Kurioses aus der WM-Geschichte Teil 1 picture alliance

Kurioses aus der WM-Geschichte Teil 1

  • Marco Heibel
In der 80-jährigen Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaften hat sich die eine oder andere Kuriosität ereignet. Die netzathleten erinnern an (aber)witzige Geschichten und unglaublich erscheinende Rekorde.

Die Bundesliga-Saison 09/10 liegt in den letzten Zügen, und spätestens nach dem Champions League-Finale werden sich alle Augen auf die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika richten. Wer weiß, welche kuriosen Geschichten sich dort ereignen werden. In der Vergangenheit haben sich jedenfalls einige lustige Anekdoten und kaum glaubliche Fakten angesammelt.

Als Kuba besser abschnitt als Deutschland


Die deutsche Nationalmannschaft wurde 1934 in Italien WM-Dritter, Österreich WM-Vierter. Das verhieß Großes für die Weltmeisterschaft 1938 in Frankreich, bei der die DFB-Elf nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich mit der Crème de la Crème beider Mannschaften antrat. Das Problem: Die Zusammenstellung der Mannschaft war von oben herab diktiert worden, Reichstrainer Otto Nerz MUSSTE seine Mannschaft aus sechs Deutschen und fünf Österreichern zusammenstellen. Doch die alten Rivalen waren sich alles andere als grün und spielten auch im selben Team lieber gegen- als miteinander.



So kam es, dass Deutschland bei der WM 1938 das schlechteste Ergebnis seiner Historie erzielte: Gegen die Schweiz kam man in der ersten Runde nur zu einem 1:1 nach Verlängerung. Das Wiederholungsspiel ging mit 2:4 verloren, die WM war vorbei.

Damit stand die Mannschaft auf einer Stufe mit Niederländisch-Indien (dem heutigen Indonesien), welches ebenfalls nur unter die besten 16 kam, und landete sogar noch hinter den Kubanern, die bei ihrer ersten und bis heute einzigen WM-Teilnahme das Viertelfinale erreichten.

173.550 Zuschauer…


beträgt die Differenz zwischen dem am besten und dem am schlechtesten besuchten WM-Spiel aller Zeiten: Die Vorrundenpartie der WM 1930 zwischen Rumänien und Peru (3:1) in Montevideo/Uruguay soll ganze 300 „Interessierte“ angelockt haben. Zum Spiel Brasilien gegen Uruguay bei der WM 1950 strömten 173.850 Zuschauer ins Maracana-Stadion von Rio de Janeiro.

Die dort Anwesenden wurden Zeuge eines Kuriosums, das sich bis heute – zum Glück – nicht wiederholt hat: Der Weltmeister wurde nämlich nicht in einem echten Endspiel, sondern in einer Gruppenphase unter den vier Vorrunden-Gruppensiegern ausgespielt. Das Spiel Brasilien gegen Uruguay war rein zufällig das letzte dieser Runde und auch das Spiel, das den neuen Weltmeister hervorbringen würde. Den Brasilianern hätte ein Remis zum Titelgewinn genügt, doch die Seleçao verspielte vor heimischem Publikum eine frühe Führung und unterlag Uruguay mit 1:2.

Das Spiel markierte dennoch einen Wendepunkt im Weltfußball. Uruguay, zu diesem Zeitpunkt mit zwei Titeln Rekordweltmeister, konnte in der Folge keine bemerkenswerten Ergebnisse mehr einfahren. Die Brasilianer gewannen zwischen 1958 und 2002 fünf Titel und sind aktuell alleiniger Rekordtitelträger.

„Das kann doch nur ein Tippfehler sein“ – Als England sich gegen die USA blamierte


Die Fußballweltmeisterschaft 1950 in Brasilien hat sich dem deutschen Fußballfan nicht wirklich ins Gedächtnis eingebrannt. Mal abgesehen davon, dass das Turnier bereits 60 Jahre zurückliegt und es kaum Fernsehbilder gibt, war die DFB-Elf aufgrund der FIFA-Sperre nach dem Zweiten Weltkrieg nicht teilnahmeberechtigt. Das Interesse hierzulande war entsprechend gering.

