bleibt unverändert

Ansonsten ist bei der Di2 gegenüber der mechanischen Dura Ace wenig geändert worden. Die Schaltlogik bleibt die gleiche. Pro Knopfdruck wechselt die Schaltung ein Ritzel weiter, wobei die Präzision sehr hoch ist, weil sich die Schaltung selbst kalibriert. Das macht sich vor allem beim Wechsel der Kettenblätter positiv bemerkbar.

Auch die Schaltgeschwindigkeit bleibt gegenüber der mechanischen Schaltung unverändert. Die kleinen Knöpfe können in hoher Geschwindigkeit mehrfach hintereinander gedrückt werden. Der eingebaute Computer-Chip merkt sich, wie oft der Knopf gedrückt wurde und schaltet nacheinander die Gänge durch.

Außerdem weiß die Schaltung immer, welcher Gang eingelegt ist und justiert den Umwerfer nach, sodass lästige Schleifgeräusche der Vergangenheit angehören, selbst wenn man mit schräger Kette kurbelt.

Aufladen nicht vergessen

Die Schaltung erfordert aber immer ausreichend Saft auf dem Akku, deshalb sollte man diesen vor wichtigen Wettkämpfen sicherheitshalber an das Ladegerät hängen. Laut Herstellerangabe reicht eine volle Akkuladung für 1.000-2.000 Kilometer. Die tatsächliche Reichweite hängt natürlich auch vom individuellen Schaltverhalten ab. Die Akkuladezeit beträgt maximal 90 Minuten.

Dieser neue Schaltkomfort hat allerdings auch einen stolzen Preis. Etwa mehr als 1.000 Euro zahlt man drauf, wenn man statt der mechanischen Dura Ace die elektronische Variante Di2 haben will. Beim Internetversandhändler wird die komplette Di2 für rund 2.700 Euro angeboten. Ein Upgrade-Kit gibt es bereits ab 999 Euro.

Unser Fazit: Die Shimano Dura Ace Di2 bietet Schaltkomfort auf höchstem Niveau. Wer sich einmal daran gewöhnt hat, möchte nur ungern wieder darauf verzichten. Allerdings muss man dann auch das nötige Kleingeld haben. Zurzeit ist die elektronische Schaltgruppe noch relativ teuer und gehört daher noch in die Kategorie Luxusspielerei und weniger in die Must-have-Rubrik. Wer es sich leisten kann, wird aber viel Freude damit haben.

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