Laufkolumne zum München Marathon: Solang der alte Peter … runabout München Marathon GmbH

Laufkolumne zum München Marathon: Solang der alte Peter …

  • Peter Maisenbacher
Der heiße Laufherbst hat begonnen, mit seinen Marathonhöhepunkten in Berlin, Köln und München. Als Münchner Kindl schlägt das Sportlerherz unseres Kolumnisten Peter Maisenbacher vor allem für seine Heimatstadt München, auch wenn er das schwer bewegliche Gemüt ihrer Menschen allzu gut kennt.
Der Münchner an und für sich sei gemütlich. Heißt es. Vielleicht liegt es ja an dieser viel besungenen „Gmiatlichkeit“, dass der Münchner zwar sein Oktoberfest gar nie nicht versäumen würde (und sei der Maß-Preis noch so hoch), aber ansonsten im Oktober höchstens noch ins Fußballstadion geht. Ihn in dieser Zeit an die Strecke eines Marathons zu locken, ist eine große Herausforderung.

Dieser stellt sich seit mittlerweile 15 Jahren Organisationsleiter Gernot Weigl. Erst hauchte er dem 1995 eingestellten Marathon im Jahrtausendjahr wieder Leben ein. Die Premiere war fulminant, unvergessen sein Endspurt mit dem Sieger Michael Kite, der bis heute den Streckenrekord von 2:09:46 Stunden hält. Doch die Münchner blieben, sieht man mal von den Stimmungspunkten Marienplatz, Ludwig- und Leopoldstraße ab, weitgehend dahoam. Ganz anders die Kölner, Hamburger und Berliner, die einfach dort an die Strecke gehen, wo sie wohnen, und ihren Marathon feiern. Der Münchner ist ein Herdentier: Er geht dorthin, wo eh schon was los ist.

©runabout München Marathon GmbH

Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer Großveranstaltung gelang Weigl, als er mit seinem „Baby“ (O-Ton Weigl) für den Zieleinlauf in das Olympiastadion einzog. Mit dem historischen Ort verbinden Sportler wie Fans die heiteren Spiele von 1972. Und dieses Jahr, bei der insgesamt 30. Auflage des München Marathons, kehrt der Start zu seinen Anfängen zurück, mitten in den Olympiapark auf den Coubertinplatz. Und Traditionen liebt der Münchner.

Das sieht man auch zu Beginn des Marathonwochenendes beim Trachtenlauf. Bunte Dirndl, Karohemden und Lederhosen dominieren das Bild, aber auch Teilnehmer in griechischer Tracht, japanischen Kimonos, Schweizer Kuhkostümen, bunten Glitzerhüten und sogar ein arabischer Scheich sind dabei. Der Trachtenlauf trifft in das Herz der Münchner. Einer, der das beurteilen kann, ist der Münchner Postbote Fredl Brechlmacher, der in diesem Jahr beim Jubiläumsmarathon zum 30. Mal teilnimmt. „Mit Traditionen soll man nicht brechen“, weiß Brechlmacher, „der München Marathon gehört in den Terminkalender wie Weihnachten“.

Und deshalb setzt Gernot Weigl auf das Bewährte, überfordert den Münchner nicht mit schnellen Veränderungen. Ganz wie es die inoffizielle Stadthymne besingt: „Solang der Alte Peter am Petersbergl steht, solang die grüne Isar durchs Münchner Stadterl geht, solang da drunt am Platzl noch steht das Hofbräuhaus, solang stirbt die Gemütlichkeit bei de Münchner niemals aus!“

Unser Kolumnist

Peter Maisenbacher ist als Moderator bei unzähligen Laufevents dabei, u.a. bei den großen Marathons in München und Berlin, hautnah dran am Läufergeschehen und auf Du und Du mit den Top-Athleten wie den Breitensportlern. Den Laufkalender dieses Jahres peppt er mit einer regelmäßigen Kolumne und dem dazugehörigen Blick hinter die Kulissen auf. Selbstverständlich immer mit einem kleinen Augenzwinkern!

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