Wasserscheu – Mein erster Triathlon Jörg Birkel

Wasserscheu – Mein erster Triathlon

  • Christian Riedel
Für die meisten Triathlon-Neulinge ist das Schwimmen die größte Angstdisziplin. Doch mit ein paar Tagen Training ist die erste Etappe gar nicht so schlimm, wie befürchtet. Netzathleten-Redakteur Christian Riedel berichtet von seinen ersten Wasser-Erfahrungen beim Triathlon in Hamburg.

Wahrscheinlich hat sich vor dem Hamburg-Triathlon niemand so sehr über das mäßige Wetter gefreut wie ich. Schließlich waren die Temperaturen im Vorfeld so niedrig, dass auch das Wasser in den Binnenalster so kalt war, dass das Tragen eines Neoprenanzugs erlaubt war. Für die Schwimmdistanz bei meinem ersten Triathlon war das schon die halbe Miete.

Vom Backstein zur Ente


Wie für so viele andere Triathlon-Einsteiger war auch für mich das Schwimmen die Zitter-Disziplin, die im Vorfeld für so manche schlaflose Stunde gesorgt hat. Ich habe mich zwar im Schwimmbad so vorbereitet, dass ich die benötigten 500 Meter durchkraulen konnte. Zudem habe ich im Verlauf des Trainings meine Wasserlage dank ein paar Tipps meiner Schwimmtrainerin Melanie Stoll von „Backstein“ auf „tote Ente“ verbessert.

Aber im offenen Wasser mit 70 anderen Startern gleichzeitig los zu schwimmen, ist schon etwas anderes, als im Becken die 25 Meter-Bahn entlang zu paddeln. Insofern waren zwei vorherige Trainingseinheiten im Fühlinger See in Köln schon Gold wert. Denn nur im Freiwasser kann man die Erfahrung sammeln, die man im Wettkampf braucht. Schließlich ist die Orientierung im Wasser ohne Bahnen und Leinen um ein Vielfaches schwieriger.

Für alle Schwimmanfänger, die sich auf den ersten Triathlon vorbereiten, ist es aus meiner Erfahrung heraus wichtig, schon vorher das eine oder andere Mal im See schwimmen zu gehen. Nur so kann man sich an das trübe Wasser ohne Sichthilfen gewöhnen und kann zumindest etwas verhindern, beim Wettkampf zu große Umwege zu schwimmen. Wenn es geht, ist es hilfreich, gemeinsam mit mehreren anderen Schwimmern ins Wasser zu springen, um die Positionskämpfe beim Wettkampf zu simulieren.

Vorteil Neoprenanzug


Leider hat man nicht immer die Erlaubnis, mit einem Neoprenanzug zu schwimmen. In Hamburg war das erlaubt. Schließlich war das Wasser in der Binnenalster nur rund 18 Grad warm. Ein Neoprenanzug schützt nicht nur gegen die Kälte, sondern gibt auch enorm viel Auftrieb, sodass sich meine Wasserlage wahrscheinlich noch einmal von „toter Ente“ zu einem „Schwimm-Anfänger“ verbessert hat. Aber auch hier gilt, dass es von Vorteil ist, wenn man schon vorher einmal mit Neoprenanzug geschwommen ist, um sich an das Wassergefühl zu gewöhnen.

Ich bekam vor dem Start von einem erfahrenen Hamburger Triathleten den Tipp, auf welcher Bahn ich die Schwimmstrecke am besten angehen sollte. Denn die ambitionierten Wettkämpfer suchen sich naturgemäß die kürzeste Bahn aus. Als eher langsamer Schwimmer ist es besser, sich weiter außen zu halten. Hier bekommt man auch weniger Schläge und Tritte ab, die einen aus dem Rhythmus bringen. Bei größeren Veranstaltungen sollte man sich schon die vorderen Startgruppen anschauen. Dann kann man meistens gut sehen, wo es zu Staus und zu Kontakten kommt.

Los geht´s


Mit diesen Tipps ging das Schwimmen in Hamburg fast wie von selber. Nach dem Start musste ich aufpassen, nicht zu schnell anzugehen. Wenn vorne die schnelleren Schwimmer loslegen, besteht die Gefahr, zu überpacen. Wichtig ist, seinen eigenen Rhythmus zu finden und sich von gelegentlichen Stößen nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Mir ist das eigentlich ganz gut gelungen. Beim Umrunden der Boje gab es den einen oder anderen Körperkontakt, und kurz vor dem Ziel bin ich zwischen zwei Brustschwimmer geraten, die ordentlich austeilten, aber ansonsten war meine Angstdisziplin halb so schlimm. Da störte es auch nicht, dass es kurz vor dem Ziel noch unter einer Brücke hindurch ging und es für ein paar Armzüge stockfinster wurde.

Und vom Hochgefühl beflügelt, die Angstdisziplin geschafft zu haben, hat der Rest des Wettkampfs noch einmal mehr Spaß gemacht.

Es gibt aus meiner Sicht keinen Grund, sich vor dem Schwimmen zu fürchten. Wer beim Training die geforderte Distanz im Becken schafft und im Vorfeld auch mal im Freiwasser schwimmen war, braucht bei seinem ersten Triathlon wegen des Schwimmens keine schlaflosen Nächte zu haben.

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