Augen auf – E-Books stören den Schlaf thinkstockphotos.de

Augen auf – E-Books stören den Schlaf

  • Christian Riedel
Immer mehr Menschen lesen ihre Bücher auf ihrem E-Book oder dem Tablet-PC. Das ist zwar einfacher, doch wie US-Forscher herausgefunden haben, kann das Licht der elektronischen Geräte unseren Schlafrhythmus gehörig durcheinander bringen.

Wenn man abends keine Ruhe findet, greift man gerne einmal zum Buch, um sich in den Schlaf zu lesen. Das klappt auch ganz gut. Allerdings sollte es tatsächlich ein richtiges Buch sein und kein E-Book-Reader oder Tablet-PC. Das Licht dieser elektronischen Geräte enthält nämlich einen höheren Blau-Anteil und stört daher unseren Wach-Rhythmus. So ist es kein Wunder, dass man Probleme beim Einschlafen bekommt, denn blaues Licht kann unseren Hormonhaushalt empfindlich stören.

Wie Wissenschaftler der der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften (PNAS) berichten, schaltet die innere Uhr erst 1,5 Stunden später in den Schlafmodus, wenn man vier Stunden am E-Book-Reader gelesen oder aufs Tablet geschaut hat. Das liegt am Hormon Melatonin, das den Schlaf reguliert. Auch schweizer Forscher der Uni Basel kamen zu einem ähnlichen Ergebnis.

Acht Stunden Ruhe


Bei ihrer entsprechenden Untersuchung mussten zwölf gesunde Frauen und Männer an fünf Abenden hintereinander vor der Schlafenszeit entweder im E-Book-Reader oder ein normales Buch lesen. Die eine Hälfte begann mit dem elektronischen Buch, die anderen mit dem aus Papier. Zwischen den beiden Durchgängen legten sie eine zweitägige Studienpause ein. Anschließend wurden die Bücher getauscht. An jedem Abend lasen sie vier Stunden, bevor um 22Uhr das Licht ausgeschaltet wurde. Geweckt wurden sie um sechs Uhr morgens.

Die entsprechenden Messungen ergaben, dass die Testpersonen mit dem E-Book zehn Minuten später einschliefen als beim normalen Buch. Zudem war die REM-Phase, also die Tiefschlafphase, zwölf Minuten kürzer. Der Schlaf war also kürzer und weniger erholsam, wenn die Probanden vorher im elektronischen Buch gelesen hatten. Auffallend war noch, dass die Melatonin-Ausschüttung um 55 Prozent verringert war.

Weniger Schlaf, weniger Ruhe


Problematisch war nach der fünften Nacht, dass der komplette Schlaf-Wach-Rhythmus um 1,5 Stunden nach hinten verschoben war. Dies konnten die Forscher anhand der Melotonin-Kurve feststellen. Daher waren die Probanden während der E-Book-Phase um 22Uhr deutlich weniger müde als die Buch-Gruppe.

Problematisch ist das blaue Licht in den E-Books, Tablets, Computern und Fernsehern aber nicht nur wegen des gestörten Schlafrhythmus. Es gibt Anzeichen, dass eine verringerte Melatoninproduktion im Körper das Risiko bestimmter Krebsarten wie Darm-, Brust oder Prostatakrebs erhöht. Nach Angaben der Forscher haben verschiedene von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) anerkannte Studien bereits erwiesen.

Nun muss man sagen, dass zum einen die Testgruppe extrem klein war und man deswegen mit einem grundlegenden Fazit vorsichtig sein muss. Zudem war nach Angaben der Forscher bei den elektronischen Geräten die Helligkeit auf Maximum gestellt, während das Lesen der Bücher bei schwachem Licht stattfand. Dennoch sollte man vorsichtig sein. Und wenn man häufig mit Schlafproblemen zu kämpfen hat, eben wieder auf das altbewährte Buch zurückgreifen. Einen Versuch ist es in jedem Fall wert.

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