Interview mit Rafael Fuchsgruber zum Ultra Africa Race Rafael Fuchsgruber

Interview mit Rafael Fuchsgruber zum Ultra Africa Race

  • Nils Borgstedt
Rafael Fuchsgruber startet im November erneut bei einem Ultralauf. Das Ultra Africa Race wird 2012 zum ersten Mal ausgetragen. netzathleten.de sprach mit dem passionierten Läufer über die Strecke, seine Motivation und seine Favoritenstellung.

netzathleten: Rafael, neuer Lauf, neues Terrain, neues Land – was erwartest du als erfahrener Ultraläufer vom Ultra Africa Race?
Rafael Fuchsgruber: Das UAR wird eher ein Abenteuerlauf über 200 Kilometer in fünf Etappen (48/42/49/42/19km). Das Format klingt zunächst einfach. Aber die Temperaturen werden nachts bei knapp 30 und tagsüber bei 40 Grad liegen. Da wird das Schlafen echt zur Qual. Aber es gibt auch tolle Aussichten. Bei der Libyan Challenge 2008 war ich in der Sahara 200 Kilometer nonstop unterwegs. Der Abstand zu den nächsten Läufern vor mir betrug drei Stunden und die nächsten nach mir im Ziel waren zwei Stunden entfernt. Diese Form des alleine Laufens liebe ich außerordentlich.

netzathleten: Was hat dich dazu bewogen, daran teilzunehmen?
Rafael Fuchsgruber: Nach meinem zweiten Platz in Jordanien im Mai hatte ich eine schöne lange Pause. Genüsslich habe ich erstmal wieder Gewicht gemacht. Das war die Zeit, in der meine zweijährige Tochter ihre Süßigkeiten mit dem Hinweis „ meins!“ in Sicherheit brachte. Bald wurde ich aber unruhig. Ich liebe es einen Plan zu haben und spielte mit dem Gedanken meine Bestzeit im Marathon nochmal anzugreifen. Beim Training dafür wurde es mir aber schnell langweilig. Während dieser Phase kontaktierte mich Jérôme Lollier, der Veranstalter des UAR. Er gab mir zu verstehen, dass er mich bei dieser Erstausgabe im Norden Kameruns sehr gerne dabei hätte. Zuerst war ich etwas skeptisch. Premieren beinhalten ein gewisses Risiko in der Logistik. Anderseits bekam ich sehr gutes Feedback von Freunden, die bereits bei anderen Veranstaltungen von Jérôme gestartet waren, zum Beispiel beim Ultra India Race oder The Track Outback Race in Australien. Nach einigen Gesprächen gefiel mir der Gedanke des kleinen Läuferteams und die Aussicht „ alleine“ im Herzen Afrikas laufen zu können immer besser und schließlich einigten wir uns.

netzathleten: Da das Teilnehmerfeld relativ klein sein wird, etwa 20 Läufer, kann es leicht passieren, dass man alleine in der Wildnis unterwegs ist. Auch, wenn die das alleine Laufen reizt. Sorgen?
Rafael Fuchsgruber: Es gibt im Norden Kameruns zwischen Nigeria und dem Tschad noch verhältnismäßig viele wilde Tiere. Elefanten, Leoparden, Affen und knapp zehn giftige Schlangenarten. Wobei ich giftige Schlangen auf der Strecke oder im Lager bei meinen diversen Wüstenläufen bereits erleben „durfte“. Auf meine Frage an den Teamdoc in Jordanien nach der Giftigkeit der anwesenden Schlange im Camp kam nur die knappe Antwort: „no chance“. Ich denke Jérôme wird uns so führen, dass wir außer Schlangen keinen gefährlichen Tieren begegnen – schlechte Promotion will kein Veranstalter haben.

netzathleten: Wie bereitest du dich auf die dir unbekannte Strecke vor? Hast du schon Streckeninformationen, welche die härteste Etappe sein wird, etc.?
Rafael Fuchsgruber: Infos gibt es wenig – Abenteuerlauf! Der schwierigste Tag ist immer der Erste. Den Weg ins Rennen zu finden – und das zum Start mit 48km – wird ganz entscheidend sein für den weiteren Verlauf der Woche.

netzathleten: Wie hast du deine Renneinteilung bisher geplant?
Rafael Fuchsgruber: Zum Thema Renneinteilung mache ich mir vorher keine Gedanken mehr. Ich muss aufpassen, dass ich es am ersten Tag nicht überziehe. Ansonsten habe ich mein Tempo und laufe den ganzen Tag hart am Limit. Wenn ich sehe, dass nach hinten viel Luft ist, besteht immer noch die Möglichkeit die Strecke ein wenig zu verbummeln.

netzathleten: Du gehörst sicherlich zu den Favoriten. Wäre alles andere als ein Sieg eine Enttäuschung für dich?
Rafael Fuchsgruber: Als ich mich im September angemeldet habe, war ich in der Favoritenrolle. Aber kurz danach kam Toni Vencelj auf die Liste und hat nun diesen Job übernommen. Er ist Profiläufer, slowenischer Meister im Marathon, Vizeweltmeister im Berglauf. Ich bin Amateur, beruflich stark eingebunden als Chef einer Veranstaltungsagentur. Und selbst wenn das nicht so wäre, könnte ich in dieser Liga nicht mitspielen. Unter uns: ich habe es doch ganz entspannt. Mit Anfang 50 muss ich keine Rennen gewinnen – Betonung auf „muss“.

Neben Toni werden sechs Läufer aus Kamerun starten, von denen der Veranstalter sagt, dass einige exzellent sind. Das freut mich sehr; macht aber die Einschätzung, ob es zum dritten Mal für`s Podest reichen wird, schwer.

Zudem läuft die Vorbereitung nicht optimal. Das Training für den letzten Lauf in Jordanien war straight, diesmal ist es eher diagonal. Bedingt durch die vielen Impfungen für Afrika und die Tatsache, dass meine Tochter jetzt im Kindergarten ist und jede Woche eine neue Infektion anschleppt, ergibt sich ein ziemliches Defizit beim Training. Anders ist es mir auch lieber, aber schlecht vorbereitet an den Start gehen, beinhaltet trotzdem die Möglichkeit zu zeigen, was man kann.

Mein Fazit lautet also: Wenn alles klappt, werde ich Mitten in Afrika mutterseelenallein durch die Savanne laufen. Im Moment kann ich mir nichts Großartigeres vorstellen.

netzathleten: Vielen Dank für das nette Interview und viel Erfolg beim Rennen.

Infos zum Rennen gibt es unter: www.canal-aventure.com

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