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Experteninterview

Trenddiät: Was ist pegane Ernährung?

Pegane Ernährung – wieder so ein Trend, der langsam aus den USA zu uns überschwappt. Aber was steckt hinter dieser Ernährungsweise und was bringt sie wirklich? Ernährungsmediziner Prof. Dr. Daniel König liefert Antworten im Interview.
netzathleten.de: Herr Prof. Dr. König, pegan steht für paleo und vegan in einem – klingt irgendwie widersprüchlich. Wie passen diese beiden Ernährungsweisen zusammen?
Prof. Dr. König: Menschen, die sich nach der Paleo-Diät ernähren und Veganer haben sicherlich Probleme, ein gemeinsames Restaurant zu finden. Was bei dem Konzept der peganen Ernährung versucht wurde, ist, aus beiden Ernährungsformen die Extreme herauszunehmen und ein paar Dinge zuzulassen – wie zum Beispiel Fleisch. Der Peganismus ist ein Kompromiss zwischen dem veganen und dem Paleo-Lebensstil.

netzathleten.de: Verpönt sind bei dieser Ernährungsform auch Vollkornprodukte. Dabei sollen die doch so gesund sein, heißt es immer. Warum verzichten Peganer dann auf diese?
Prof. Dr. König: Nach den Vorgaben der  peganen Ernährung sollte Zucker grundsätzlich gemieden werden. Damit ist aber nicht der generelle Verzicht auf alle Kohlenhydrate gemeint; man soll und kann durchaus Kohlenhydrate essen – nur eben keine raffinierten, sondern solche mit solche mit niedrigem glykämischen Index.

Vollkornprodukte werden wohl deswegen weggelassen, weil darin Gluten enthalten ist. Peganer ernähren sich nämlich glutenfrei. Wie viele andere Diätformen, die zurzeit en vogue sind, orientiert sich auch die pegane Ernährungsweise an Trends. Und der Trend ist eben mitunter, dass wir auf Milchprodukte, Fructose und Gluten verzichten sollen, obwohl wir diese Nahrungsmittel eigentlich problemlos vertragen.

netzathleten.de: Gibt es Studien, die etwas zur Wirkung der peganen Ernährung sagen?
Prof. Dr. König: Es gibt in der Wissenschaft noch keine Belege beziehungsweise Erkenntnisse, was eine pegane Ernährung für Vorteile mit sich bringt. Selbst der Arzt Mark Hyman, der den Peganismus erfunden hat, hat noch keine Studie dazu veröffentlicht.

netzathleten.de: Passen pegane Ernährung und Sport zusammen? Wie kann ich sie als Sportler in meinen Alltag integrieren?
Prof. Dr. König: Prinzipiell ist an dieser Ernährungsform nichts falsch. Raffinierte Kohlenhydrate und prozessierte Lebensmittel zu meiden, frisch einzukaufen und selbst zuzubereiten, ist grundsätzlich natürlich begrüßenswert. Für den Sportler sehe ich dennoch ein Problem. Nämlich dann, wenn er diese Ernährungsweise falsch interpretiert. Wenn jemand es so versteht, dass er Kohlenhydrate gänzlich meiden soll, dann wird es schwierig. Im Ausdauersport braucht man einfach Kohlenhydrate. Wenn die fehlen, wird man nicht besonders erfolgreich sein.

netzathleten.de: Ein kurzer Ausblick: Wie stehen Sie als Ernährungsmediziner zum Peganismus?
Prof. Dr. König: Pegane Ernährung ist derzeit noch ein Trend ohne wissenschaftliche Absicherung. Ich befürworte es generell, wenn man sich mit seiner Ernährung auseinandersetzt und versucht, sich gesund und ausgewogen zu ernähren. Ich finde es jedoch prinzipiell problematisch, sich bestimmte Lebensmittel zu verbieten, obwohl sie einem schmecken und man sie gut verträgt. Wenn man aber mit der peganen Ernährung gut zurechtkommt, dann kann man sich ruhig pegan ernähren, insofern man das möchte. Man macht damit sicher nichts verkehrt. Ich finde hier die 80:20 Regel gut – wenn einem diese Ernährungsform liegt, dann sollte man sich zu 80 Prozent daran halten – aber es macht auch nichts, wenn man in 20 Prozent etwas „cheated“ und sich nicht immer zwanghaft an die Vorgaben hält.

Zur Person: Prof. Dr. Daniel König ist Arzt, Internist und Ernährungsmediziner und Leiter des Arbeitsbereichs Ernährung und Sport an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

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