So wird ein Schuh draus – Tecnicas anpassbarer Wanderschuh
Wanderschuh auf Maß in 20 Minuten

So wird ein Schuh draus – Tecnicas anpassbarer Wanderschuh

Tecnica produziert die weltweit ersten anpassbaren Wanderschuhe Forge und Forge S – und will damit Probleme wie langes Einlaufen oder schmerzende Druckstellen oder gar Blasenbildung beim Wandern verhindern. Wir haben den Anpassungsprozess und die Schuhe beim Trekking getestet.
Nach dem langen und vor allem heißen Sommer locken kühlere Temperaturen sowie die bunte Herbstlandschaft viele Wanderlustige nun in die Wälder und die Berge. „Der Herbst ist die Hauptwandersaison.“, sagt Marc Künkele von der italienischen Traditionsmarke Tecnica, die vor allem auf Skischuhe sowie Winter- und Wanderschuhe spezialisiert ist, und fährt fort: „Im Sommer liegen die meisten irgendwo am Strand, jetzt, wo es nicht mehr so heiß ist, werden die Leute wieder aktiver“.

bootfitting wanderschuh
Der Forge S - Wanderschuh nach Maß

Künkele selbst wandert auch gerne, meist ist er aber im Auto und im gesamten deutschsprachigen Raum unterwegs, um das Personal von Sportfachgeschäften zu schulen. Dieses besteht zwar, wie im Falle von Sport Bittl, wo wir Künkele in München zur Schuhanpassung treffen, ohnehin aus Experten, muss aber im Falle von Weltneuheiten wie dieser Anpassungsmethode von Tecnica selbst erst damit vertraut gemacht werden.

test forge s marc kuenkele
Marc Künkele (re.) beim Bootfitting

Das Einlaufen von Wanderschuhen soll mit dem Forge und dem hier getesteten Forge S der Vergangenheit angehören, wenn es nach Tecnica geht. Doch der Reihe nach: Was benötigt ein guter Wanderschuh überhaupt? „Natürlich müssen die Materialien zunächst qualitativ hochwertig und stabil sowie gut verarbeitet sein.“, weiß Künkele. „Dazu kommt die richtige Mischung aus Halt und Komfort an wichtigen Stellen wie der Ferse, der Fußinnenseite, dem Fußbett und am Knöchel. Und genau an diesen Stellen setzen wir mit unserer sogenannten C.A.S. Technologie an, die Skifahrer vielleicht schon von den Tecnica-Skischuhen kennen und die eine individuelle Anpassung an jeden einzelnen Fuß möglich macht.“

Dazu verwendet Tecnica nicht nur bei der Herstellung bereits einen anatomisch geformten Leisten, der sich deutlich von Standard-Leisten unterscheidet und bereits ohne individuelle Anpassung ein angenehmes Tragegefühl vermittelt, sondern setzt an allen genannten Stellen des Fußes auch thermoformbares Material ein. Dieses kann im Fachgeschäft in 20 Minuten mit der richtigen Temperatur und dem nötigen Druck – Fußbett und Schuh werden nacheinander erwärmt und formen sich anschließend durch Kompression direkt um den Fuß – an den eigenen Fuß angepasst werden. So die Theorie.

anatomische leisten
Links der anatomische Leisten von Tecnica, rechts ein herkömmlicher

Die Anpassung des Forge S

Während Künkele bei all diesen Erklärungen den Technik-Koffer und sämtliche Manschetten, Schläuche und Heizgeräte auspackt, beschleicht einen zunehmend das Gefühl, es könnte sich um Weltraumschuhe handeln, die es hier anzupassen gilt. Natürlich ist alles halb so wild und die Anpassung längst nicht so zeitaufwendig, wie anfangs vielleicht noch vermutet. Schnell sind die speziellen Einlegesohlen für das Fußbett mittels Induktionstechnik auf 80 Grad Celsius erwärmt und in kleine Slipper gepackt, in die der Kunde wiederum hineinschlüpft. Mit diesen geht es nun in die beiden wadenhohen Kompressionsbeutel, die anschließend so lange mit Luft vollgepumpt werden, bis sie einen Druck von 150 Millibar auf die Füße ausüben und die Sohle so der Fußform anpassen.

einlegesohlen
Erst muss alles mittels Induktionstechnik aufgewärmt werden. Zunächst die Einlegesohlen...

„Dass sich Deine Füße dabei fast schon schwerelos anfühlen, liegt daran, dass nun nicht nur von unten sondern überall und bis zur Wade hoch ein gleichmäßiger Druck auf den Fuß wirkt“, beantwortet Künkele meine Frage, ob es sich denn, wegen des seltsamen Gefühls, nicht vielleicht doch um Weltraumschuhe handelt. Währenddessen wärmt er bereits die Schuhe mit den zugehörigen Heizmanschetten auf und bereitet damit schon den letzten Anpassungsschritt vor. Ist die Sohle nämlich nach kurzer Zeit fertig, kommt sie in die nun aufgewärmten Schuhe, gefolgt von den Füßen des Kunden. Anschließend geht es wieder in die Kompressionsbeutel und der Druck wird erneut für drei Minuten ausgeübt.

CAS schuh aufwaermen
...danach der restliche Schuh

Kompression
Abschließend werden Einlegesohle und Schuh jeweils mit hohem Luftdruck an den Fuß angepasst

„Etwa 20 Minuten hat das gedauert und dann war es das schon“, sagt Künkele, und ermutigt mich, ein paar Schritte mit den nun fertig angepassten Schuhen zu gehen und auch den kleinen Hindernisparkour hier im Sportgeschäft auszuprobieren. Läuft!

forge s tecnica test

Fazit:

Dass der Forge S sich aufgrund des speziellen Leistens bereits „out of the box“ schon sehr komfortabel anfühlt, erwähnten wir bereits. Was aber tatsächlich in diesem Schuh und generell hinter der C.A.S.-Technologie steckt, vermittelt sich tatsächlich erst durch den eigentlichen Anpassungs-Prozess. Der Schuh liefert hinterher ein rundum angenehmes Tragegefühl, sitzt nicht nur sprichwörtlich wie angegossen und bietet daher auch schon bei dem kurzen Test hier im Fachgeschäft unmittelbare Trittsicherheit auf der Steintrasse. Auch beim ersten längeren Testlauf mit dem Forge S im bayrischen Voralpenland traten keinerlei Druckstellen geschweige denn Blasen auf. Darüber hinaus punktet der Schuh mit den verwendeten Materialien wie Gore-Tex-Membranen und der griffigen „Vibram-Megagrip“-Sohlen (unten im Bild) auch in Sachen Wasserdichtigkeit, Atmungsaktivität und Langlebigkeit, die den höheren Preis von 249 Euro zusammen mit der Anpassungs-Technik rechtfertigen.

Vibram Sohle

Die technischen Daten des Forge S

Obermaterial: Synthetisches Stretchmaterial mit TPU laminierter Verstärkung
Liner: Gore-Tex® Membran, Gewicht: 585 g pro Schuh (Größe UK8)
Farben: jeweils drei Farben für Damen und Herren
Preis: 249 EUR



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