Wer hat's erfunden? Eisschnelllauf Dmitry Yashkin /Shutterstock.com

Wer hat's erfunden? Eisschnelllauf

  • Marco Heibel
Die USA, die Niederlande, Norwegen, Deutschland und die UdSSR (bzw. Russland) sind die mit Abstand erfolgreichsten Nationen im Eisschnelllauf. Ganz anders das Mutterland des Eisschnelllaufs: In Großbritannien wurden zwar die ersten Wettbewerbe ausgetragen, zu einer Olympiamedaille haben es die Briten aber nie gebracht.

Heute kann man es sich kaum vorstellen, doch es ist tatsächlich wahr: In England wurde im Jahr 1763 der erste Eisschnelllauf-Wettkampf der Geschichte ausgetragen. Wie es damals üblich war, blieb der sportliche Wettkampf zunächst dem Adel vorbehalten: Zwei namentlich nicht mehr bekannte „Blaublüter“ lieferten sich damals in den zugefrorenen Sümpfen (Fens) der Grafschaft Cambridgeshire einen Wettlauf über 24 Kilometer.

Der Wettbewerb kam so gut bei den Zuschauern an, dass bis 1890 regelmäßig so genannte „Fen Skating“-Wettbewerbe in der Gegend durchgeführt wurden, die sich nicht zuletzt wegen beachtlicher Preisgelder großer Beliebtheit erfreuten. Um dem Publikum mehr Spektakel zu bieten, lief man auf einem Rundkurs von 660 Yards (ungefähr 600 Meter). Auch wenn heutige Bahnen „nur“ 400 Meter lang sind, erinnerte damals bereits einiges an das moderne Eisschnelllaufen: So wurde in Zweierpaarungen gelaufen. Außerdem wechselten die Läufer damals schon regelmäßig die Innen- und Außenbahn.



Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ließ das Interesse in Großbritannien jedoch nach, weil die Winter zunehmend milder wurden. Und wo kein Eis, da auch kein Eisschnelllauf. So einfach ist das manchmal.

Um keine Verwirrung zu stiften: Auf Schlittschuhen wurde natürlich schon sehr viel früher gelaufen. Tierknochen wurden lange vor dem ersten Wettlauf unter die Schuhe geschnallt. Daher kommt übrigens auch der Name „Eisbein“. Von den Fen-Skatern wurden bereits Metallkufen verwendet, die mit einer hölzernen oder einer metallenen Halteplatte verbunden waren. Die Halteplatte wiederum hatte Riemen oder Schraubvorrichtungen, mit denen sie am Fuß oder an den Schuhen befestigt wurde.

Von Großbritannien in den Rest der Welt


Das erste Land außerhalb der britischen Inseln, das für den Eisschnelllauf „Feuer fing“, waren die Niederlande. Hier kam es 1800 zu ersten Jux-Rennen auf den zugefrorenen Kanälen und Grachten. Zu einem echten Wettkampfsport mit Meisterschaften und Rekorden wurde das Eisschnelllaufen aber erst ab dem späten 19. Jahrhundert. Die Niederlande gründeten denn auch 1882 den ersten nationalen Eislaufverband (Deutschland folgte sechs Jahre später). 1889 wurden die ersten (noch inoffiziellen) Weltmeisterschaften ausgetragen, 1924 feierte das Eisschnelllaufen Olympia-Premiere.

Fortschritte auch durch Technik


Mit der Zeit änderten sich auch die Gegebenheiten massiv. Mittlerweile ist der Eissschnelllauf eine Art „Formel 1 des Winters“: Durch die verbesserten Trainingsmöglichkeiten, die künstlichen Eisbahnen (seit den 1960ern), die aerodynamischen Anzüge (seit den 1970ern) oder die Einführung des Klappschlittschuhs (seit den 1990ern) wurden die Athleten immer schneller. So wurde der Weltrekord über 10.000 Meter bei den Männern seit 1893 von 20:21 Minuten auf 12:41 Minuten verbessert. Ein Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht...

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