Ganz anders in England: Bei den ersten drei WM-Turnieren (1930, 1934, 1938) hatte der Verband noch darauf verzichtet, eine Mannschaft zu entsenden. Man war der Ansicht, dass kein Turnier gespielt werden müsse, um zu erfahren, dass England die beste Mannschaft der Welt stellt. 1950 ließ sich das Mutterland des Fußballs dann aber tatsächlich dazu herab, dem Rest der Welt einmal zu zeigen, wie man mit der Kugel umgeht. Das Empire erwartete nichts anderes als den Titelgewinn.

Die „Three Lions“ starteten mit einem lockeren 2:0 gegen Chile standesgemäß ins Turnier. Im zweiten Gruppenspiel traf man dann auf das Fußballentwicklungsland USA – und verlor mit 0:1. Doch nicht jeder im Vereinigten Königreich mochte an die Sensation glauben. So kam es, dass einige englische Tageszeitung das korrekte Resultat vermeldeten, andere jedoch von einem 10:1-Sieg frohlockten.

Die Erklärung: In der Prä-TV-Ära hat niemand in Europa das Spiel verfolgen können, und auch die meisten Radiostationen haben darauf verzichtet, Reporter ins ferne Brasilien zu entsenden. So war das Telegramm das schnellste Kommunikationsmittel. Und während die Meldung der 0:1-Pleite der Engländer um die Welt ging, haben nicht wenige Zeitungsmacher das Ergebnis als Tippfehler abgetan und daraus schlicht und einfach einen 10:1-Sieg gemacht. Peinlich, peinlich.

Nebenbei: Die Engländer verloren auch das entscheidende dritte Gruppenspiel gegen die Spanier mit 0:1 und mussten die Heimreise antreten. Dieses Mal hat in England niemand mehr das Ergebnis für einen Tippfehler gehalten…

Oleg Salenko – Tore schützen vor Ausscheiden nicht


Üblicherweise kommt der WM-Torschützenkönig aus einer Mannschaft, die das Halbfinale, vielleicht sogar das Finale erreicht. Die große Ausnahme bildet die WM 1994 in den USA: Am dritten Spieltag der Gruppe B kam es zum Spiel um die „Goldene Ananas“ zwischen den bereits ausgeschiedenen Russen und den Kamerunern. Während die Afrikaner die Sache eher locker angingen, wollten sich die Russen, und insbesondere Oleg Salenko, mit Anstand aus dem Turnier verabschieden.

Der Mittelstürmer, der damals in Diensten des FC Valencia stand, steuerte fünf Tore zum 6:1-Sieg bei. Damit hat er nicht nur häufiger in einem einzigen WM-Spiel getroffen als jeder andere vor ihm, sondern er krönte sich auch mit insgesamt sechs Turniertreffern (Salenko war auch beim 1:3 gegen Schweden in zweiten Gruppenspiel erfolgreich) gemeinsam mit dem Bulgaren Hristo Stoichkov zum Torschützenkönig.

Schießbude Deutschland


Kein Land hat in der WM-Historie so viele Gegentore zugelassen wie die DFB-Auswahl, 112 in 92 Spielen. Dem stehen allerdings auch 190 erzielte Tore gegenüber (nur Brasilien hat mehr). Im Übrigen müssen viele Gegentore nicht automatisch für Misserfolg stehen: 1954 in der Schweiz kassierte die Mannschaft von Sepp Herberger in sechs Spielen 14 Gegentore und wurde trotzdem Weltmeister.

Und dass wenige Gegentore nicht zwangsläufig ein weites Vorstoßen bedeuten, haben die Schweizer 2006 eindrucksvoll bewiesen: Sie blieben 390 Minuten ohne Gegentor (drei Vorrundenspiele plus das Achtelfinalspiel inkl. Verlängerung gegen die Ukraine) und schieden dennoch im Elfmeterschießen gegen die Osteuropäer aus.

Weitere Kuriositäten gibt es im zweiten Teil.

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