netzathlet Christian Heger blogt – Tag der Entscheidung Christian Heger

netzathlet Christian Heger blogt – Tag der Entscheidung

  • Nils Borgstedt
Am vergangenen Wochenende fand der diesjährige Ironman Hawaii statt. netzathlet Christian Heger am Start und blogt auf netzathleten.de. Hier sein vierter Bericht. Dieses Mal: Der Tag der Entscheidung.

Race Day 13.10.2012
02:45 Uhr mein Renntag beginnt. Frühstück wie immer: Toast mit Honig dazu einen Tee. Dann noch Getränke mixen und die Trinkflaschen auffüllen.

Um 04:35 Uhr fahren wir mit dem Auto gen Kona. Es ist noch stockdunkel.
Als erstes das Body Marking auf dem Programm. Man bekommt dabei mit einem Zahlenstempel seine Startnummer auf die Oberarme „tätowiert“. Dann geht es zum Wiegen. Nein wir sind nicht beim Boxen, doch das gehört auch hier zum Programm.
Danach geht es endlich in die Wechselzone. Hier wird nun alles gerichtet. 8,5 bar Luft in die Reifen, Getränke in die Flaschenhalter und Powerbar Riegel an den Rahmen. Ich unterhalte mich mit meinen Nebenleuten und wir stimmen uns auf das Rennen ein.

Um 06:35 Uhr, nach dem Start der Damenprofis, begebe ich mich in Richtung Wasser. Dieses ist heute leider etwas unruhiger als die letzten Tage. Ich schwimme in Richtung Startlinie. Das ist ein sehr emotionaler Moment. Oft habe ich den Ironman auf Hawaii über den Live Ticker verfolgt und nun bin ich mittendrin.

Um 07:00 kommt der Startschuss aus der Kanone und es geht endlich los. Mein Schwimmen ist ok nach 1:15h komme ich aus dem Wasser. Nun ab aufs Rad und Gas geben. Am Anfang funktioniert das auch sehr gut. Auf dem Weg zum Wendepunkt in Hawi kommt dann aber der Wind. 10 Meilen vor der Wende fahre ich nur noch knapp über 20kmh und der Wind bläst ordentlich.
Der Rückweg von Hawi ist dafür ein Traum. Mit starkem Rückenwind fliege ich die Straße entlang und der Tacho klettert teilweise auf knapp 60kmh.

Doch schon bei Kilometer 110 ist der Spaß wieder vorbei. Ich bin wieder auf dem Kueen-K Highway und habe leider Gegenwind. Zum Glück habe ich noch Power in den Beinen, so kann ich noch viele Athleten überholen. Der Schnitt geht dennoch den Bach runter. Bei Kilometer 140 kommt es an einer Verpflegungsstation zu einer ganz heiklen Situation. Wir fahren zu dritt nebeneinander und der Athlet rechts von mir zieht immer weiter rüber. Ich kann nicht mehr ausweichen und er fährt mir hinten ins Rad. Zum Glück kann ich mich auf meinem Rad halten, doch er stürzt. Dies ist natürlich alles andere als schön, aber solche Dinge passieren leider. Ich komme noch einmal mit dem Schrecken davon und kann unbeschadet weiterfahren.

Nach 5:17 Stunden Fahrtzeit erreiche ich wieder die Wechselzone und schnüre nun meine Laufschuhe. Ab geht es, raus auf den Alii Drive. Die Sonne brennt vom Himmel und jede Abkühlung durch kaltes Wasser, Eis etc. sehne ich herbei. Ich komme gut ins Laufen und meine Aufholjagd geht weiter. Nach drei Kilometern sehe ich meine Eltern am Streckenrand. Dies motiviert natürlich zusätzlich. Nach dem Wendepunkt bei Kilometer Acht geht es wieder zurück. Nochmal an meinen Eltern vorbei und dann die Palani Road hoch wieder auf den Highway, nur diesmal zu Fuß.

Es wartet der härteste Teil der Laufstrecke. Laufen auf dem Highway durch die Lavafelder bis zum Energy Lab. Hier, zwischen Kilometer 22 und 29 kommt auch meine Schwächephase. Ich werde langsamer und die 3-Stunden-Marke werde ich am heutigen Tage auch nicht knacken. Dies ist jedoch unter diesen Bedingungen auch keine Schande…

Bei Kilometer 29 nehme ich den Beutel mit Eigenverpflegung auf. Dieser beinhaltet einen Spezialdrink und die schon erwähnten Powerbar Cola Fruchtgummis mit Gelkern. Sie scheinen Wunder zu wirken und ab Kilometer 30 bekomme ich die zweite Luft. Ich kann nochmal ordentlich auf‘s Tempo drücken. Die letzten Kilometer fühlen sich richtig gut an. Es macht Spaß einen nach dem anderen zu überholen. :-)

Nach 3:13 Stunden ist mein Marathon nun auch geschafft und ich biege auf die Zielgerade ein. Diese letzten Meter genieße ich in vollen Zügen. Nach 9:52 Stunden überquere ich die magischste aller Finish Lines im Triathlon und höre die magischen Worte der einzigartigen Stimme des Kommentators: „Christian you are an IRONMAN!!!“ YESSSSSSS!

Ich bin überglücklich und stolz über dieses Finish. Ich habe mir heute wirklich einen Lebenstraum erfüllt! All die Strapazen sind vergessen und nun heißt es einfach genießen. Ich hole mir meine Medaille und mein Finisher-Shirt ab, gehe zur Massage und nehme die „gesunde“ After Race Verpflegung mit Cola, Pizza und Sandwiches zu mir! :-)

Gegen 18 Uhr treffe ich meine Eltern. Diese sind ebenfalls überglücklich und stolz wie Oscar!
Um 19 Uhr machen wir uns auf den Heimweg ins Appartement, doch vorher noch einen Stopp beim Supermarkt. Ich brauche jetzt erst einmal ein Bier mit Alkohol und Icecream!!!

Um 22:30 geht‘s noch einmal an die Finish Line zur bekannten Finish Line Party. Hier feuern wir die letzten Finisher an, welche bis Mitternacht ins Ziel kommen. Die Stimmung ist grandios und es ist der perfekte Abschluss eines Tages, den ich nie in meinem Leben vergessen werde.

Erst gegen 01:30 Uhr schlafe ich dann glücklich und zufrieden ein.
Mahalo Euer IRONMAN Christian

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