Apnoe Tauchen und Atemtraining picture alliance

Apnoe Tauchen und Atemtraining

  • Christian Riedel
Wer länger als eine Minute unter Wasser bleiben will, braucht einen Schnorchel oder eine Pressluftflasche. Sollte man meinen. Doch beim Apnoe-Tauchen bleiben die Sportler mehrere Minuten unter Wasser und stellen spektakuläre Rekorde auf.

Apnoe leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet Nichtatmung oder „freies Tauchen“. Man taucht also nur mit der Luftmenge, die man in den eigenen Lungen hat und verzichtet dabei auf zusätzliche Luftversorgung. Jedes Mal, wenn wir beim Schnorcheln abtauchen oder in der Badewanne unter Wasser die Luft anhalten, betreiben wir in gewisser Weise Apnoe Tauchen. Einigen Sportlern reicht dafür die Badewanne bei weitem nicht aus.

Als Sportart gewinnt Apnoe Tauchen weltweit zunehmend an Bedeutung. Fast alle großen Tauchsportverbände haben mittlerweile das Tauchen ohne Pressluftflasche fest in ihr Ausbildungskonzept integriert. Während Apnoe Tauchen heute vor allem als Freizeit- oder Wettkampfsport betrieben wird, wurde es historisch betrachtet vor allem zur Jagd nach Fischen zum Tauchen nach Perlen in der Südsee eingesetzt. Dem Urlaubstaucher ermöglicht die Fähigkeit, seine Luft unter Wasser länger anhalten zu können, ein längeres und tieferes Freitauchen. Das Training beinhaltet sowohl körperliche als auch mentale Aspekte, um schließlich entspannt abtauchen und vor allem wieder gesund auftauchen zu können.

Was braucht ein Sportler zum Apnoe Tauchen?


Die Ausrüstung beim Apnoe Tauchen reicht von einer einfachen Badeshorts bis hin zu komplizierten Schlittenkonstruktionen, mit denen sich die Sportler in die Tiefe ziehen lassen. Die meisten Taucher im Freizeitbereich tragen einfach eine Maske, ab und an einen Schnorchel und Flossen. Die Flossen sind oft länger und härter, um eine bessere Kraftübertragung zu erreichen.

Neben der Grundfähigkeit zu schwimmen ist eine solide Grundlagenausdauer im und außerhalb des Wassers wichtig. Ebenso entscheidend ist die Fähigkeit, die eigene Atmung und den Atemreiz bewusst kontrollieren zu können. Dabei helfen vor allem Entspannungsmethoden und ein gezieltes Atemtraining.

Wir unterscheiden eine Atmung über das Absenken und Heben des Zwerchfells (Bauchatmung) und über eine Anhebung der Rippen (Brustatmung). Da die Lunge dem Zwerchfell und den Rippen durch einen Unterdruck im Pleuraspalt (das entspricht dem Raum zwischen Lunge und Körper) anheftet, führt eine Einatmung zu einer Vergrößerung des Lungenvolumens.

Training der Atemmuskulatur


In den letzten Jahren hat sich in den extensiven Ausdauerdisziplinen (Marathon, Triathlon, etc.) und im Apnoe Tauchen der Einsatz verschiedener Atemtrainer sehr erfolgreich etabliert. Dabei atmet man mit mechanisch oder elektronisch gesteuerten Geräten von der Größe eines Mobiltelefons gegen einen variablen Widerstand tief ein und aus. Auf diese Weise wird vor allem die quergestreifte Zwischenrippenmuskulatur gezielt trainiert. Dadurch gelingt es dem Sportler, den Brustkorb weiter anzuheben und das Zwerchfell weiter abzusenken und die Lunge auf diese Weise weiter auszudehnen und zu füllen. Der tägliche Trainingsaufwand beträgt wenige Minuten, die ersten Erfolge stellen sich ausgesprochen schnell ein.

Apnoe Tauchen als Wettkampfsport


In Wettkämpfen treten die Sportler in verschiedenen Disziplinen gegen die Tiefe, den eigenen Atemantrieb und ihre Mitbewerber an. Man unterscheidet Pooldisziplinen und Tieftauchdisziplinen.

Im Pool existieren das Zeittauchen und verschiedene Streckendisziplinen mit und ohne Flossen. Beim Zeittauchen liegt der Sportler bewegungslos mit dem Gesicht nach unten im Wasser und hält die Luft an. Beim Streckentauchen wird horizontal im Becken eine möglichst lange Distanz zurückgelegt.

Bei den Tieftauchdisziplinen versucht der Taucher, mit einem Atemzug so tief wie möglich ab- und wieder aufzutauchen. Unterschieden werden weiter Disziplinen mit konstantem Gewicht und mit variablem Gewicht. Konstantes Gewicht bedeutet, dass der Taucher mit oder ohne Flossen ohne Zusatzgewichte ab- und auftaucht. Ein variables Gewicht bedeutet, dass der Taucher von einem „Schlitten“ in die Tiefe gezogen wird und entweder aus eigener Kraft oder mit Hilfe eines Hebesacks, den er in der Tiefe mit Luft füllt, wieder auftaucht. Die zuletzt genannte Variante heißt auch „no limit“ und führt einerseits zu immer neuen spektakulären Tiefenrekorden (aktuell 214m, Herbert Nitsch), anderseits aber auch immer wieder zu tödlichen Unfällen.

Aktuelle Rekorde

Hier einige aktuelle Rekorde aus dem Bereich des Apnoetauchens.

Pooldisziplinen
Zeittauchen Maenner 11:35 min. Frauen 8:23 min.
Streckentauchen ohne Flossen Männer: 218 m Frauen 160 m
Streckentauchen mit Flossen Männer: 265 m Frauen 225 m

Tieftauchdisziplinen
Konstantes Gewicht ohne Flossen Männer: 101 m Frauen: 62 m
Konstantes Gewicht mit Flossen Männer: 124 m Frauen: 100 m
No Limit Männer: 214 m Frauen: 160 m

Weitere Links:
Videobeispiele vom Apnoetauchens gibt es hier

Details

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  • Star Vita: Dr. med. Markus Klingenberg arbeitet und als Arzt mit den Schwerpunkten Sport- und Ernährungsmedizin und Personal Trainer in Bonn und in der Sportorthopädie der Klinik-am-Ring in Köln. Mehrmals pro Jahr arbeitet er zudem als Tauchmediziner im indischen Ozean. Seine Schwerpunkte umfassen ein Personal Training, Ernährungs-Coaching, und die Leistungsdiagnostik. Als ehemaliger Leistungssportler kombiniert Dr. med. Markus Klingenberg sein Wissen als Sportmediziner und Personal Trainer, um für seine Kunden nachhaltig erfolgreiche individuelle Konzepte zu entwickeln und umzusetzen.
  • Star Erfolge: Arzt, Sportmediziner, Notarzt

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