Wie (un-)gesund sind Multivitaminpräparate? Mizianitka auf Pixabay
Was sagt die Wissenschaft

Wie (un-)gesund sind Multivitaminpräparate?

  • Prof. Dr. Curt Diehm
Vitamine sind gesund. Gerade in Pandemie-Zeiten denken viele, sie müssten ihrem Körper mit Multivitaminpräparaten zusätzlich etwas Gutes tun. Manche glauben sogar an einen zusätzlichen Schutz. Was ist dran? Informationen rund um den menschlichen Körper und die Gesundheit – erklärt von Prof. Dr. Curt Diehm.
Multivitaminpräparate zählen zu den beliebtesten Nahrungsergänzungsmitteln in Deutschland. Seriöse Schätzungen gehen davon aus, dass sie von bis zu einem Drittel der erwachsenen Bevölkerung mehr oder weniger regelmäßig eingenommen werden.

Kein Wunder, gelten Vitamine doch erstmal grundsätzlich als gesund. Viele glauben also, sich mit einer Pille einen zusätzlichen Gesundheitsschub zu „erkaufen“, damit eventuell einen ungesunden Lebensstil kompensieren zu können oder in Pandemie-Zeiten sogar einen zusätzlichen Schutz vor Infektion zu erhalten.
Nicht nur das Letztgenannte, auch alles andere ist natürlich völliger Unsinn.

Was sagt die Wissenschaft

In den Medien wird immer wieder darüber berichtet, dass Multivitaminpräparate angeblich vor schweren Erkrankungen schützen könnten. Ihnen wird eine präventive Wirkung in Bezug auf nahezu jede Volkskrankheit zugeschrieben. Von Herzinfarkt und Schlaganfall über Hypertonie und Herzinsuffizienz bis hin zu Diabetes und Krebs.

Allerdings gibt es bis heute keine einzige seriöse Studie, die das nachhaltig belegt. Zumindest ist mir persönlich keine bekannt. Die zahllosen Untersuchungen, die sich bereits mit diesem Thema beschäftigt haben, berücksichtigen oft nicht die entscheidenden zusätzlichen Faktoren – wie beispielsweise den Lebensstil. Sie kommen zu widersprüchlichen Resultaten oder entpuppen sich bei genauerem Hinsehen als „Tierversuche“.

Richtig ist …

Vitamine und Mineralstoffe sind lebenswichtig und tragen ganz wesentlich zum Wohlbefinden bei. Nahrungsergänzungsmittel und natürlich auch Multivitaminpräparate können Menschen helfen, ihre Ernährung sinnvoll zu ergänzen. Insbesondere, wenn sie sich aus verschiedenen Gründen über einen längeren Zeitraum nicht ausgewogen ernähren können oder einen erhöhten Bedarf haben. Das gilt so beispielsweise häufig für ältere Menschen, aber auch für Schwangere, während einer Diät, sowie im Falle einer veganen oder vegetarischen Ernährung.

Sehr aktive (Freizeit-) Sportler können ebenfalls einen erhöhten Bedarf haben, genauso wie er während einer den Körper belastenden medikamentösen Therapie oder bei psychischen Belastungen auftreten kann.

Von einem „Gießkannenprinzip“ halte ich jedoch überhaupt nichts. Auch, wenn die bei uns verkauften Multivitaminpräparaten keine gefährlichen Überdosierungen enthalten. Schon gar nicht können Sie damit einen ansonsten ungesunden Lebensstil kompensieren.

Mein Rat: Ernähren Sie sich gesund, natürlich und ausgewogen. Dann brauchen Sie auch keine Nahrungsergänzungsmittel. Und sollte das einmal nicht möglich sein oder Sie das Gefühl haben, „in ihrem Körper stimmt etwas nicht“, dann greifen Sie bitte nicht einfach zu irgendeiner Pille, sondern reden Sie mit Ihrem Arzt darüber. Er kann in Regel schnell und einfach feststellen, ob Ihrem Körper wirklich „etwas fehlt“ und Ihnen dann zielgerichtet Tipps für eine eventuelle Kompensation geben.

Über den Autor
Prof. Dr. med. Curt Diehm zählt zu den führenden Medizinern im Südwesten Deutschlands, er ist Autor zahlreicher Fach- und Patientenbücher und langjähriger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gefäßmedizin. Seit Mitte 2014 leitet er als Ärztlicher Direktor die renommierte Max Grundig Klinik in Bühl. Alle Beiträge dieser Serie zum Nachlesen unter www.max-grundig-klinik.de.

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