Sporthelden: Iron Maik – Triathlon mit Damenrad Maik Reichelt

Sporthelden: Iron Maik – Triathlon mit Damenrad

  • Christian Riedel
Für ihre Ausrüstung geben Triathleten jedes Jahr tausende Euro aus. Ein gutes Rad ist die Voraussetzung, um beim Triathlon erfolgreich zu sein. Da wirkt es fast absurd, dass Triathlon-Profi Maik Reichelt beim Langdistanz-Triathlon in Roth 2009 mit einem Damenrad an den Start ging.

Maik Reichelt ist nicht unbedingt einer der Top-Stars unter den Langdistanz-Triathleten. Um dennoch für Aufmerksamkeit zu sorgen, muss man sich eben etwas einfallen lassen. Reichelt hat das geschafft. Beim Challenge in Niederbronn in Frankreich lernte er Felix Walchshöfer kennen, den Veranstalter des Triathlons in Roth. Bei einem gemeinsamen Spaziergang mit Walchshöfer und Steffen „Magic“ Meyer entdeckte er ein altes, schrottreifes Damenrad. „Damit müsste man mal bei einer Langdistanz starten“, war Reichelts Idee, die bei Walchshöfer auf offene Ohren stieß. Als zusätzlichen Anreiz stellte Walchshöfer für Reichelt ein lebenslanges, kostenloses Startrecht beim Triathlon in Roth in Aussicht.

180km ohne Training auf dem Damenrad


Das schrottreife Damenrad Marke „Topmodel“ wurde mit neuen Bremsen, Kette und Reifen ausgestattet und bei „Magic“ Meyer in Crailsheim untergestellt. Da Reichelt aber in Hamburg wohnte, hatte er keine Chance, auch nur einen Kilometer auf seinem „neuen“ Bike zu trainieren. Entsprechend nervös ging er an den Start, weil er nicht wusste, ob es überhaupt möglich ist, 180km auf so einem Rad in der erlaubten Zeit zu schaffen. Auch die Meinung seiner Kollegen gab nicht gerade Mut: „Maik, das schaffst Du doch nie! Das Rad ist total alt, kein bisschen aerodynamisch und auch viel zu klein, nach spätestens 40 Kilometern wird Dir alles wehtun!“, waren die häufigsten Kommentare. Zumindest die Aufmerksamkeit seiner Konkurrenten hatte Reichelt aber am Start auf jeden Fall. Und auch die Kampfrichter hatten nach intensiver Prüfung an dem unkonventionellen Gefährt nichts auszusetzen.

Triathlon mit Fahrradkorb und Piratenflagge


Die 3,8km Schwimmdistanz legte Reichelt in 1:08h zurück, obwohl er den Startschuss verpasste, da er etwas zu lange auf der Toilette benötigte. Unter dem Jubel der Zuschauer stieg er beim ersten Wechsel auf sein himmelblaues Damenrad, an dem vorne ein Fahrradkorb und eine Piratenflagge montiert waren. Die Begeisterung der Zuschauer war so groß, dass Reichelt euphorisch auf den ersten 10km einen Schnitt von 33km/h fuhr und dabei so manchen Konkurrenten auf seinem mehreren tausend Euro teuren Profirad überholte. Das nicht gerade aerodynamische Gefährt war dabei aber nicht das einzige Hindernis. So wollten einige Kampfrichter Reichelt schon von der Strecke jagen, da sie ihn mit seinem Damenrad nicht als offiziellen Teilnehmer erkannten. Doch die Startnummer überzeugte sie schließlich.

Bier und Würstchen als Wettkampfverpflegung


Da es für Maik in dem Wettkampf „nur“ ums Ankommen ging, konnte er sich auch die Zeit nehmen, sich von einigen Zuschauern auf ein gegrilltes Würstchen und ein Bier einladen zu lassen. Doch wie zu erwarten war, musste Reichelt seinem eigentlich zu kleinen Damenrad irgendwann Tribut zollen. Nach Kilometer 120 hatte er mit großen Knieschmerzen zu kämpfen und musste das Tempo deutlich reduzieren. Dennoch behielt er seine gute Stimmung. Er stellte seinen Dynamo an und überholte ein paar Radfahrer. Zu den Knie- gesellten sich ab Kilometer 150 noch Magenprobleme – zwei Liter Bier und vier Würstchen sind eben keine angemessene Wettkampfverpflegung.

Einbeinig in die Wechselzone


Die Knieprobleme wurden links am Ende so stark, dass Reichelt teilweise nur noch mit einem Bein treten konnte. Bei einigen Teilnehmern muss das für Verwirrung gesorgt haben. „Was für ein Freak! Jetzt fährt er nicht nur mit einem Schrottrad, sondern auch noch nur mit einem Bein!“ Trotz Knieproblemen erreichte er die Wechselzone und nahm den abschließenden Marathon in Angriff. Da die Schmerzen in den Beinen mittlerweile noch einmal zugenommen hatten, musste Reichelt einige Gehpausen einlegen. Diese nutzte er, um sich an einem „Verpflegungsstand“ wieder mit Bier und Würstchen zu stärken. Die gaben ihm dann auch die Kraft, um letztendlich nach 14 Stunden und 10 Minuten das Ziel zu erreichen. Dort konnte er nicht nur den Jubel der Zuschauer genießen, sondern auch die Glückwünsche von Top-Athleten, wie Chrissie Wellington, in Empfang nehmen. „Ich kann nur jedem empfehlen, auch mal so eine Fahrt zu machen, es ist einfach eine tolle Erfahrung“, meint Maik auf seiner Seite.

Und auch wenn die Zeit nicht gerade für eine Top-Platzierung gereicht hat, einen Platz in den Annalen beim Triathlon in Roth hat „Iron“ Maik Reichelt in jedem Fall sicher.

www.maik-reichelt.de

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