Sportarten im Gesundheitscheck: Schwimmen gettyimages -- Wie gesund Schwimmen ist, erklärt Experte Prof. Dr. Michael Hoffmann
Wie gesund ist Schwimmen eigentlich?

Sportarten im Gesundheitscheck: Schwimmen

  • Prof. Dr. Michael Hoffmann
Neun von zehn Deutschen sind sportlich unterwegs. Das wichtigste Ziel: fit und gesund bleiben. Damit das sowohl Einsteigern als auch erfahrenen Freizeitsportlern gelingt, unterziehen medizinische Experten der Schön Klinik die beliebtesten Sportarten einem Gesundheitscheck und verraten ihre Tipps für ein gesundes und effizientes Training. Heute: Schwimmen.

Wie gesund ist Schwimmen eigentlich?

Im Sommer in Seen und Freibädern baden, im Winter im Hallenbad Bahnen ziehen: Jeder sechste Deutsche geht mindestens einmal die Woche schwimmen – so das Ergebnis einer repräsentativen Online-Umfrage der Schön Klinik unter mehr als 3.000 Teilnehmern. Warum Schwimmen ein effektives Workout für Herz und Muskeln ist, erklärt uns Professor Michael Hoffmann von der Schön Klinik Neustadt, erfahrener Sportmediziner und aktiver Triathlet.

Das sagt der Experte, Prof. Dr. Michael Hoffmann, Schön Klinik Neustadt:

Fitnessfaktor
Sehr gut! Schwimmen ist, ein geeigneter Trainingsplan vorausgesetzt, ein sehr effektives Konditionstraining. Der Trainingseffekt hängt dabei sowohl von der Intensität als auch vom gewählten Schwimmstil ab.

Kraftfaktor
Wie gut die Kraft trainiert wird, hängt maßgeblich von der Trainingsintensität ab. Welche Muskelgruppen trainiert werden, beeinflusst wiederum der Schwimmstil. Sportliches Schwimmen fördert nicht nur Ausdauer und Koordination, sondern kräftigt auch ganz verschiedene Muskelgruppen – und das gleichzeitig. Insbesondere Freistilschwimmen, auch Kraulen genannt, erfordert ein hohes technisches Können.

Verletzungsrisiko
Niedrig. Das Risiko, sich beim Schwimmen zu verletzen ist eher gering.

Rücken- und Gelenkfreundlichkeit
Hoch. Der Wasserauftrieb vermindert das Körpergewicht und dämpft die Bewegungen, die Gelenke werden weniger belastet als zum Beispiel beim Laufen. Deshalb ist Schwimmen Menschen mit Rücken- und Gelenkschmerzen ebenso zu empfehlen wie Übergewichtigen, denen bei falscher Lauftechnik Gelenkprobleme und -schäden drohen.

Herz/Kreislauf
Top. Wer sportlich schwimmt, trainiert seinen Herzmuskel und bringt sein Herz-Kreislauf-System in Schwung. Durch den Wasserdruck verengen sich die Blutgefäße an der Hautoberfläche und das Blut fließt schneller in den Brustraum zurück. Das Herz muss stärker arbeiten, der Herzmuskel wird größer und die Herzfrequenz sinkt. Die Folge: Der Körper wird leistungsfähiger.

Fazit:
Schwimmen eignet sich für Menschen jeden Alters, die sich fit halten oder die Fitness verbessern möchten. Wie intensiv man trainiert und wie hoch der Trainingseffekt für Fitness sowie das Herz-Kreislaufsystem ausfällt, lässt sich frei wählen und an unterschiedliche Leistungsniveaus anpassen. Für ambitionierte Schwimmer ist es sicherlich ratsam, sich von einem Experten beraten zu lassen und einen geeigneten Trainingsplan zu definieren. Für Menschen mit Rücken- und Gelenkproblemen sowie bei Übergewicht ist Schwimmen eine gute Alternative zum Laufen; man kann dabei sogar Gewicht verlieren.

Schwimmen: Die Tipps vom Experten

Wie oft und wie lange sollte man trainieren?
Das Training ist immer abhängig von dem Ziel, das ich mir setze. Wenn ich meine Grundfitness erhalten und verbessern möchte, ist sicherlich einmal Schwimmen pro Woche mit einer Netto-Schwimmzeit von 30 bis 60 Minuten sinnvoll. Wer auf Leistung schwimmt und mit dem Schwimmen Kraft aufbauen will, braucht häufigere und deutlich längere Schwimmeinheiten. Den besten Trainingseffekt erzielt man, wenn man Tempo- und Techniktraining in kleine Einheiten aufteilt, also Intervalle mit unterschiedlicher Intensität absolviert.

Was sollte man beachten?
Grundsätzlich ist beim Schwimmen wenig zu beachten. Brustschwimmen ist meistens die Einstiegstechnik. Wichtig ist, den Kopf nicht über Wasser zu halten, sondern beim Ausatmen immer einzutauchen. Sonst führt die verkrampfte Haltung zu Nackenbeschwerden und Verspannungen im Rücken. Eine Schwimmbrille hilft Reizungen der Augenschleimhäute zu vermeiden, vor allem im chlorierten Hallenschwimmbad. Beim Freistilschwimmen, dem sogenannten Kraulen, kann es für Einsteiger sinnvoll sein, Schwimmunterricht zu nehmen, um die Bewegungs- und Atmungstechniken zu verfeinern. Wenn man Schwimmtechniken verbessern und die Effektivität steigern möchte, kann man bei Techniktrainings Flossen und Auftriebskörper zur Hilfe nehmen.

Was sollte man vermeiden?
Kleinere Schwimmeinheiten im Schwimmbecken sind unproblematisch. Wer intensivere Einheiten plant, sollte darauf achten, dass er dafür fit genug ist und einen individuellen Trainingsplan erstellen. Im Sommer ist das Freiwasserschwimmen eine tolle Alternative zum Hallenbad. Dabei ist es wichtig, sich selbst gut einzuschätzen. Unsichere Schwimmer sollten sich nicht zu weit vom Ufer entfernen, gemeinsam schwimmen oder jemanden am Uferrand als Aufsicht platzieren. Denn Schwimmunfälle, vor allem in Seen und im Meer, führen immer wieder zu Todesfällen. Älteren Sportlern rate ich zudem, langsam ins Wasser zu gehen und sich an den Temperaturunterschied zu gewöhnen.

Wer sollte die Sportart nicht machen?
Weil beim Schwimmen das Leistungsniveau frei wählbar ist und es sich um einen gelenkschonenden Sport handelt, gibt es eigentlich keine Einschränkungen. Auch Sportler mit Behinderungen oder fehlenden Gliedmaßen erreichen mit Kompensationstechniken im Wasser beachtliche Geschwindigkeiten.

hoffmann wie gesund ist schwimmenZur Person: Prof. Dr. Michael Hoffmann

Prof. Dr. Michael Hoffmann ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Als Chefarzt an der Schön Klinik Neustadt beschäftigt er sich vor allem mit Schulterchirurgie, Sportorthopädie und Unfallchirurgie. Der Sportmediziner ist auch privat sportlich unterwegs: Als aktiver Triathlet absolviert er selbst regelmäßig sein Schwimmtraining, um jährlich die Kurz-, Mittel- und IRONMAN-Langdistanz zu bewältigen. Der begeisterte Radrennfahrer nimmt auch an Radrennen teil, sogar die durch die Tour de France weltbekannte Bergetappe zu Alp d’Huez hat er schon gemeistert. www.schoen-klinik.de

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