Vitaminschock – Können Vitamine das Training behindern thinkstockphotos.de

Vitaminschock – Können Vitamine das Training behindern

  • Christian Riedel
Um gesund zu bleiben oder auch den Trainingseffekt zu verbessern, nehmen viele Sportler Vitaminpräparate ein. Glaubt man einer norwegischen Studie, sollte man das besser bleiben lassen. Denn möglicherweise könnten Vitaminpräparate die Trainingsergebnisse verschlechtern.

Vitamine halten uns – vereinfacht gesagt – nicht nur gesund, sie können auch den Trainingseffekt verbessern. Genauer gesagt sind dafür die Vitamine E und C der verantwortlich, da sie antioxidativ wirken und die Mitochondrien, die Kraftwerke der Zellen, vor freien Radikalen schützen. Denn ein Effekt des Trainings ist, dass mehr Mitochondrien in den Muskelzellen gebildet werden. Hier wird das ATP gebildet, das für die Verbrennung in den Muskeln benötigt wird. Je mehr Mitochondrien, desto mehr Energie steht den Muskeln zur Verfügung.

Freie Radikale können möglicherweise dafür sorgen, dass sich Mitochondrien nicht teilen und so auf den gesteigerten Energiebedarf durch das Training entsprechend reagieren. Bei zu vielen freien Radikalen verpufft das Training mehr oder weniger. Daher sollten Sportler auf einen ausreichenden Anteil an Vitamin C und E in der Ernährung legen. Diesen Bedarf können sie aber allem Anschein nach nicht mit Vitaminpräparaten decken. So lautet das zusammengefasste Ergebnis einer Studie an der Sporthochschule in Oslo, die im Journal of Physiology (2014; doi: 10.1113/jphysiol.2013.267419) veröffentlicht wurde.

Insgesamt nahmen 54 Männer und Frauen an der Studie teil. Sie absolvierten drei- bis viermal in der Woche ein typisches Ausdauertrainingsprogramm, bei dem sie auch immer wieder an ihre körperlichen Grenzen gingen. Dadurch konnten sie im Untersuchungszeitraum ihre maximale Sauerstoffaufnahme (VO2 max) verbessern, die bei der Ausdauerleistung eine wichtige Rolle spielt. Während der Untersuchung bekamen die Studenten entweder hochdosierte Vitaminpräparate (täglich 1.000 mg Vitamin C plus 235 mg Vitamin E) oder ein entsprechendes Placebo. Bei der Verbesserung der VO2 max spielte es allerdings keine Rolle, ob die Probanden nun das Placebo oder die Vitamine einnahmen.

Bei einer Biopsie des äußeren Oberschenkelmuskels (m. vastus lateralis) stellten die Forscher zu ihrer Überraschung fest, dass bestimmte Mitochondrienmarker (COX4 und PGC-1alpha) nur bei der Placebo-Gruppe gesteigert wurden. Auch entsprechende Steuerproteine waren bei der Vitamin-Gruppe nicht vermehrt worden. Eher war das Gegenteil der Fall. Man kann also davon ausgehen, dass das Vitaminpräparat keine positiven Auswirkungen auf Ausdauertraining hat. Möglicherweise ist sogar das Gegenteil der Fall. Bis die Forscher nun eine genaue Antwort auf diese Frage gefunden haben, raten die Sportwissenschaftler dazu, auf zusätzliche Vitamine besser zu verzichten oder sie zumindest mit Zurückhaltung einzusetzen.

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