Kati Witt über die Integrationskraft des Sports GES - Sportfoto / Mercedes Benz

Kati Witt über die Integrationskraft des Sports

Am Rande der Laureus World Sport Awards in Monaco sprachen wir mit Doppel-Olympiasiegerin und Laureus-Akademiemitglied Katharina Witt darüber, wie politisch Sport sein darf und was Laureus-Preisträger wie Usain Bolt für die Auszeichnung mitbringen müssen.
Katharina, Du warst im Jahr 2000 schon mit dabei, als die Laureus Stiftung hier in Monaco aus der Taufe gehoben wurde. Mit welchen Gefühlen bist Du jetzt hierher zurückgekehrt?

Katharina Witt: Zunächst einmal finde ich es eine tolle Idee, die Laureus World Sport Awards wieder nach Monaco zu bringen. Es ist unglaublich, was sich seit damals getan hat, wie viele Projekte und damit benachteiligte Kinder inzwischen von Laureus weltweit gefördert werden. Natürlich wollten wir jährlich auch die besten Sportler ehren, so wie jetzt in Monaco. Aber das Hauptziel war tatsächlich, etwas an die Jugend der Welt zurückzugeben. Viele ehrenamtliche Helfer und prominente Sportbotschafter haben dazu beigetragen, dass Laureus so erfolgreich wurde. Und wie Recht Nelson Mandela im Jahr 2000 doch hatte, als genau an dieser Stelle sagte: „Sport hat die Kraft, die Welt zu verändern.“ Ich selbst habe das bei einigen Projektbesuchen erleben können.

Du sprichst die Preisträger der Laureus World Sport Awards an. Was sollte ein Sportler über seine sportlichen Leistungen hinaus mitbringen, um diesen Award zu verdienen?

Katharina Witt: In erster Linie geht es dabei doch um die sportliche Leistung und im Bestfall auch darum, dass jemand dem Sport lange Zeit seinen Stempel aufgedrückt hat. Da ist Usain Bolt natürlich prädestiniert als Preisträger, der zudem eine tolle, positive Ausstrahlung hat. Aber es geht eben nicht nur darum und umso schöner ist es, dass fast alle großen Sportler sich heutzutage auch abseits des Sports sozial engagieren und ihren Einfluss dafür nutzen. Sie haben verstanden, welche Verantwortung sie haben und versuchen, etwas an nicht so privilegierte Menschen zurückzugeben.

Angesichts der aktuellen weltpolitischen Lage: Darf Sport denn auch politisch sein?

Katharina Witt: Ich glaube, dass man das nicht wirklich trennen kann. Wenn ein Flüchtlingsteam bei den Olympischen Spielen antritt, dann steckt auch eine politische Aussage dahinter. Das ist doch großartig und eine Botschaft, dass man ihre Stimme hört. Und oft wurde der Sport in der Vergangenheit ja auch von der Politik zu Propagandazwecken missbraucht. Natürlich kann der Sport jetzt keine politischen Probleme lösen, aber ich finde es wichtig, dass der Sport nun umgekehrt in die Offensive geht und auf mögliche Probleme aufmerksam macht. Der Sport hat zudem – man denke nur an Fußballmannschaften – eine ungemeine Integrationskraft und genau das wollen wir bei Laureus betonen.

Momentan scheint aber keiner mehr großen Sport in Deutschland haben zu wollen. Zuletzt scheiterten München und Hamburg mit ihren Olympiabewerbungen an der eigenen Bevölkerung. Wie erklären Sie sich das?

Katharina Witt: Ein Stück weit muss sich die Olympische Bewegung sicher noch den aktuellen Gegebenheiten anpassen. Sie muss sich verjüngen, auf aktuelle Trends reagieren. Aber anscheinend glaubt keiner mehr, dass Olympische Spiele, dieses großartige Fest der Jugend, auch nachhaltig veranstaltet werden können. Dabei war London 2012 das beste Beispiel dafür und auch München und Hamburg wäre das gelungen. Aber es stimmt schon, dass sich die Menschen vor allem in ausgeprägt demokratischen Ländern derzeit gegen die Austragung der Spiele stellen. Vielleicht wird manches aber doch einfach zu groß und zu kostspielig und vor diesem Hintergrund sollte man darüber nachdenken, den Gigantismus ein wenig einzudämmen.

kati witt

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