Handball-Lexikon für Fortgeschrittene – Teil 2 picture-alliance

Handball-Lexikon für Fortgeschrittene – Teil 2

  • Stefan Petri
Die EM ist immer noch in vollem Gange, auch wenn Deutschland den Einzug ins Halbfinale denkbar knapp verpasst hat. Grund genug, noch mehr knifflige Handball-Vokabeln unter die Lupe zu nehmen. Wie war das doch gleich mit den Schritten? Zudem widmen wir uns dem Passiven Spiel und den unterschiedlichen Bestrafungsmöglichkeiten durch die Referees.

Technische Fehler

Dazu zählt man im Handball ganz unterschiedliche Dinge, zum Beispiel ein Übertritt (in den Kreis beim Wurfversuch, aber auch beim Siebenmeter oder Freiwurf). Wichtige, aber vielleicht nicht ganz so bekannte Regeln sind:

- Der Ball darf insgesamt nur drei Sekunden in der Hand gehalten werden. Danach muss er „gespielt“, also entweder gepasst, geprellt oder geworfen werden.

- Man darf den Ball einmal auf den Boden tippen (also einmal aufspringen lassen) und dann wieder auffangen. „Prellen“ – was in etwa dem Dribbeln beim Basketball entspricht – darf man ihn so oft, wie man möchte. Wird das „Dribbling“ beendet, darf nicht mehr getippt oder geprellt werden.

- Hat man den Ball unter Kontrolle, darf man ihn nur einmal berühren, bevor man passt, prellt oder wirft. Man darf ihn also nicht hochwerfen und aus der Luft wieder fangen oder aus einer Hand in die andere werfen.

Schrittfehler

„Schritte“ gehören auch noch zu den technischen Fehlern, verdienen aber ob ihrer Komplexität eine eigene Kategorie. Drei Schritte mit Ball sind erlaubt, und zwar vor und nach einem Tippen/Prellen des Balles. Also „Drei Schritte – Tippen/Prellen – Drei Schritte“. Während eines Dribblings sind beliebig viele Schritte erlaubt.

Soweit klar, mag man denken. Aber was ist eigentlich ein „Schritt“ im Handball? Sieht man von ganz normalen Schritten ab, sticht eine Regelung besonders hervor: Fängt ein Spieler den Ball in der Luft und setzt dann einen Fuß auf, ist das Aufkommen mit dem zweiten Fuß bereits ein Schritt. Kommt man aber mit beiden Füßen gleichzeitig auf, ist dieses „Einspringen“ ein sogenannter „Nullschritt“ oder „Nullkontakt“ – man hat damit also Null von den drei möglichen Schritten verbraucht.

Ein Schritt vor, zwei zurück…

In der Praxis kann das dann so aussehen: Spieler A fängt das Zuspiel aus der Luft und kommt mit beiden Füßen gleichzeitig auf (Einspringen/0 Schritte), macht dann einen Sprung, bei dem wieder beide Füße gleichzeitig aufkommen (Nullschritt/diesmal erster Schritt), dann ein weiterer Schritt mit rechts und ein Absprung mit links (zweiter und dritter Schritt). Dann wird der Ball aus der Luft einmal getippt und alles geht von vorne los… Wem jetzt der Kopf brummt: Keine Angst, den Schiedsrichtern geht es meistens ähnlich.

Ob die Füße jeweils genau gleichzeitig aufgesetzt werden, kann meistens nur mit Hilfe einer Zeitlupe festgestellt werden. Ein gutes Beispiel ist dieses Lehrvideo des DHB, bei dem die Aktion genauso gut wegen fünf Schritten hätte abgepfiffen werden können.

Profi-Tipp für Laien: Versucht erst gar nicht, die Schritte zu zählen oder dem Schiri ein gut gemeintes „Das waren doch Schritte, du Blinder!“ zuzubrüllen. Erstens hört er euch über den Fernseher nicht, und zweitens ist es gut möglich, dass ihr euch verzählt habt.

Passives Spiel

Spiel auf Zeit gibt es beim Handball immer wieder, etwa in Unterzahl oder kurz vor Schluss. Lässt die angreifende Mannschaft überhaupt keinen Zug aufs Tor erkennen, können die Schiedsrichter einen Arm heben und „Zeitspiel anzeigen“. Wenn nun nicht innerhalb der nächsten Sekunden der Torabschluss gesucht wird, ertönt ein Pfiff und der Ballbesitz wechselt.

Zeitspiel ist immer mit hitzigen Diskussionen verbunden, denn die Schiedsrichter sind in ihrem Ermessen frei, zu entscheiden, wann ein Zeitspiel vorliegt, und wie schnell es abgepfiffen wird. Neben ihnen werden sich die zwei Trainer aller Voraussicht nach wie Rumpelstilzchen gebärden – schließlich ging es dem Einen viel zu schnell, während der Andere schon seit einer gefühlten Ewigkeit auf den gehobenen Arm wartet. Pi mal Daumen 30 Sekunden dauert es, bis der Arm hoch geht, dann noch etwa fünf Sekunden, bis der Angriff abgepfiffen wird – aber immer auch abhängig von der Spielsituation.

Strafen – gelbe Karte

Während manche Aktionen eine automatische Strafe zur Folge haben (Foul + Abwehrspieler im Kreis = Siebenmeter), müssen die Referees sonst nach Spielsituation, Härte und Wirkung entscheiden. Alles, was über einen Freiwurf (siehe Teil 1) hinausgeht, aber noch keine Zeitstrafe rechtfertigt, wird zunächst mit einer gelben Karte bestraft. Eine Mannschaft kann drei gelbe Karten kassieren, danach gibt es an Stelle der gelben Karten sofort Zeitstrafen. Ein einzelner Spieler darf sich nur eine Gelbe einhandeln, bevor er mit Zeitstrafen bedacht wird.

Strafen – rote Karte

Hat ein Spieler schon zwei Zeitstrafen abgesessen, zieht die dritte eine automatische Rote Karte nach sich. Für ihn ist das Spiel gelaufen. Nach zwei Minuten Zeitstrafe wird die Lücke dann aber von einem Mitspieler geschlossen, die Mannschaft muss das Spiel nicht in Unterzahl beenden. Besonders unsportliche Aktionen können aber auch mit direkter Roter Karte und sogar einer schriftlichen Meldung nach dem Spiel geahndet werden. Das kommt allerdings selten vor. Eine dem Fußball vergleichbare gelb-rote Karte gibt es nicht.

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