Schutz vor Verletzungen – Krafttraining ist besser als Dehnen thinkstockphotos.de

Schutz vor Verletzungen – Krafttraining ist besser als Dehnen

  • Christian Riedel
Früher hieß es, man solle alle Muskeln gut dehnen, um sich vor Verletzungen zu schützen. Heute weiß man, dass intensives Dehnen nicht unbedingt zur Verletzungsprophylaxe beiträgt. Es gibt aber eine einfache Möglichkeit, Knochen, Sehnen, Bänder und Muskeln zu schützen: Krafttraining.

Immer noch verzichten viele Sportler darauf, Krafttraining zu machen. Gerade bei Sportarten wie Laufen oder Radfahren, bei denen auch das Gewicht des Athleten eine Rolle spielt, haben die Sportler Angst, dass mehr Muskeln langsamer machen. Bei anderen Disziplinen glaubt man, dass Krafttraining nicht notwendig ist. Aber auch wenn mehr Muskeln nicht unbedingt die Leistung verbessern, sind sie trotzdem der beste Schutz vor Verletzungen.

Wie dänische Forscher behaupten, kann man durch Krafttraining die Zahl der Sportverletzungen auf rund ein Drittel und die Zahl der Überlastungsschäden auf die Hälfte reduzieren. Beim Dehnen oder Stretching fanden sie dagegen keine positiven Auswirkungen auf das Verletzungsrisiko. Daher raten die dänischen Forscher um Jeppe Lauersen vom Institut für Sportmedizin in Kopenhagen und Kollegen, besonders bei verletzungsanfälligen Sportarten wie Fußball, Handball oder Basketball den Sportlern zu Krafttraining (Br J Sports Med 2014; 48: 871-877).

Insgesamt analysierten die Sportmediziner 25 Studien mit 26.610 Teilnehmern, die regelmäßig Ballsportarten wie Fußball, Handball oder Basketball betrieben. Bei der Analyse der Studie verglichen sie die Verletzungsquote bei Sportlern, die zusätzliches Krafttraining, Stretching, Propriozeptionstraining oder Kombinationstraining absolvierten, mit der Quote von Sportlern, die nur ihre Sportart ausübten.

Schutz vor Verletzungen


Im Rahmen der Studien fanden die Forscher 3.464 Verletzungen. In drei Studien, die sich mit der Verletzungsprophylaxe von Dehnen beschäftigten, fanden sie keine positiven Auswirkungen des Stretchings. In vier Studien, die sich mit zusätzlichem Krafttraining befassten, war das relative Verletzungsrisiko dagegen um 68 Prozent niedriger als bei einer Kontrollgruppe. Auf Platz zwei der Verletzungsprophylaxe folgte Propriozeptionstraining mit einem um 55 Prozent geringerem relativen Risiko. Ein Kombinationstraining reduziert das relative Verletzungsrisiko dabei um rund 66 Prozent.

Schutz vor Überlastungen


Auch bei den Überlastungen fanden die Forscher mehr als Hinweise, dass die Sportler durch zusätzlliches Krafttraining besser geschützt waren. So reduzierte sich das relative Risiko bei zusätzlichem Krafttraining um 35 Prozent. Zudem traten 47 Prozent weniger Überlastungsschäden auf.

Entsprechend deutlich war auch das Fazit der dänischen Wissenschaftler. Sie raten dazu, sich mit entsprechendem Krafttraining vor Verletzungen zu schützen. Wobei aus der Studie leider nicht hervorgeht, welche Übungen absolviert werden können bzw. welche Muskelgruppen in welcher Sportart besonders gestärkt werden sollten. Man kann aber davon ausgehen, dass kräftige Muskeln den Bewegungsapparat besser stützen, sodass dieser auch bei unerwarteten Belastungen, wie sie eben bei Mannschaftssportarten oft passieren können, vor Verletzungen geschützt ist.

Hier geht´s zur Studie

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